Die Abkürzung ISM steht für "Industrial Scientific and Medical", also für Hochfrequenzgeräte
in Industrie, Wissenschaft und Medizin.
Die dafür international zugewiesenen ISM-Frequenzen waren ursprünglich
für leistungsstarke Geräte wie Funkenerosionsmaschinen, Mikrowellenherde
oder für die Hochfrequenzbestrahlung in der Medizin (Diathermie) gedacht,
werden zunehmend jedoch auch für andere Funkübertragungssysteme mit
geringer Sendeleistung des täglichen Gebrauchs wie Funkfernbedienungen
oder Funkkopfhörer verwendet.
Vorteil dieser Anwendungen bei ISM-Frequenzen ist der Wegfall der Anmeldepflicht
und der gebührenfreie Betrieb; sie benötigen alleine eine gerätespezifische
Prüfung und Zulassung (CE-Zeichen).
Die Palette von Anwendungen, die mit ISM-Frequenzen arbeiten ist sehr vielfältig, wobei den Geräten mit großen Leistungen bis einige hundert Watt wie Amateurfunkgeräte, Mikrowellenherde oder Diathermiegeräte auf der anderen Seite Geräte mit sehr kleinen Sendeleistungen gegenüber stehen.
Nachfolgend werden einige solche Anwendungen mit kleiner Sendeleistung mit ihrren typischen Frequenzen, Sendeleistungen und Immissionen kurz beschriebenBabyphon
Die gegenwärtig am Markt erhältlichen Babyphons arbeiten zumeist in einem der ISM-Frequenzbereiche um 40 MHz, 446 MHz, 860 MHz oder 2,45 GHz. Die angebotenen Produkte arbeiten teilweise mit stark unterschiedlichen HF-Sendeleistungen, wobei vor allem im Bereich um 446 MHz teilweise Geräte mit bis zu 500 mW Sendeleistung angeboten werden. Als Antennen kommen teilweise externe Helixantennen, teilweise auch im Geräteinneren liegende Antennenstrukturen (z.B. im 2,45 GHz Band) zur Anwendung.
Gerätetyp Hersteller Frequenz
[MHz] Sendeleistung
[mW] E (1m)
V/m E (3m)
V/m Grenzwert
[V/m]BM30 Vivanco 40,68 max. 10 0,04 0,03 28,0BM1000 Vivanco 446 max. 500 1,086 0,412 29,0BM800 Vivanco 864,7 max. 10 0,447 0,139 40,4Babystar Bob Home 2450 k.A. 0,397 0,109 61,0Hochfrequenztechnische Daten und gemessene Immissionen von Babyphones in 1 und 3 Meter Abstand [Ref. 1]
max. SAR 1g [W/kg] max. SAR 10g [W/kg]Situation 1 0,201 0,133Situation 2 0,146 0,074Gemessene SAR-Werte für das Babyphon BM1000 (446 MHz, 500mW) bei direktem Kontakt in zwei verschiedenen Positionen [Ref. 1]
Bluetooth
Bluetooth (benannt nach dem Wikingerkönig Harald Blauzahn) ist eine international standardisierte Datenschnittstelle mit Funkübertragung. für kurze Enfernungen, die im 2,4-GHz Band arbeitet.
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Drahtlose Steuerungen und Überwachungsanlagen
Hier gibt es eine ganze Reihe von Steuer- und Überwachungssystemen bei denen die Kommunikation zwischen Zentralstation und Sensoren bzw. Aktoren funktechnisch erfolgt. Neben der Fernsteuerung bzw. der Fernabfrage einzelner, spezieller Komponenten (z.B. Garagentoröffner) sind zunehmend auch komplexere, vernetzte Systeme am Markt erhältlich, die eine umfassende Überwachung und/oder Steuerung diverser Parameter im Haushalt ermöglichen (z.B. Alarmanlage).
Gemeinsam ist diesen Anwendungen, dass üblicherweise nur von Zeit zu Zeit sehr geringe Datenmengen gesendet werden, was bedeutet, dass nur vereinzelt kurze Hochfrequenz-Pakete innerhalb von Sekundenbruchteilen absetzt werden und damit im zeitlichen Mittel keine nennenswerten Immissionen auftreten.
