Elektrosensitivität und -sensibilität

 
Unter den Begriffen "Elektrosensitivität" oder "Elektrosensibilität" bezeichnet man im deutschen Sprachgebrauch eine besondere Empfindsamkeit oder Anfälligkeit gegenüber elektrischen, magnetischen oder elektromagnetischen Feldern. Für den internationalen Sprachgebrauch wurde von der WHO die Verwendung des Begriffs "Electromagnetic Hypersensitivity" (EHS) vorgeschlagen.

Beschreibung
Elektrosensibilität und Ärzte
Politische Anerkennung der Elektrosensibilität
Studien und Studienübersichten zur Elektrosensibilität
Weitere Literatur

 

Beschreibung

Hierzu der Teil 1-3 des Kapitels "Stand der Forschung" aus dem Abschlussbericht des folgenden Projektes aus dem Deutschen Mobilfunk-Foschungsprogramm (2006):

Untersuchung des Phänomens "Elektrosensibilität" mittels einer epidemiologischen Studie an "elektrosensiblen" Patienten einschließlich der Erfassung klinischer Parameter

 

1.1 Verbreitung des Beschwerdebildes „Elektrosensibilität“

Bereits seit Anfang der 80er Jahre beschäftigen sich Wissenschaftler mit dem Phänomen der Elektrosensibilität (ES). Zwar stammen die ersten Berichte über dieses Beschwerdebild aus nordischen Ländern wie Norwegen und Schweden, im Verlauf der letzten 20 Jahre aber wurde deutlich, dass Elektrosensibilität durchaus kein länderspezifisches Problem darstellt und sich nicht nur auf den nördlichen Raum Europas beschränkt. Vielmehr deuten die Ergebnisse verschiedener epidemiologischer Studien darauf hin, dass es in vielen Industrieländern Bevölkerungsgruppen gibt, die sich selbst als elektrosensibel einschätzen. Bereits 1997 erhielt eine von der Europäischen Kommission berufene Expertengruppe Rückmeldung aus elf von 19 befragten Ländern zum Beschwerdebild „electromagnetic hypersensitivity“ (Bergqvist et al., 1997). In Schweden ergab die Befragung einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe via Fragebogen eine Prävalenz von 1,5% für subjektiv unter ES leidende Personen (Hillert, Berglind, Arnetz, & Bellander, 2002) Levallois und Kollegen erhoben in einer kalifornischen Telefonbefragung eine Prävalenzrate von 3,2 % für Personen, die sich selbst als „being allergic or very sensitive“ gegenüber elektrischen Anlagen einschätzten (Levallois, Neutra, Lee, & Hristova, 2002). Neuere Erhebungen in der Schweiz und Deutschland erbrachten Prävalenzen von 5-10 % (infas, 2004, 2005a, 2005b; Röösli, Huss, & Schreier, 2005; Ulmer & Bruse, 2006).

In Ermangelung einer operationalen Definition greifen nicht nur die eben erwähnten, sondern ein Großteil der existierenden Untersuchungen bei der Auswahl ihrer Zielpopulationen auf die Selbstaussage der Betroffenen zurück, dass sie übersensibel oder allergisch auf elektromagnetische Felder (kurz: EMF) reagieren (Hillert et al., 2002).

Das erwähnte europäische Forschungsprojekt von Bergqvist und Kollegen stellt einen länderübergreifenden Versuch dar, das Erscheinungsbild und die Verbreitung der Elektrosensibilität anhand der Einschätzungen von arbeitsmedizinischen Einrichtungen und Selbsthilfegruppen näher zu spezifizieren. Auf nähere Ergebnisse soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Doch zeigen zum Beispiel die angegebenen Symptome, welch unterschiedliche Ausprägungen an Beschwerden in den verschiedenen Ländern unter dem Begriff „Elektrosensibilität“ zusammengefasst werden. Am häufigsten genannt wurden Beschwerden im Hinblick auf das ZNS, die zumeist neurasthenischer Art (Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, schnelle Erschöpfbarkeit, Kopfschmerzen u.ä.) waren.

