Ziel:
Zu untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber GSM- oder UMTS-ähnlichen elektromagnetischen Feldern und dem Auftreten von subjektiven Beschwerden besteht, und ob kognitive Funktionen durch die Exposition beeinflusst werden.
Kollektiv:
Zwei Gruppen von Teilnehmern: Gruppe A: 36 Personen, die Beschwerden im Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern angaben und sich beim "Monitoring Network for Environmental Health" gemeldet hatten. Gruppe B: 36 beschwerdefreie Personen, die per Internet- oder Zeitungsinserat akquiriert wurden.
Exposition:
Es wurden vier Expositionsarten untersucht: a) GSM 900 MHz, b) GSM 1800 MHz, c) UMTS-ähnlich 2100 MHz, d) Scheinexposition. Maximale Feldstärke: 1 V/m. Spezifische Absorptionsrate (SAR) für 2100 MHz: maximal: 0,064 mW/kg, gemittelt über 10 g Gewebe: 0,078 mW/kg. Maximale SAR über 10 g für das 900- bzw. 1800-MHz-Signal: 0.045 mW/kg bzw. 0.082 mW/kg.
Methode:
Plazebokontrollierte Doppelblindstudie, dreifaches Cross-over-Design. Jede Versuchsperson absolvierte eine Trainingssitzung mit allen kognitiven Tests zu Reaktionszeit, Erinnerungsvermögen, visueller Aufmerksamkeit und Dual-Tasking (Taskomat-Test). Danach folgten drei Sitzungen mit zwei realen Expositionen und einer Scheinexposition in randomisierter Reihenfolge. Dadurch lagen für jede reale Exposition Daten von 24 Probanden vor und für die Scheinexposition von 36 Personen. Während jeder Exposition wurden die kognitiven Funktionstests durchgeführt. Vor der Trainingssitzung füllten die Teilnehmer einen psychologischen Fragebogen aus (Big-Five) und nach jedem Taskomat-Test einen Fragebogen zum Wohlbefinden. Die Gesamtdauer des Versuchs betrug ungefähr 2,5 Stunden. Die Stichprobengrösse wurde auf 28 Personen pro Studiengruppe berechnet (5% Unterschied, alpha: 0.05, Power: 80%). Die statistischen Analysen erfolgten mittels Varianzanalyse (ANOVA), nichtparametrischem Mann-Whitney-U-Test (Wilcoxon), Vorzeichen-Rang-Test und Cochran-Mantel-Haenszel-Test.
Resultate:
Die Ergebnisse zeigen in beiden Personengruppen eine statistisch signifikante Assoziation zwischen der Exposition gegenüber UMTS-ähnlichen Feldern (Feldstärke: 1 V/m) und einer Beeinträchtigung des subjektiven Wohlbefindens. Die Dimension der beobachteten Unterschiede ist relativ klein. Für die GSM-Expositionen (900 und 1800 MHz) zeigte sich hinsichtlich Wohlbefinden kein signifikanter Unterschied zwischen realer Exposition und Scheinexposition. Von den 30 Tests zur kognitiven Funktion ergaben sich bei acht Tests signifikante Unterschiede zwischen realer Exposition und Scheinexposition, teilweise handelte es sich um eine Verbesserung der kognitiven Leistung. In Gruppe A zeigten sich zwei signifikante Unterschiede bei GSM 900 und ein signifikanter Unterschied beim UMTS-ähnlichen Signal. In Gruppe B waren bei Exposition gegenüber dem GSM-1800-Feld zwei Testergebnisse signifikant verschieden und drei beim UMTS-ähnlichen Signal.
Schlussfolgerung:
Die Resultate weisen auf einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber UMTS-ähnlichen Hochfrequenzfeldern mit einer Feldstärke von 1 V/m und dem Wohlbefinden hin. Ein direkter Vergleich der beiden Studiengruppen (A und B) ist auf Grund ihrer unterschiedlichen demographischen Struktur und wegen des Selektionsverfahrens nicht zulässig. Der Fragebogen zum Wohlbefinden (gekürzte Version eines bereits bestehenden) ist noch nicht validiert worden. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die statistisch signifikanten Unterschiede bei den acht kognitiven Funktionstests durch Zufall entstanden sind. Eine Hypothese zur Entstehung dieser Effekte kann aus den Ergebnissen nicht abgeleitet werden, thermische Auswirkungen sind aber nicht anzunehmen. Weitere Studien notwendig, um die beobachteten Unterschiede zu verifizieren.
Bemerkung:
Es wurde kritisiert, dass 36 Personen mit Scheinexposition und 24 Personen mit realer Exposition verglichen wurden. Die daraufhin erneut durchgeführte Analyse ergab bei den kognitiven Funktionstests in Gruppe B eine statistische Signifikanz weniger als vorher, alle anderen signifikanten Unterschiede blieben bestehen. Nach einer nochmaligen Auswertung mit Korrektur für multiple Expositionen zeigte sich nur noch in einem Kurzzeitgedächtnistest ("memory comparison test") ein signifikanter Unterschied zwischen UMTS-Exposition und Scheinexposition in Gruppe B, die übrigen Differenzen waren nicht mehr signifikant (Publikation Nr. 2004/13, Health Council of the Netherlands, The Hague, www.gezondheidsraad.nl). Bezüglich Expositionssituation ist diese Studie bisher einzigartig, da sie mit einem Doppelblindverfahren eine niedrig dosierte Ganzkörperbefeldung untersucht hat. Um eventuelle Artefakte ausschliessen zu können (z.B. Wahrnehmbarkeit des Expositionsstatus), sind Replikationsstudien notwendig. |