Auf dieser Seite werden im ersten Teil nach dem Verweis zum EMF-Portal neuere Studien aufgelistet, welche sich mit Befindlichkeitsstörungen besonders durch Mobiltelefone befassen. Danach folgt eine Übersicht früherer sowie allgemeinerer Studien; die Untersuchungen zu Befindlichkeitsstörungen durch Mobilfunk-Basisstationen sind auf einer eigenständigen Seite zusammengefasst.
Übersichtstabelle des EMF-Portals zu Studien über Elektrosensibilität/Wohlbefinden/subjektive Beschwerden
Haben TETRA (Airwave)-Basisstations-Signale eine kurzzeitige Wirkung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden?
Bei dieser Studie aus Großbritannien kamen die Autoren zu dem Schluss, dass die nachteiligen Symptome, die von elektrosensiblen Individuen empfunden werden, eher aufgrund des Glaubens an einen Schaden durch TETRA-Basisstationen zustandekommen als durch das schwache elektromagnetische Feld selbst.
Wallace D, Eltiti S, Ridgewell A, Garner K, Russo R, Sepulveda F, Walker S, Quinlan T, Dudley S, Maung S, Deeble R, Fox E: Do TETRA (Airwave) Base Station Signals Have a Short-Term Impact on Health and Well-Being? A Randomized Double-Blind Provocation Study, Environ Health Perspect 2010; 118 (6): 735 - 741
Zusammenfassung im EMF-PortalBelastete Plätze oder belastete Gemüter?
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse dieser Provokationsstudie, dass es eine beachtliche Nocebo-Wirkung bei den Symptom-Berichten in Verbindung mit elektromagnetischen 50 Hz-Feldern gibt. Elektrosensibilität scheint durch psychosoziale Faktoren gebildet zu werden, wie erhöhte Risikowahrnehmung und -Erwartungen, Selbst-Beobachtung, Somatisierung und somatosensorische Verstärkung.
Szemerszky R, Koteles F, Lihi R, Bardos G.: Polluted places or polluted minds? An experimental sham-exposure study on background psychological factors of symptom formation in 'Idiophatic Environmental Intolerance attributed to electromagnetic fields' , Int J Hyg Environ Health 2010; 213 (5): 387 - 394
Zusammenfassung im EMF-Portal
Schwedische Querschnittstudie zur Elektrosensibilität
Bei dieser Studie berichteten Personen mit mobiltelefonbezogenen Symptomen häufiger über Beschwerden im Bereich des Kopfes, beispielsweise Wärmegefühl am Ohr, Brennen und Prickeln auf der Haut. Personen mit EHS gaben dagegen eher allgemeine neurasthenische Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Schwindel an. Insgesamt bestand bei Personen mit EMF-bezogenen Beschwerden ein höheres Niveau an Ängstlichkeit, Depression, Somatisierung, Erschöpfung und Stress als in der Allgemeinbevölkerung oder in der beschwerdefreien Kontrollgruppe.
Johansson A.;Nordin S.;Heiden M.;Sandström M.: Symptoms, personality traits, and stress in people with mobile phone-related symptoms and electromagnetic hypersensitivity. J Psychosom Res 2010: 68 (1), 37-45.
Zusammenfassung bei ELMAR
Diese Veröffentlichung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Dr. Kaul) kombiniert ein umfangreiches Literaturreview und Darstellung der öffentlichen Diskussion mit den ausführlich dargestellten Ergebnissen der eigenen Untersuchungen mit 50Hz und GSM-Mobiltelefonexposition.
G. Kaul: Was verursacht "elektromagnetische Hypersensibilität"?. Individuelle Wahrnehmung oder reaktiv ausgelöste Empfindlichkeit auf elektromagnetische Felder
1. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2009.Akute Gesundheitseffekte durch Mobilfunk bei Kindern
Eine Studie aus dem Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm.