Auch genannt wurden Hautsymptome – häufig in den nordischen Ländern – seltener von Einrichtungen in Österreich, Deutschland und Dänemark. Demgegenüber gab es aber auch Länder, in denen Hautsymptome überhaupt nicht mit Elektrosensibilität in Verbindung gebracht wurden (Bergqvist et al., 1997).

Mehrere Autoren berichten (v.a. über Expositionsexperimente), dass elektrosensible Personen ein breites Spektrum an Beschwerden äußern (Frick et al., 2005; Frick, Rehm, & Eichhammer, 2002; Hietanen, Hämäläinen, & Husman, 2002; Miro, 1998; Müller, Krüger, & Schierz, 2002). Sie sind unspezifisch, alle Organsysteme betreffend und reichen von Hautbeschwerden über Kopfschmerzen und Übelkeit bis hin zu Konzentrationsproblemen und Erschöpfungszuständen (siehe hierzu auch (Frick et al., 2006)

Bis jetzt ließ sich aus diesem weiten Spektrum an Symptomen, das von Betroffenen berichtet wird, noch kein Instrument entwickeln, das die Elektrosensibilität im Sinne einer diagnostischen Entität durch das Vorhandensein eines bestimmten Symptommusters von anderen Erkrankungen abgrenzen könnte.

Auf der Suche nach einem diskriminativen Merkmal, anhand dessen sich elektrosensible Personen von der gesunden Allgemeinbevölkerung unterscheiden lassen, führten Hillert und Kollegen in einer schwedischen Telekommunikationsfirma eine Fragebogenerhebung durch (Hillert, Kolmodin Hedman, Södermann, & Arnetz, 1999). Hier stuften sich 40 Personen als elektrosensibel ein. Diese wurden hinsichtlich eines eigens entwickelten Hautindicis aus den am häufigsten von Betroffenen genannten Symptomen (Brennen, Kribbeln, Rötung) mit nicht betroffenen Angestellten und einer weiteren Gruppe von elektrosensiblen Patienten verglichen. Hierbei zeigte sich, dass die elektrosensiblen Telekommunikationsarbeiter hinsichtlich des Hautscores zwischen den Nicht-Betroffenen und den Patienten lagen, welche den höchsten Punktwert erzielten. Abgeleitet aus diesem Ergebnis und weitergehenden Erfahrungen mit dem Beschwerdebild schlagen die Autoren für weitere Untersuchungen die Charakterisierung der Stichproben hinsichtlich folgender Merkmale vor: Haut- und neurovegetativer Index, Ausmaß der Überzeugung an ES zu leiden, bezichtigte Auslöser, zeitliche Dauer der Problematik und gezeigtes Problemverhalten. Hillert und Kollegen gehen davon aus, dass dadurch eine höhere Homogenisierung der untersuchten Zielgruppen erreicht werden kann. Leider wurde dieses Ergebnis bis dato nicht repliziert und stellt die einzige Arbeit dar, in der eine für Elektrosensibilität spezifische Symptomausprägung gefunden wurde.

In einer späteren Arbeit, basierend auf der Hypothese, dass die von Elektrosensiblen berichtete Erschöpfung mit einer Veränderung der Cholinesterase-Tätigkeit zusammenhängen könnte, versuchte dieselbe Arbeitsgruppe, einen biologischen Marker für ES zu finden (Hillert, Flato, Georgellis, Arnetz, & Kolmodin-Hedman, 2001). Dieser Marker konnte aber nicht nachgewiesen werden.

