Dr. Roger Santinis epidemiologische Studie über Mobilfunk Basistationen (2001)

 
Zu dieser Studie ein Auszug aus dem Zwischenbericht des Projektes Querschnittstudie zur Erfassung und Bewertung möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen aus dem Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm:

In Frankreich wurden 530 Personen schriftlich nach Alter, Geschlecht, geschätzter Distanz zur Basisstation und der Lokalisation der Wohnung zur Antenne befragt (Santini et al. 2002). Die Exposition wurde definiert anhand der Zeitdauer, die die Befragten in der Nähe der Antenne 7 lebten (weniger als 1 Jahr – mehr als 5 Jahre) sowie der Anzahl der Tage pro Woche und die Anzahl der Stunden pro Tag. Gefragt wurde zudem nach dem Vorhandensein von elektrischen Transformatoren (im Umkreis von 10 Metern), Hochspannungsleitungen im Umkreis von 100 Metern sowie nach Radio- und Fernsehsendeanlagen im Umkreis von 4 km, nach der Nutzung eines Computers (>2 Std. / Tag) und eines Handys (>20 min/Tag).

Es wurden 18 gesundheitliche Beschwerden abgefragt. Die Skalen umfassten die Kodierungen von 0 für „nie“ bis 3 für „sehr häufig“.

270 Fragebögen wurden von Männern und 260 Fragebögen von Frauen ausgefüllt. Im Text finden sich keine Hinweise zur Art der Rekrutierung der Teilnehmer. Ebenso fehlen Angaben zur Teilnahmerate. Alle abgefragten Beschwerden wurden einzeln ausgewertet, ohne dass Adjustierungen für Alter, Geschlecht und weitere mögliche Einflussgrößen durchgeführt wurden. Ob Personen negative gesundheitliche Einflüsse durch Basisstationen erwarteten, wurde nicht abgefragt. Eine Adjustierung der Ergebnisse für diesen Aspekt war daher nicht möglich. Wichtiges Kriterium bei der Bestimmung der Expositionshöhe war der Abstand zu den Basisstationen. Auf den Umstand, dass der Abstand zu Basisstationen als Maß der Exposition kaum geeignet ist, wurde bereits hingewiesen. Zusätzlich birgt eine Schätzung des Abstandes durch die Befragten Ungenauigkeiten, da viele Menschen kaum brauchbare Distanzschätzungen durchführen können. Ein weiteres Problem ist darin zu sehen, dass den Autoren nicht einmal bekannt sein kann, ob die Antennen in Betrieb sind und ob die Befragten in der Lage sind, die Antenne einer Basisstation zu identifizieren. Aufgrund der unklaren Informationslage und der unzureichenden Qualität der Erhebung werden keine Ergebnisse dieser Studie präsentiert. Die Arbeit von Santini erfüllt nicht die Mindestanforderungen an eine wissenschaftliche Studie. Der methodische Ansatz ist nicht nachvollziehbar. Es mangelt an grundlegenden Informationen zur Rekrutierung der Teilnehmer sowie zur Sicherheit der Distanzschätzungen.

Mehr Information::
Study of the health of people living in the vicinity of mobile phone base stations: I. Influences of distance and sex
Dies ist eine englische Übersetzung der Studie von R. Santini in der französischen Zeitschrift "Pathologie Biologie" (38 KB)
Arguments in Favor of Applying the Precautionary Principle to Counter the Effects of Mobile Phone Base Stations
Englische Übersetzung eines Beitrags von R. Santini bei einer Anhörung in Frankreich am 06.03.02, in welchem er sich als sehr mobilfunkkritischer Wissenschaftler darstellt (37 KB)

 

Dazu lesenswert:
Befindlichkeitsstörungen durch Mobilfunk-Basisstationen?
Eine Übersicht weiterer Studien zu diesem Thema

 

Dazu noch die Zusammenfassung aus der Literaturdatenbank ELMAR des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel:

Kurzfassung der Publikation:

Ziel:
Umfrage in der Umgebung von Mobilfunkbasisstationen zur Häufigkeit unspezifischer Symptome.

Kollektiv:
530 Personen, die in Frankreich in der näheren oder weiteren Umgebung einer Mobilfunkbasisstation lebten, 270 Männer und 260 Frauen (Durchschnittsalter: 45 +/- 20 J. resp. 47 +/- 19 J.). Von ursprünglich 570 Fragebögen wurden 40 ausgeschlossen, weil sie keine Angaben zur Entfernung von der Mobilfunkantenne oder zum Ausmass der Beschwerden enthielten.