Zur Zusammenfassung und Download des Abschlußberichts
Untersuchung elektrosensibler Personen im Hinblick auf Begleitfaktoren bzw. -erkrankungen
Eine Studie aus dem Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm:
Untersuchung elektrosensibler Personen im Hinblick auf Begleitfaktoren bzw. -erkrankungen, wie z.B. Allergien und erhöhte Belastung mit bzw. Empfindlichkeit gegenüber Schwermetallen und Chemikalien
Untersuchung des Phänomens "Elektrosensibilität" mittels einer epidemiologischen Studie an "elektrosensiblen" Patienten einschließlich der Erfassung klinischer Parameter
Bei dieser Arbeit des Universitätsklinikums Regensburg für das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm zeigte sich, dass die elektrosensiblen Probanden nicht etwa besser sondern schlechter als Kontrollpersonen zwischen echten und Scheinimpulsen unterscheiden können, da sie in vielen Fällen auch bei Scheinimpulsen angaben, etwas zu "spüren".
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Pilotstudie mit Personendosimetern zeigt keinen Zusammenhang zwischen Exposition und Befindlichkeit
Thomas S., Kühnlein A., Heinrich S., Praml G., Nowak D., von Kries R., Radon K.: Personal exposure to mobile phone frequencies and well-being in adults: A cross-sectional study based on dosimetry. Bioelectromagnetics 2008: 29 (6), 463-470.
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR
Exposition bei elektromagnetischen Mobilfunk-Feldern und subjektive Symptome: Eine Doppelblind-Studie
Cinel C, Russo R, Boldini A, and Fox E (2008). Exposure to mobile phone electromagnetic fields and subjective symptoms: a double-blind study. Psychosomatic Medicine, 70, 345-348.
Abstract
Zusammenfassung im EMF-Portal
Provokationsstudie zur Untersuchung von Kopfschmerzen und anderen Symptomen durch Mobiltelefonieren zeigt gemischtes Ergebnis
Lena Hillert, Torbjörn Åkerstedt, Arne Lowden, Clairy Wiholm, Niels Kuster, Sven Ebert, Clementine Boutry, Scott Douglas Moffat, Mats Berg, Bengt Birger Arnetz: The effects of 884 MHz GSM wireless communication signals on headache and other symptoms: An experimental provocation study, Bioelectromagnetics, 2007 Issue 3, Pages 185 - 196
Abstract
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR
"Elektrosensible" versagen beim Versuch, das Feld von GSM-Mobiltelefonen wahrzunehmen
Myoung Soo Kwon, Mika Koivisto, Matti Laine, Heikki Hämäläinen: Perception of the electromagnetic field emitted by a mobile phone, Bioelectromagnetics, 2007 Issue 2, Pages 154 - 159
Abstract
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR
Mobiltelefonexposition zeigt im Laborversuch Einfluss auf das Wohlbefinden und den Schlaf
Bengt B. Arnetz, Torbjorn Akerstedt, Lena Hillert, Arne Lowden, Niels Kuster, and Clairy Wiholm: The Effects of 884 MHz GSM Wireless Communication Signals on Self-reported Symptom and Sleep (EEG)- An Experimental Provocation Study, PIERS Online, Vol. 3, No. 7, 1148-1150, 2007
Abstract und zum Download des Gesamttextes
Zusammenfassung bei ELMAR
Provokationstudie zeigt keine Befindlichkeitsstörungen durch Mobiltelefonnutzung
Oftedal G, Straume A, Johnsson A, Stovner L.: Mobile phone headache: a double blind, sham-controlled provocation study, Cephalalgia. 2007 Mar 14; [Epub ahead of print]
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR
Mobiltelefonieren führt zu keinen Befindlichkeitsstörungen
Mortazavi SM, Ahmadi J, Shariati M.: Prevalence of subjective poor health symptoms associated with exposure to electromagnetic fields among university students, Bioelectromagnetics. 2007 Mar 1; [Epub ahead of print]
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR
Psychophysiologische Tests und Provokation von Testpersonen mit Handy-verbundenen Symptomen
Bei dieser schwedischen Untersuchung mit Freiwilligen wurden bei Herz-Kreislauf- Parametern, kognitiven Funktionen und Befindlichkeiten keine signifikanten Unterschiede gefunden, die mit den hochfrequenten Expositions-Bedingungen verbunden waren
Wilen J, Johansson A, Kalezic N, Lyskov E, Sandstrom M.: Psychophysiological tests and provocation of subjects with mobile phone related symptoms, Bioelectromagnetics. 2006 Apr;27(3):204-14.