Auch die Ergebnisse einer Fragebogenerhebung, (Röösli, Moser, Baldinini, Meier, & Braun-Fahrländer, 2004), die 2001 in der Schweiz durchgeführt wurde und Daten von 394 Betroffenen ergab, spiegeln ein breites Spektrum an Symptomen wieder. Am häufigsten genannt wurden hier Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Nervosität und Konzentrationsprobleme. Und auch hier konnten die Autoren mit Hilfe einer Clusteranalyse der genannten Beschwerden kein besonderes Symptommuster entdecken. Damit gehen sie konform mit den Ergebnissen von (Frick et al., 2006), die die Symptombelastung einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe der Stadt Regensburg einer Latent-Class- Analyse unterzogen haben. Die Arbeitsgruppe kommt zu dem Schluss, dass weniger eine Betrachtung im Sinne eines EMF-Syndroms, eher eine Einteilung hinsichtlich des gesamten Beschwerdescores angemessen ist. Hier wird von dem Vorhandensein eines „Latent Trait“ (eine nicht direkt beobachtbare zeitstabile Eigenschaft einer untersuchten Person) ausgegangen, der sich in der unterschiedlichen quantitativen Symptomausprägung widerspiegelt. Auch sieht die Arbeitsgruppe im Hinblick auf inhaltliche und testtheoretische Gemeinsamkeiten eine Parallele zwischen der Regensburger Beschwerdenliste und einem bereits validierten Erhebungsinstrument für die subjektive Beeinträchtigung durch körperliche und allgemeine Beschwerden: der Beschwerdenliste (B-L) von v. Zerssen (von Zerssen, 1976). Laut Koloska und Kollegen (Koloska, Rehm, & Fichter, 1989) ist die B-L ein Instrument, das das Konstrukt der Demoralisation - nach dem Konzept von (Frank, 1973) - zu erfassen vermag: einen unspezifischen psychischen Problemfaktor, der als genereller Indikator für psychische oder psychiatrische Probleme gewertet wird.

Zusammenfassend lässt sich zum Beschwerdebild der Elektrosensibilität also festhalten, dass ein kleiner Anteil der Bevölkerung vieler entwickelter Länder ein breites Spektrum an Beschwerden auf die Exposition an EMF zurückführt. Einen Nachweis für diesen postulierten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gibt es bis dato nicht. Allerdings scheint nicht nur die Exposition allein für die erlebten Symptome verantwortlich zu sein, sondern es wirken verschiedene Faktoren modulierend auf das Symptomerleben ein (siehe Punkt 1.3).

 

1.2 Elektrosensibilität im Vergleich zu anderen Umwelterkrankungen

Eine Abgrenzung der Elektrosensibilität von anderen Umwelterkrankungen wie der Multiple Chemical Sensitivity (MCS), dem Sick Building Syndrome oder dem Chronic Fatigue Syndrom ist schwierig. Es finden sich hinsichtlich der beschriebenen Symptome und des bis dato nicht nachgewiesenen Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs weitgehende Überschneidungen (Arnetz & Wiholm, 1997).

Im Folgenden sollen exemplarisch einige Überlappungen zwischen der MCS und der Elektrosensibilität dargestellt werden. Eine Parallele stellt z.B. dar, dass es bei beiden Beschwerdebildern um Dosierungen des jeweilig vermuteten Agens geht, die für die Allgemeinbevölkerung nicht negativ wirksam sind (Cullen, 1987). Zwar wird in der Definition von MCS ein auslösendes Ereignis gefordert (Cullen, 1987), doch erfüllen nur die wenigsten der Betroffenen dieses Kriterium (Bornschein, Hausteiner, Zilker, Bickel, & Förstl, 2000), und es wird, wie bei der Elektrosensibilität, aufgrund der subjektiven Einschätzung der Betroffenen eine Krankheitsbezeichnung festgelegt.

Als Reaktion auf diesen Mangel an nachgewiesenen Wirkmechanismen für die von Betroffenen beschuldigten Ursachen wurde der Überbegriff „Idiopathic Environmental Intolerances“ (IEI) für die genannten Beschwerdebilder vorgeschlagen. Er lässt eine Ursachenattribution außen vor und wurde in einem Workshop zu MCS in Berlin geprägt (Paulini, 1999).