 

Exposition:
Distanz zu Mobilfunkbasistationen gemäss Schätzung der Teilnehmer in den Kategorien <10 m, 10-50 m, 50-100 m, 100-200 m, 200-300 m und >300 m (=Referenzgruppe). Abgesehen von der Entfernung zur Mobilfunkantenne wurden die Teilnehmer befragt nach der Lokalisation ihrer Wohnung (unter, neben, vis à vis oder hinter einer Antenne), nach der Wohndauer an der gegenwärtigen Adresse und nach den Tagen pro Woche resp. Stunden pro Tag, die sie in der Wohnung verbrachten. Weitere Fragen betrafen andere Quellen elektromagnetischer Felder: Hochspannungsleitungen in <100 m Entfernung, Transformatoren in <10 m, Computerbenutzung >2 Std./Tag, Mobiltelefonbenutzung >20 Min./Tag.

 

Methode:
Der Fragebogen erfasste 18 Symptome (Müdigkeit, Reizbarkeit, Kopfweh, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Neigung zu Depressionen, Unwohlsein, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisverlust, Hautprobleme, Sehstörungen, Hörstörungen, Schwindel, Bewegungs- und Herz-Kreislaufprobleme, Libidoverlust und vorzeitige Menopause). Die Häufigkeit der Beschwerden konnte als nie (0), manchmal (1), oft (2) oder sehr oft (3) angegeben werden. Der Vergleich der Symptomhäufigkeit erfolgte mittels Chi-Quadrattest. Neben der Entfernung von einer Mobilfunkbasisstation wurden auch geschlechtsspezifische Unterschiede untersucht.

 

Resultate:
Knapp 20% der Teilnehmer gaben an, weniger als 10 m von einer Basisstation entfernt zu wohnen, 26% schätzten die Entfernung auf 10 bis 50 m, 14% auf 50 bis 100 m, und jeweils 10% auf 100 bis 200 m resp. 200 bis 300 m. Als Referenzgruppe galten die übrigen 21%, die eine Distanz von über 300 m angaben. In der unmittelbaren Umgebung von Mobilfunkantennen (<10 m) wurden folgende Symptome signifikant häufiger aufgeführt als in der Referenzgruppe (p<0.05): Übelkeit, Appetitverlust, Sehstörungen und Bewegungsprobleme. In bis zu 100 m Entfernung wurden für sechs Symptome signifikante Unterschiede beobachtet, in der Zone zwischen 100 und 200 m für vier andere Beschwerden. In der Gruppe mit einer Distanz von >200 m zur Mobilfunkantenne bestand lediglich für Müdigkeit ein signifikanter Unterschied zur Referenzgruppe. Bis zu einer Entfernung von 300 m berichteten Frauen signifikant häufiger als Männer über Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitverlust, Schlafstörungen, depressive Verstimmung und Sehstörungen.

 

Schlussfolgerung:
Die Autoren folgern aus ihren Ergebnissen, dass die Entfernung zu Mobilfunkbasisstationen mindestens 300 m betragen sollte und dass Frauen und Männer unterschiedlich empfindlich auf die Hochfrequenzexposition reagieren könnten.

 

Bemerkung:
Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine Umfrage an Personen, die "an der Studie teilnehmen wollten". Es wurde keine Zufallsstichprobe aus der Bevölkerung gezogen, so dass die Teilnehmer nicht als repräsentativ betrachtet werden können. Man muss davon ausgehen, dass sich überproportional viele Personen beteiligten, die ihre Beschwerden auf Mobilfunkbasisstationen zurückführten (Selektionsbias). Das gilt insbesondere, da die Teilnehmer neben ihren Beschwerden auch die Entfernung zur nächsten Mobilfunkantenne einschätzen sollten, also das Ziel der Studie kannten. Diese Methode der Expositionsabschätzung ist sehr ungenau: Selbst wenn die Entfernung einigermassen richtig eingeschätzt wurde, lassen sich ohne Informationen über Hauptstrahlrichtung, Sendeleistung und andere Charakteristika der Basisstation keine Aussagen über die Hochfrequenzexposition der benachbarten Gebäude machen. Dazu wären Messungen in den Häusern notwendig. Ein weiterer Mangel ist, dass Belastungen durch andere Strahlenquellen sowie andere Einflussfaktoren in der Auswertung nicht berücksichtigt wurden. Insgesamt erfüllt die Studie grundlegende wissenschaftliche Anforderungen nicht, und es können keine Aussagen über einen kausalen Zusammenhang zwischen Mobilfunkexposition und Beschwerdehäufigkeit abgeleitet werden. Eine kurze Darstellung der Ergebnisse wurde bereits publiziert in Santini et al.: Symptomes exprimés par des riverains de station relais de téléphonie mobile. La Presse Medicale 2001: 30 (32), 1594 (Id.Nr. 1570). Eine englische Übersetzung ist unter der gleichen Referenz wie der französische Originalartikel erhältlich.

 

Finanzierung:
keine Angaben

 

 

Navigation zu
  dieser Seite:
        
Homepage Elektrosmoginfo
Menüseite: Biologie und Gesundheit
  Einzelne Studien
    Dr. Roger Santinis epidemiologische Studie über Mobilfunk Basistationen (2001)
 
Zuletzt geändert: 09.08.08