Abstract
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR
Studie zu Befindlichkeitsstörungen durch Mobiltelefone
Für diese Studie liess der bereits von anderen Veröffentlichungen zur Elektrosensibilität bekannte britische Wisschenschaftler G James Rubin jeweils 60 "normale" und 60 "elektrosensible" Versuchspersonen je bis zu 80 Minuten mit einem modifizierten Mobiltelefon unter drei unterschiedlichen Bedingungen telefonieren: Mit einem gepulsten Sendesignal, einem ungepulsten sowie ohne Sendesignal an der Antenne (Sham-Exposition). Dabei stellte er fest, dass besonders bei den "Elektrosensiblen" im Verlauf des Telefonats zwar Befindlichkeitsstörungen wie Kopfschmerzen zunahmen, dass diese jedoch nicht mit der Art der Exposition zusammenhingen, also auch bei fehlender Strahlung auftraten (Nocebo-Effekt).
G James Rubin, Gareth Hahn, Brian S Everitt, Anthony J Cleare, Simon Wessely: Are some people sensitive to mobile phone signals? Within participants double blind randomised provocation study, BMJ, doi:10.1136/bmj.38765.519850.55 (published 6 March 2006)
Abstract
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Zusammenfassung bei ELMAR
Ergänzende Informationen über Elektrosensible
Die Ergebnisse der hier durchgeführten quantitativen und qualitativen Befragung für ein Projekt des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms bieten nähere Erkenntnisse über die Personen, die körperliche Beschwerden auf das Vorhandensein von elektrischen, magnetischen oder elektromagnetischen Feldern (EMF) zurückführen.
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Hierzu der Teil 1-4 des Kapitels "Stand der Forschung" aus dem Abschlussbericht des folgenden Projektes aus dem Deutschen Mobilfunk-Foschungsprogramms (2006): Untersuchung des Phänomens "Elektrosensibilität" mittels einer epidemiologischen Studie an "elektrosensiblen" Patienten einschließlich der Erfassung klinischer Parameter:
Expositionsstudien
In zahlreichen Expositionsstudien wurde versucht, einen direkten Zusammenhang zwischen erlebten Symptomen und der gezielten Exposition an EMF unterschiedlicher Frequenz zu überprüfen. Wie das Beschwerdebild selbst, so sind auch die hierzu verwendeten Untersuchungsparadigmen sehr vielgestaltig. Mehrere doppelblinde Expositionsexperimente zur Untersuchung der Reaktionen subjektiv elektrosensibler Personen mit (Andersson et al., 1996; Flodin, Seneby, & Tegenfeldt, 2000; Lonne-Rahm et al., 2000; Rubin, Hahn, Everitt, A.J., & Wessely, 2006) oder ohne (Hietanen et al., 2002; Raczek, Runow, Oetzel, Gailus, & Herger, 2000) beschwerdefreie Kontrollen wurden in Labors und einmal auch in der Alltagsumgebung (Flodin et al., 2000) der betroffenen Individuen durchgeführt. Gemeinsam ist den meisten Studien das Ergebnis, dass weder die elektrosensiblen Versuchpersonen noch die jeweiligen Kontrollen in der Lage waren, überzufällig häufig eine zutreffende Einschätzung der Expositionsbedingung (Feld an oder aus) abzugeben. Vereinzelt (z.B. (Müller et al., 2002) wurden Personen gefunden, die überzufällig hohe Trefferquoten erzielten. Die Gruppenzugehörigkeit (also die Selbstdiagnose einer Elektrosensibilität) korrespondierte damit allerdings nicht.