Weiterhin ähneln sich die IEI´s durch den erfolgreichen Einsatz der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), den mehrere Autoren beschreiben (Andersson et al., 1996; Harlacher & Schahn, 1998; Hillert, Kolmodin Hedman, Dolling, & Arnetz, 1998; Hillert, 1998; Whiting et al., 2001). Möglicherweise korrespondieren diese kognitiv orientierten Herangehensweisen mit der Beobachtung, dass in mehreren Expositionsstudien elektrosensible Versuchspersonen unter Scheinexposition eine höhere Symptombelastung (als Maß für eine unbewusste Wahrnehmung der Feldsituation über verstärkte körperliche Missempfindungen) empfanden, als sie sie unter tatsächlicher Exposition äußerten (Andersson et al., 1996) Dies war verstärkt dann der Fall, wenn sie glaubten, dass das Feld tatsächlich aktiv sei (Andersson et al., 1996).

Eine spezifische Komponente der Regensburger Studie stellt der Versuch dar, Befunde von (Frick et al., 2005) und (Landgrebe et al., 2007) hinsichtlich unterschiedlicher Diskriminationsleistungen bei Magnet- und Scheinexposition unter TMS, sowie Unterschiede im Hinblick auf kortikale Erregbarkeit zu replizieren. Eine weitere, neue Komponente der Studie zielt auf die Erfassung komplexer kognitiver Prozesse bei der Expositionswahrnehmung ab. Sie wurde eigens dafür konzipiert, ein näheres Augenmerk auf eben die mentalen Prozesse zu legen, die mit der Wahrnehmung von EMF verknüpft sind. Hierzu wurde eine Teilstichprobe elektrosensibler Personen und deren Kontrollen auf Unterschiede im Hinblick auf die neuronale Aktivität (als neurophysiologisches Korrelat für Kognitionen) bei der Antizipation unterschiedlich starker Strahlung und der (vorgeblichen) Exposition an diese Strahlung untersucht.

 

1.3 Was weiß man über die Ursachen?

Ein Nachweis des von Betroffenen postulierten Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs zwischen EMF und empfundenen Symptomen steht bis dato noch aus. Neuere Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit „harten“ Endpunkten wie Krebs (Hardell, Carlberg, & Mild, 2006; Hardell et al., 2002; Inskip et al., 2001; Johansen, 2004; Johansen, Boice, McLaughlin, & Olsen, 2001) und Herz-Kreislauferkrankungen (Ahlbom et al., 2004; Hakansson, Gustavsson, Sastre, & Floderus, 2003; Johansen et al., 2001; Sahl et al., 2002). Diese aber sind nicht Teil des in der Fachliteratur beschriebenen Beschwerdebildes der Elektrosensibilität und sollen deshalb hier nicht näher ausgeführt werden.

Ein Zusammenhang zwischen EMF und „weichen“ Endpunkten wie Depressionen, Kopfschmerzen oder neurasthenischen Symptomen (wie sie häufig von subjektiv Elektrosensiblen geschildert werden) konnte in Studien an der Allgemeinbevölkerung nicht einheitlich nachgewiesen werden. Zwar fanden Dowson und Kollegen (Dowson, Lewith, Campbell, Mullee, & Brewster, 1988) einen Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und der Entfernung des Wohnhauses von der Hochspannungsleitung. Eine Dosis-Wirkungs- Beziehung, die eine wichtige Forderung für einen kausalen Nachweis darstellt (Rothman & Greenland, 2005), konnte allerdings nicht hergestellt werden: Die häufigsten Kopfschmerzen hatten Personen, die in mittlerer Entfernung lebten. Zudem bleiben bestehende Mängel bei der Analyse möglicherweise konfundierender Variablen anzumerken. Auch erbrachten zwei spätere Studien keinen derartigen Zusammenhang (McMahan & Meyer, 1995; Poole et al., 1993).

