Im Jahr 1997 erregte die Langzeitstudie einer australischen Forschergruppe
um M. Repacholi mit transgenen (genveränderten) Mäusen erhebliches
Aufsehen, da hierbei ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Blutkrebs
(Lymphome) festgestellt wurde, wenn die Tiere über längere Zeit zweimal
täglich eine halbe Stunde lang gepulsten hochfrequenten Feldern wie von einem
GSM-Handy ausgesetzt waren.
Während von wissenschaftlicher Seite damals einige Kritik u. a. an den
mangelhaft kontrollierten Versuchsbedingungen und der Nichtübertragbarkeit
auf den Menschen geäussert wurde, wurde in der Öffentlichkeit der
Vorwurf der Geheimniskrämerei laut, da die Studie nach ihrer Fertigstellung
im Jahr 1995 lange nicht veröffentlicht worden war. In der Folge hatten
die weit verbreiteten Ergebnisse wesentlich zur Furcht vor den möglichen Gefahren
elektromagnetischer Felder beigetragen.
Die Strahlenschutzkommission (SSK) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfahlen damals eine Wiederholung der Studie unter verbesserten Expositionsbedingungen. Zwischenzeitlich wurden zwei solche Wiederholungsstudien in Angriff genommen, wobei eine davon nun zum Abschluss gebracht und in der September-Ausgabe 2002 der Zeitschrift Radiation Research vorgestellt wurde. Darin konnten Repacholis Ergebnisse nicht bestätigt werden.
In dieser neuen, von dem Australian National Health & Medical Research Council (Australisches Komitee für nationale Gesundheit und medizinische Forschung) beauftragten und mit über 1 Mio. AUS-$ finanzierten Studie untersuchte eine australische Gruppe um Tammy D. Utteridge an der Adelaide University sowohl transgene als auch normale Mäuse in unterschiedlich exponierten Gruppen sowie einer nicht-exponierten Vergleichsgruppe. Das hierfür verwendete GSM-Signal und die Dauer der Befeldung entsprachen den Bedingungen der Originalstudie, jedoch wurde die Studiendurchführung gegenüber Repacholis Untersuchung in folgenden Punkten verfeinert:
Als Ergebnis wurde kein signifikanter Unterschied im Auftreten von Blutkrebs zwischen den unterschiedlich exponierten Tieren und den nicht-exponierten Tieren gefunden. Es wurde auch kein dosisabhängiger Effekt oder Erhöhung der Häufigkeit anderer Krebsarten gefunden:
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Diese Tabelle (Auszug aus dem Artikel in Radiation Research) zeigt die Verteilung des Auftretens verschiedener Tumorarten bei den verschiedenen Gruppen. Es sind keine signifikanten Unterschiede zwischen den unterschiedlich exponierten Tieren zu erkennen.
Der Leiter der Studie, Dr. Tim Kuchel, ist sich allerdings der Begrenztheit seiner positiven Ergebnisse bewusst und weist darauf hin, dass es auch andere Effekte als die Krebsentstehung bei Mäusen geben könnte.
Gleich nach Erscheinen der Studie wurde von verschiedener Seite Kritik daran laut. Einige Punkte davon werden ausführlich in einer Übersicht des Ecolog-Instituts erläutert, nachfolgend eine Zusammenfassung sowie neuere Ergänzungen aus der Fachzeitschrift Microwave News (Ausgabe 1/2003):
Aus diesen Gründen wird von vielen Wissenschaftlern angezweifelt, dass diese Studie tatsächlich eine Wiederholungsstudie von Repacholi's Studie aus dem Jahr 1997 darstellt. Allerdings wird anerkannt, dass die gefundenen Ergebnisse auch bei Berücksichtigung der gefundenen Schwächen Repacholi's Krebsraten nicht bestätigen können.
Aus diesem Grund werden mit Interesse die Ergebnisse der zweiten Wiederholungsstudie einer italienischen Forschergruppe Anfang 2004 erwartet.
Referenzen:
Long-Term Exposure of Eµ-Pim1 Transgenic Mice to 898.4 MHz Microwaves does not Increase Lymphoma Incidence.
Radiatian Research 2002 Sep;158(3):357-364.
Utteridge TD, Gebski V, Finnie JW, Vernon-Roberts B, Kuchel TR.
Veterinary Services Division, Institute of Medical and Veterinary Science, Gilles Plains, South Australia, 5086, Australia.
Abstracts der Studie Mobile phones off the hook
Ein englischsprachiger Artikel aus Australien, in welchem verschiedene Experten (u. a. auch der Studienleiter Dr. T. Kuchel) die Ergebnisse dieser Studie bewerten.Besteht ein erhöhtes Lymphomrisiko durch Einwirkung elektromagnetischer Felder von Mobiltelefonen?
Eine vergleichende Beschreibung der Studien von Repacholi und Utteridge (Auszug aus dem Newsletter 2/2002 der Foschungsgemeinschaft Funk, 140 KB)
EMF fördern Blutkrebs bei transgenen Mäusen
Dieser Artikel im Elektrosmog-Report Nr. 7 vom Juli 1997 berichtet ausführlich über die Repacholi-Studie, anschliessend folgt noch eine Stellungnahme von RepacholiBewertung der Studie von Repacholi und Mitarbeitern über den Einfluß gepulster Hochfrequenzfelder auf die Krebsentstehung bei genmanipulierten Mäusen
Stellungnahme der Strahlenschutzkommission vom September 1997 (24 KB)Krebsentstehung und -entwicklung
Eine Seite auf dieser Homepage mit einer Einführung sowie einer Übersicht über Forschungsarbeiten
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