Die einzige, viel zitierte und auch vielfach kritisierte (vgl. (Bergqvist & Franzen, 1993) Studie, die zu dem Schluss kam, dass die elektrosensiblen Versuchpersonen eine konsistent häufigere physiologische Reaktion auf die untersuchten Felder zeigten als die Kontrollpersonen, stammt aus den USA (Rea et al., 1991). Hier wurden in mehreren Vorversuchen 25 aus 100 subjektiv elektrosensiblen Probanden identifiziert, die auf Felder verschiedener Frequenzen zuverlässig reagierten. Im Vergleich zu einer beschwerdefreien Kontrollgruppe reagierten von diesen 16 auf die folgende Exposition, von den Kontrollen niemand. Mängel in der Expositionsmessung, dem experimentellen Setting und der methodischen Beschreibung stellen die Stichhaltigkeit dieses Ergebnisses aber in Frage. Ebenso weist die Tatsache, dass die Studie von den Autoren in einer Folgestudie nicht repliziert werden konnte (Wang, Hawkins, & Rea, 1994) eher auf einen Zufallsbefund in der Erstpublikation.
Neuere, positive Berichte über die Existenz von messbarer Elektrosensibilität stammen aus den Niederlanden (Zwamborn, Vossen, van Leersum, Ouwens, & Mäkel, 2003). Hier wurde in der so genannten TNO-Studie ein statistisch signifikanter Zusammenhang (p=0.05) von UMTS-Signalen und dem Wohlbefinden elektrosensibler Versuchspersonen sowie deren Kontrollen gefunden. Kein derartiger Effekt konnte für die verwendeten GSM Signale (900 und 1800 MHz) im Vergleich zur Placebo-Bedingung entdeckt werden. Die Unterschiede bei den ebenfalls erhobenen kognitiven Leistungen sind für die beiden Untersuchungsgruppen inkonsistent.
Kritisch ist bei der TNO-Studie zu beachten, dass der verwendete Fragebogen zum Wohlbefinden ein Auszug aus einem längeren Fragebogen ist, der in dieser verkürzten Fassung noch nicht validiert wurde. Aussagen zur Bedeutung der gefundenen Veränderung können somit nicht getätigt werden. Zudem sind die beobachteten Resultate zum Wohlbefinden zwar statistisch signifikant, jedoch nur schwach in ihrer Ausprägung. Aufgrund der relativ kurzen Expositionsdauer konnten möglicherweise Effekte längerer Exposition nicht gefunden werden. Ein carry-over Effekt kann aufgrund der kurzen washout Periode von 30 Minuten ebenso wenig ausgeschlossen werden.
Die Ergebnisse der niederländischen Arbeitsgruppe wurden weltweit lebhaft wahrgenommen und werden in Publikationsorganen von Betroffenenorganisationen als der wissenschaftliche Nachweis des gesundheitlichen Gefahrenpotenzials von UMTS-Netzen angesehen. Eine Veröffentlichung in peer-reviewed Journalen ist bislang jedoch nicht erfolgt. Wegen der hohen Bedeutung der Ergebnisse wurde aber ein Replikationsversuch der Studie an einer größeren Stichprobe in einem Forschungsprojekt in der Schweiz unternommen (siehe hierzu: www.mobile-research.ethz.ch). Unter Beibehaltung des Expositionssettings sollten hier die Wirkungen zweier UMTS-Signale (Feldstärken 1 V/m und 10 V/m - zur Ermittlung einer potenziellen Dosis-Wirkungs-Beziehung) und eine Placebobedingung im Doppelblindversuch miteinander verglichen werden. Keine der beiden UMTS Versuchbedingungen führte unter Verwendung eines neuen, validierten Fragebogens wie auch des ursprünglichen Fragebogens aus der TNO-Studie zu einer Veränderung des Wohlbefindens. Die angegebene Symptomlast war bedingungsunabhängig bei den Elektrosensiblen höher. Die Versuchspersonen waren weiterhin nicht in der Lage, die elektromagnetischen Felder bewusst wahrzunehmen. Schließlich konnte auch kein konsistenter Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit der Probanden nachgewiesen werden (Regel et al., 2006).