Bei der Suche nach einem Zusammenhang zwischen EMF und Depressionen kamen mehrere Studien zu einem positiven Ergebnis (Dowson et al., 1988; Perry, Pearl, & Binns, 1989; Poole et al., 1993). Ihnen haften allerdings zum Teil vermeidbare methodische Schwächen an. Zu erwähnen sind hierbei die (ungenaue) Klassifikation von „nahe“ bzw. „nicht nahe“ der Stromleitung lebend statt der tatsächlichen Expositionsbestimmung, sowie die Erhebung von depressiven Symptomen anhand nicht validierter Skalen. Zudem wird der Einfluss von potenziellen Confoundern nicht ausreichend kontrolliert. McMahan und Kollegen kamen zu dem Schluss, dass Personen in unmittelbarer Wohnnähe zu Starkstromleitungen im Vergleich zu einen Häuserblock entfernt Lebenden keine erhöhte depressive Symptomatik aufweisen (McMahan, Ericson, & Meyer, 1994). Wie aus einem weiteren Bericht zu dieser Studie hervorgeht, konnte ebenfalls kein Zusammenhang zwischen (vor dem Haus) gemessenen Magnetfeldern und Symptomen wie Kopfschmerzen, Migräne, Appetitlosigkeit, Schlaf- oder Konzentrationsproblemen hergestellt werden (McMahan & Meyer, 1995). Eine Studie, die Beale und Kollegen mit Rücksicht auf methodische Mängel zweier Vorgängerstudien (Expositionsmessung, Berücksichtigung konfundierender Variablen sowie Verwendung validierter Fragebögen) durchführten, zeigte einen klaren linearen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen EMF und mehreren psychologischen Variablen, darunter auch depressive Symptomatik (Beale, Pearce, Conroy, Henning, & Murrell, 1997). Eine neuere Studie von Levallois und Kollegen (Levallois et al., 2003), in der Frauen, die nahe an einer 735 KV Leitung lebten ( <200 Meter) mit weiter entfernt lebenden ( >400 Meter) hinsichtlich depressiver Symptomatik verglichen wurden, fand aber kein erhöhtes Depressionsrisiko für die Erstgenannten (OR 1.01, 95%-C.I. 0.61-1.66). Die Zusammenschau der genannten Studien gestaltet sich aufgrund methodischer und qualitativer Unterschiede sehr schwierig. Derzeit ist daher eine klare Aussage über das Vorhandensein einer Ursache- Wirkungsbeziehung zwischen EMF und depressiver Symptomatik nicht möglich.

Ein vielfach vermuteter Zusammenhang zwischen der Arbeit am Bildschirm und objektiv festzustellenden Hautproblemen/ -erkrankungen konnte in mehreren Studien bislang nicht nachgewiesen werden (Bergqvist & Wahlberg, 1994; Sandstrom, Mild, Stenberg, & Wall, 1995). Exponierte Personen äußerten zwar häufiger subjektive Missempfindungen der Gesichtshaut, was aber durch ärztliche Untersuchungen nicht objektiviert werden konnte. Ergebnisse zu einer Veränderung in der Haut elektrohypersensitiver Personen (Erhöhung der Anzahl von Mastzellen in der Haut) wurden von (Johannson, 2004) vorgetragen, aber bislang noch nicht peer-reviewed publiziert oder gar repliziert.

Forschung zu Folgen von EMF auf dem Gebiet von psychischen Auswirkungen wie Kopfschmerz, Depression, Schlafproblemen und Befindlichkeitsstörungen führte bislang zu äußerst widersprüchlichen Ergebnissen, unglücklicherweise auch aufgrund von vorliegenden methodischen Mängeln. Von der Etablierung eines Ursache- Wirkungszusammenhangs oder einer Dosis-Wirkungs-Beziehung, wie sie zum Beispiel beim Passivrauchen nachgewiesen werden konnte ((Sandler, Everson, & Wilcox, 1985; Vineis et al., 2005), ist der wissenschaftliche Erkenntnisstand derzeit weit entfernt.

Details zu den genannten Literaturstellen sind dem Anhang des oben genannten Abschlussberichts zu entnehmen.