Drahtlose Maus und Tastatur
Bei der drahtlosen Computerperipherie wie Maus und Tastatur sind gegenwärtig zwei grundsätzlich unterschiedliche Technologien auf dem Markt. Einige Produkte verwenden Bluetooth zur Kommunikation. Die zweite gängige Art dieser Produkte arbeitet mit generischen Übertragungsprotokollen im 27 MHz Band. Beiden Produkttypen ist jedoch gemeinsam, dass die Sendeleistungen extrem gering sind (< 10 mW). Die Antennen sind meist in den Geräten direkt als gedruckte Schaltung realisiert.
Bei einem Beispiel einer solchen Anwendung, de Tastatur "Precision" von Logitech im 27 MHz-Band wurde im Abstand von einem Meter eine elektr. Feldstärke von 0,012 V/m und in drei Meter Abstand 0,004 V/m gemessen [Ref. 1].
Messergebnisse an weiteren drahtlosen Computerperipherie-Geräten ergaben maximale elektrische Feldstärken von weniger als 10 V/m in 5 cm Abstand und an der Position der Hand und der Finger. SAR-Messergebnisse lagen demnach unterhalb des messbaren Bereiches (< 0,005 W/kg) [Ref. 2].
Drahtlose Videoübertragung
Die am weitesten verbreiteten Anwendungen für die nichtprofessionelle drahtlose Videoübertragung (Heim-Videoübertragungssysteme und drahtlose Webcams) arbeiten praktisch alle im 2,45 GHz Frequenzband mit Sendeleistungen bis zu 100 mW. Die verwendeten Antennenformen reichen von einfachen Drahtantennen bis zu Patch-Antennenstrukturen mit größerer Richtwirkung.
Bei einem Beispiel einer solchen Anwendung, dem MD 4687 von Tevion, das bei 2,45 GHz arbeitet, wurde im Abstand von einem Meter eine elektr. Feldstärke von 1,66 V/m und in drei Meter Abstand 0,47 V/m gemessen [Ref. 1].
Funkkopfhörer
Für solche Anwendungen werden neben Infrarotsystemen auch HF-Systeme (Frequenzmodulation) angeboten, bei denen im Gegensatz zu Infrarotsystemen keine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger notwendig ist. Zur Übertragung wird meist der Frequenzbereich um 860 MHz genutzt. Der Kopfhörer stellt dabei nur eine Empfangsstation dar (sendet also nicht). Die Sendestation, per Kabel mit der Audioquelle (z.B. Stereoanlage) verbunden und üblicherweise in deren Nähe aufgestellt, enthält üblicherweise sehr einfache Drahtantennen (Monopole) und sendet mit Leistungen im Bereich von etwa 10 mW.
Bei zwei untersuchten Geräten von AKG und Philips wurden im Abstand von einem Meter zum Sender elektr. Feldstärken zwischen 0,14 und 0,35 V/m gemessen, in drei Meter Abstand waren es zwischen 0,04 und 0,1 V/m [Ref. 1].
Handfunkgeräte
Hier gibt es verschiedene Arten von lizenzfreien Fungeräten, die in unterschiedlichen Frequenzbereichen mit unterschiedlichen Sendeleistungen arbeiten.
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Wireless-LAN
Wireless Local Area Networks sind lokale Datennetze, die über Funk oder Infrarot drahtlose Datenübertragungen zwischen Geräten wie PC's, Servern und Druckern, aber auch digitale Geräte der Unterhaltungselektronik vornehmlich innerhalb von Gebäuden ermöglichen.