Auch eine neuere Studie von (Wilén, Johansson, Kalezic, Lyskov, & Sandström, 2006) erbrachte keinerlei Unterschiede bezüglich der Auswirkungen eines der Handystrahlung nachempfundenen EMF im Hochfrequenzbereich. Untersucht wurden potentielle Auswirkungen bei Personen mit handybezogenen Symptomen im Hinblick auf Herzrate (HR), Herzratenvariabilität (HRV), Atmung, lokale Durchblutung, elektrischen Hautwiderstand, Flimmer-Verschmelzungsfrequenz, Kurzzeitgedächtnis und Reaktionszeiten. Bezüglich der erhobenen Baselines hatten zwar Betroffene längere Reaktionszeiten, doch verschwand dieser Unterschied bei Messwiederholung. Ein bleibender Gruppenunterschied ergab sich bezüglich der HRV, der Flimmer- und Verschmelzungsfrequenz (Frequenz von Lichtblitzen, ab der das menschliche Auge diese als kontinuierlich versus unterbrochen wahrnimmt) und bei verschiedenen Gedächtnistests.
Auch in England laufen im Rahmen eines groß angelegten Projektes kontrollierte Hochfrequenz- Expositionsstudien an elektrosensiblen Personen. Hierüber berichtete (Challis, 2004) auf einem Workshop der WHO in Prag im Herbst 2004. Das Programm umfasst fünf doppelblinde und kontrollierte Provokationsstudien mit elektrosensiblen Personen. Je zwei der doppelblinden Untersuchungen befassen sich mit der Exposition an GSMund TETRA-Telefonie, eine mit dem Signal einer GSM oder UMTS Basisstation. Als abhängige Variablen werden die Trefferrate bei der Expositionsdetektion, akute Beschwerden, Gleichgewichtsfunktion (Innenohr), Flimmer-Verschmelzungsfrequenz und neuroendokrine Parameter gemessen.
Das bisher in den Expositionsstudien zumeist verwendete Trefferparadigma bringt es notwendigerweise mit sich, dass für die jeweilige Stichprobe während der ganzen Untersuchungssituation eine konstante Exposition (bezüglich der Detektionsfähigkeit) betrachtet wird. Aussagen über Wahrnehmungsschwellen sind aufgrund dieser Befunde also nicht möglich. Mit der Erhebung solcher Schwellen beschäftigten sich dazu in Abgrenzung (Leitgeb & Schröttner, 2003) bei der Untersuchung einer Bevölkerungsstichprobe der Stadt Graz hinsichtlich elektrischer 50 Hz-Ströme. Hierbei brachten sie eine eigens dazu entwickelte mobile Messstation zum Einsatz. Es ergab sich ein deutlicher geschlechtsspezifischer Unterschied in der Hinsicht, dass Frauen deutlich niedrigere Wahrnehmungsschwellen aufwiesen als Männer. Die erhobenen Daten werden den Autoren zufolge am besten durch zwei Log-Normalverteilungen erklärt, wobei die zweite, kleinere eine Häufung von Personen am sensitiven Ende der Gesamtverteilung beschreibt, was für die Existenz einer sehr sensitiven Subpopulation spricht, die auf etwa 2% geschätzt wird (Leitgeb, 1998).
Die Ergebnisse von Leitgeb stützen die Hypothese, dass es eine messbare, objektivierbare Elektrosensitivität gibt, d. h. Personen in der Allgemeinbevölkerung existieren, die elektrische Vorgänge bei geringerer Intensität des Reizes wahrnehmen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Die Frage der Elektrosensibilität, sprich ob Personen, die sich durch EMF beeinträchtigt fühlen, tatsächlich eine gesteigerte Empfindlichkeit aufweisen bzw. ob die Einwirkung von EMF gar nachweisbar gesundheitlich abträgliche Effekte verursacht, ist damit nicht geklärt. Was in dieser Untersuchung nicht systematisch abgefragt wurde, war nämlich die Selbsteinschätzung der untersuchten Personen als sensibel/ unsensibel sowie die wahrgenommene Intensität allfälliger Beschwerden.