 

Elektrosensibilität und Ärzte

Auszug aus: "Experten - orientierungslos im Antennenwald" aus der Online-Ausgabe der Ärzte Zeitung vom 31.05.2001

Professor Dr. Heyo Eckel:

"Es gilt, die Bedenken, Sorgen und Ängste der Patientinnen und Patienten gegenüber möglichen Gesundheitsgefahren durch Handy-Gebrauch und/oder durch Expositionen durch Mobilfunkbasisstationen sehr ernst zu nehmen. Wenn auch die Wirkungszusammenhänge von gepulster HF-Strahlung und der Ausbildung von Krankheiten bis hin zu Krebs wissenschaftlich (noch) nicht objektiviert sind, sollten in der Sprechstunde geschilderte Befindlichkeitsstörungen, deren Ursache der Patient auf "Elektrosmog" zurückführt, nicht als Unfug abgetan werden. Allein schon die so belastete Psyche des Patienten kann bereits zu Symptomen führen.
Die Verantwortung des Arztes liegt darin, ein vernünftiges Maß zwischen Sorglosigkeit und Verharmlosung einerseits sowie einer ebenso wenig angebrachten Hysterie zu finden. Durch eine geschickte Risikokommunikation, die den aktuellen Kenntnisstand über thermische und athermische Konsequenzen der Technik berücksichtigt, sollte eine vernunftbezogene Auseinandersetzung mit dem "Leiden" angestrebt werden.
Selbstverständlich müssen die geschilderten Befindlichkeitsstörungen auch auf andere mögliche organische und/oder psychosomatische Ursachen hin untersucht werden.
Die Diagnose eines eigenständigen Krankheitsbildes Elektrosensibilität ist allerdings, da wissenschaftlich nicht gesichert, zu unterlassen.

Zu den häufig genannten und dokumentierten Gesundheitsstörungen, die Patienten mit "Elektrosmog" in Verbindung bringen, zählen:

  • Nervosität, Unruhezustände,
  • Kopfschmerzen,
  • Herz-/Kreislaufprobleme,
  • Stechen in der Herzgegend,
  • Tinnitus ähnliche Beschwerden,
  • Augenschmerzen, Nachlassen der Sehkraft,
  • Bluthochdruck,
  • (extreme) Schlafstörungen und nächtliche Schweißausbrüche."

Professor Dr. Heyo Eckel ist Präsident der Ärztekammer Niedersachsen und Vorsitzender des Ausschusses Gesundheit und Umwelt der Bundesärztekammer

Einen umfangreichen Artikel zur Thematik "Arzt und Elektrosensibilität" findet man in der Ausgabe 2/07 der Fachzeitschrift "Oekoskop", des Magazins des schweizerischen Vereins der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz:

Was mache ich mit "Elektrosmog-Patientinnen" in der Hausarzt-Praxis? (Gesamtes Heft, 926 KB)

 
Im März 2012 veröffentlichte das Referat "Umweltmedizin" (mit Dr. G. Oberfeld als Referenten) der Österreichischen Ärztekammer eine "Leitlinie zur Abklärung und Therapie EMF-bezogener Beschwerden und Krankheiten (EMF-Syndrom)".

Leitlinie zur Abklärung und Therapie EMF-bezogener Beschwerden und Krankheiten (EMF-Syndrom) (249 KB)


 

Politische Anerkennung der Elektrosensibilität

Unter Berücksichtigung der bisher mangelnden wissenschaftlachen Beweislage bezüglich des Zusammenhangs von elektromagnetischen Feldern mit den von "Elektrosensiblen" genannten Beschwerden fehlt es auch an politischer Anerkennung ihrer Leiden. Allerdings gibt es in manchen Ländern unterschiedliche Annäherungsversuche in diese Richtung, wobei besonders das Beispiel Schwedens einerseits hervorsticht, andererseits auch immer wieder Missverständnisse hervorruft. Mit diesen räumt die Antwort auf eine entsprechende Parlamentarische Anfrage an die Europäische Kommission vom Mai 2009 entsprechend auf (Auszug):

Fragen 3 und 4 der Anfrage:
Was hält die Kommission von Bestrebungen, für elektrosensible Menschen sogenannte Strahlenschutzgebiete einzurichten, wie dies beispielsweise in Schweden der Fall ist?
Wie beurteilt die Kommission das schwedische Vorgehen, Elektrosensibilität als Behinderung anzuerkennen?