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Die komplette Liste der ISM-Frequenzen und die beispielhaft für Funkanwendungen geringer Reichweite (Short Rage Devices, SRD) jeweils erlaubten Sendeleistungen ist wie folgt:
Frequenzbereich Maximale Sendeleistung für SRD's 6765,0 - 6975 kHz
42dBµA/m in 10 m Entfernung
= Magnetische Feldstärke 13,553 - 13,567 MHz
42dBµA/m in 10 m Entfernung
26,957 - 27,283 MHz
42dBµA/m in 10 m Entfernung oder 10 mW ERP
40,660 - 40,700 MHz
10 mW ERP
Info zu ERP und EIRP: siehe hier 433,05 - 434,79 MHz
10 mW ERP
868,000 - 868,600 MHz 25 mW ERP868,700 - 869,200 MHz 25 mW ERP869,300 - 869,400 MHz 10 mW ERP869,400 - 869,650 MHz 500 mW ERP869,700 - 870,000 MHz 5 mW ERP2400,0 - 2483,5 MHz
10 mW EIRP
5725,0 - 5875,0 MHz
25 mW EIRP
24,000 - 24,250 GHz
100 mW EIRP
61,000 - 61,500 GHz 100 mW EIRP122 - 123 GHz 100 mW EIRP244 - 246 GHz 100 mW EIRPFür manche, besonders definierte Anwendungen bestehen eigene Definitionen für die maximalen Sendeleistungen (z. B. Wireless-LAN's oder Mikrowellenherde). Für die Frequenzbereiche im 860 MHz-Band bestehen auch Einschränkungen der Frequenzbelegungsdauer. Details sind in in den jeweiligen Allgemeinzuteilungen der Bundesnetzagentur nachzulesen.
Bedingt durch eine zunehmende Flut von ISM-Geräten (alleine in Deutschland mehrere Millionen) ist eine gegenseitige Beeinflussung bzw. Störung unvermeidbar: Die jeweiligen Empfänger empfangen ja nicht nur die eigenen, gewünschten Signale, sondern auch die von anderen, in der Nachbarschaft betriebenen Geräten.
Anders als z. B. beim Mobilfunk findet auch keine kontrollierte Aufstellung oder Kontrolle der vorhandenen Sendeanlagen und deren Frequenzen statt.
Die Hersteller versuchen die dadurch entstehenden Probleme zwar durch entsprechende Bauweise wie etwa Codierung der geräteeigenen Signale zu vermindern, doch dies hilft (besonders bei einfach & preiswert zu fertigenden Geräten) nur in begrenzem Maß.So kann z. B. eine Funk-Alarmanlage ihren Dienst versagen, weil der Nachbar gerade seine neueste CD mit einem Funkkopfhörer genießt oder ein Auto lässt sich nicht mehr öffnen, weil in der Arztpraxis daneben zur gleichen Zeit eine Diathermiebehandlung stattfindet.
Nicht ohne Grund steht in den Nutzungsbestimmungen der in Deutschland gültigen Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung zu den ISM-Frequenzen:
"Funkdienste, die innerhalb dieser Frequenzbereiche wahrgenommen werden, müssen Störungen, die durch diese Anwendungen gegebenenfalls verursacht werden, hinnehmen." Der Einsatz von Geräten, welche mit ISM-Frequenzen arbeiten ist also nur dann sinnvoll, wenn es nicht so sehr auf eine störungsfreie Funkverbindung ankommt, bzw. Störungen nur vorübergehend auftreten und hingenommen werden können und nur kurze Entfernungen zu überbrücken sind.
Dies ist der Preis, der dafür zu zahlen ist, daß auf Wunsch der Verbraucher und Hersteller mit den ISM-Frequenzen die Möglichkeit geschaffen wurde, mit preiswerten Geräten ohne große Formalitäten einfache Funkübertragungen zu realisieren.
Allgemeinzuteilungen der Bundesnetzagentur Referenzen:
[1]Abschlussbericht zu dem Forschungsvorhaben Bestimmung der Exposition bei Verwendung kabelloser Übermittlungsverfahren in Haushalt und Büro aus dem Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm (2005) [2]Kühn S, Lott U, Kramer A, Kuster N: Assessment of Human Exposure to Electromagnetic Radiation from Wireless Devices in Home and Office Environments; Presentation at the WHO Workshop on Base Stations & Wireless Networks: Exposure and Health Consequences, 15. June 2005, Geneva:
http://www.who.int/peh-emf/meetings/archive/bsw_kuster.pdf (960 kB)
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