Ob das Ausmaß der von elektrosensiblen Personen geäußerten Beschwerden in einem Zusammenhang mit der Wahrnehmungsschwelle für EMF steht, ist bislang noch nicht hinreichend untersucht worden. In der Regensburger Studie (Frick et al., 2005) wurde durch ein spezielles Forschungsdesign, das aus der Symbiose der dargestellten Herangehensweisen entstand, versucht, diese Forschungslücke zu schließen. In einem doppelblinden Expositionsexperiment wurden sowohl die Wahrnehmungsschwellen subjektiv elektrosensibler Versuchspersonen für singuläre transkranielle Magnetimpulse als auch deren Beschwerdenlast im Vergleich zu zwei Bevölkerungskontrollgruppen erhoben. Die Kontrollpersonen erfüllten das Kriterium einer hohen (oberstes Dezil) bzw. niedrigen (unterstes Dezil) Symptomlast auf der Regensburger Beschwerdenliste (Frick et al., 2002). Bei allen Versuchpersonen wurde im Anschluss an das Wahrnehmungsexperiment via Doppelpulsverfahren die kortikale Exzitabilität gemessen.
Hinsichtlich der geäußerten Beschwerden wiesen die elektrosensiblen Versuchspersonen eine höhere Symptomlast auf als die niedrig belasteten Kontrollen, blieben aber unterhalb des Beschwerden-Niveaus der hoch belasteten Personen. Was die Diskriminationsfähigkeit zwischen tatsächlichen und Sham-Impulsen betrifft, so waren elektrosensible Personen entgegen der Vermutung einer gesteigerten Sensibilität hierbei signifikant schlechter als ihre Kontrollen mit hoher Beschwerdenlast. Hinsichtlich der objektiv gemessenen Schwellen konnte zwischen elektrosensiblen Personen und Populationskontrollen kein systematischer Unterschied festgestellt werden. Die Messung der kortikalen Exzitabilität wies auf eine möglicherweise veränderte Exzitabilität elektrosensibler Personen in Richtung einer verringerten Fazilitation hin.
Einen Hinweis darauf, dass bestimmte Persönlichkeitseigenschaften mit kortikaler Exzitabilität in Zusammenhang stehen könnten, lieferte eine Arbeit von (Wassermann, Greenberg, Nguyen, & Murphy, 2001), in der bei Personen mit hohem Neurotizismus- Score eine verminderte intrakortikale Inhibition gefunden wurde.
In Schweden haben sich Sandström, Lyskov und Kollegen eingehend mit der physiologischen Untersuchung elektrosensibler Personen auf potenzielle Prädispositionen für veränderte Reaktionen auf ihre elektromagnetische Umwelt befasst (Lyskov, Sandström, & Mild, 2001; Sandström, Lyskov, Berglund, Medvedev, & K.H., 1997; Sandström et al., 2003). Zusammengefasst deuten ihre Ergebnisse darauf hin, dass elektrosensible Personen im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen eine Dysbalance des autonomen Nervensystems aufweisen (Sandström et al., 2003). Die erfassten Daten zur Hautwiderstandsreaktion, evozierten Potenzialen und der Flimmer-Verschmelzungsfrequenz (also der Frequenz, ab der eine Folge von Lichtblitzen als ein kontinuierliches Licht wahrgenommen wird (Luczak & Sobolewski, 2005)) sprechen für eine gesteigerte sensorische Erregbarkeit der Betroffenen. Den Autoren zufolge weisen diese Ergebnisse in Richtung einer physiologischen Prädisposition elektrosensibler Personen für höhere Stressanfälligkeit und gesteigerte Sensibilität hinsichtlich physikalischer Umgebungsfaktoren.
Sollten sich die Befunde von (Landgrebe et al., 2007) im Hinblick auf eine veränderte kortikale Exzitabilität elektrosensibler Personen replizieren lassen, so ergibt sich möglicherweise ein neurobiologischer Erklärungsansatz für die Entstehung einer veränderten Wahrnehmung bei subjektiver Elektrosensibilität .
Details zu genannten Literaturstellen sind dem Anhang des oben genannten Abschlussberichts zu entnehmen.
Psychologische Aspekte bei Elektrosensibilität: Ein Überblick über die Forschung
Ein Beitrag aus dem EMF-Monitor des Ecolog-Instituts 4/2008 (758KB)Elektromagnetische Hypersensibilität(EHS): Wo steht die Forschung?
Ein Vortrag von Dr. M. Röösli auf dem Science Brunch der schweizerischen Forschungsstiftung Mobilkommunikation im November 2007.
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