Antworten :
Der Kommission liegen keine Informationen vor, dass Länder Strahlenschutzgebiete einrichten, die frei von menschenverursachter elektromagnetischer Strahlung sind.
Im Falle Schwedens ist das Swedish National Board of Health and Welfare (NBHW — Schwedisches Zentralamt für Gesundheitswesen und Sozialfürsorge) die Behörde, die Behindertenvertretungsorganisationen finanzielle Unterstützung gewähren kann. Die schwedischen Behörden verstehen darunter Organisationen, deren Mitglieder (zumindest mehrheitlich) im täglichen Leben aufgrund einer Behinderung erhebliche Schwierigkeiten haben. Daher trifft das NBHW seine Entscheidungen auf der Grundlage einer tatsächlichen Behinderung der betroffenen Personen und nicht auf der Grundlage einer bekannten Ursache dieser Behinderung.
Dem Schwedischen Verband elektrosensibler Menschen wurde als Behindertenorganisation finanzielle Unterstützung gewährt. Dies wird zuweilen so missverstanden, als sei elektromagnetische Überempfindlichkeit in Schweden eine anerkannte medizinische Diagnose.


 

 

Studien und Studienübersichten zur Elektrosensibilität

Bewertung wissenschaftlicher Studien zur Elektromagnetischen Hypersensibilität des Schweizer Bundesamtes für Umwelt (BAFU)
Diesem Synthesebericht liegt der wissenschaftliche Kenntnisstand per Ende 2011 zugrunde.
Die Studienlage zum Phänomen der Elektrosensibilität im Mobilfunk-Bereich
Ein Beitrag aus dem EMF-Spektrum des WIK, Ausgabe 1/2012, sowie aus dem gleichen Heft:
Reagieren manche Menschen überempfindlich auf elektromagnetische Felder?
Elektromagnetische Hypersensibilität – Tatsache oder Einbildung?
Die Übersetzung (als "Brennpunkt" der Kritikerorganisation Diagnose-Funk) eines selektiven "Forschungsüberblicks" der Autoren Genuis & Lipp aus dem Jahr 2011 (1.2MB)
Psychologische Aspekte bei Elektrosensibilität: Ein Überblick über die Forschung
Ein Beitrag aus dem EMF-Monitor des Ecolog-Instituts 4/2008 (758KB)
Übersichtstabelle des EMF-Portals zu Studien über Elektrosensibilität/Wohlbefinden/subjektive Beschwerden
Studienauflistung (mit Beschreibungen) der Dokumentationsstelle ELMAR der Universität Basel


 

Weitere Literatur

Elektrosensibilität/Wohlbefinden/subjektive Beschwerden
Eine Informationsseite des EMF-Portals mit folgenden Kapiteln:
  1. Begrifflichkeiten
  2. Symptome
  3. Historie
  4. Verbreitung und betroffene Personengruppen
  5. Exkurs: Wirkungen elektromagnetischer Felder
  6. Diskutierte Wirkungsmechanismen
  7. Status im Gesundheitswesen
  8. Experimentelle Untersuchungen und ihre Schwierigkeiten
  9. Ergebnisse der bisher durchgeführten Studien
10. Elektrosensibilität und Mobilfunk - Bewertung durch nationale und internationale Institutionen
Elektromagnetische Felder und öffentliche Gesundheit - Elektromagnetische Hypersensitivität (Elektrosensibilität)
Eine Stellungnahme (Fact sheet N°296) der Weltgesundheitsorganisation vom Dezember 2005, sie beruht auf den Ergebnissen eines Workshops im Oktober 2004 in Prag (394 KB)
Was verursacht "elektromagnetische Hypersensibilität"?
Diese Veröffentlichung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Dr. Kaul)aus dem Jahr 2009 kombiniert ein umfangreiches Literaturreview und Darstellung der öffentlichen Diskussion mit den ausführlich dargestellten Ergebnissen der eigenen Untersuchungen mit 50Hz und GSM-Mobiltelefonexposition.
Befindlichkeitsstörungen durch Mobilfunk-Basisstationen

 

 

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Zuletzt geändert: 03.06.12