| Kurzfassung der Publikation:
Ziel:
Umfrage in der Umgebung von Mobilfunkbasisstationen zur Häufigkeit unspezifischer Symptome.
Kollektiv:
530 Personen, die in Frankreich in der näheren oder weiteren Umgebung einer Mobilfunkbasisstation lebten, 270 Männer und 260 Frauen (Durchschnittsalter: 45 +/- 20 J. resp. 47 +/- 19 J.). Von ursprünglich 570 Fragebögen wurden 40 ausgeschlossen, weil sie keine Angaben zur Entfernung von der Mobilfunkantenne oder zum Ausmass der Beschwerden enthielten.
Exposition:
Distanz zu Mobilfunkbasistationen gemäss Schätzung der Teilnehmer in den Kategorien <10 m, 10-50 m, 50-100 m, 100-200 m, 200-300 m und >300 m (=Referenzgruppe). Abgesehen von der Entfernung zur Mobilfunkantenne wurden die Teilnehmer befragt nach der Lokalisation ihrer Wohnung (unter, neben, vis à vis oder hinter einer Antenne), nach der Wohndauer an der gegenwärtigen Adresse und nach den Tagen pro Woche resp. Stunden pro Tag, die sie in der Wohnung verbrachten. Weitere Fragen betrafen andere Quellen elektromagnetischer Felder: Hochspannungsleitungen in <100 m Entfernung, Transformatoren in <10 m, Computerbenutzung >2 Std./Tag, Mobiltelefonbenutzung >20 Min./Tag.
Methode:
Der Fragebogen erfasste 18 Symptome (Müdigkeit, Reizbarkeit, Kopfweh, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Neigung zu Depressionen, Unwohlsein, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisverlust, Hautprobleme, Sehstörungen, Hörstörungen, Schwindel, Bewegungs- und Herz-Kreislaufprobleme, Libidoverlust und vorzeitige Menopause). Die Häufigkeit der Beschwerden konnte als nie (0), manchmal (1), oft (2) oder sehr oft (3) angegeben werden. Der Vergleich der Symptomhäufigkeit erfolgte mittels Chi-Quadrattest. Neben der Entfernung von einer Mobilfunkbasisstation wurden auch geschlechtsspezifische Unterschiede untersucht.
Resultate:
Knapp 20% der Teilnehmer gaben an, weniger als 10 m von einer Basisstation entfernt zu wohnen, 26% schätzten die Entfernung auf 10 bis 50 m, 14% auf 50 bis 100 m, und jeweils 10% auf 100 bis 200 m resp. 200 bis 300 m. Als Referenzgruppe galten die übrigen 21%, die eine Distanz von über 300 m angaben. In der unmittelbaren Umgebung von Mobilfunkantennen (<10 m) wurden folgende Symptome signifikant häufiger aufgeführt als in der Referenzgruppe (p<0.05): Übelkeit, Appetitverlust, Sehstörungen und Bewegungsprobleme. In bis zu 100 m Entfernung wurden für sechs Symptome signifikante Unterschiede beobachtet, in der Zone zwischen 100 und 200 m für vier andere Beschwerden. In der Gruppe mit einer Distanz von >200 m zur Mobilfunkantenne bestand lediglich für Müdigkeit ein signifikanter Unterschied zur Referenzgruppe. Bis zu einer Entfernung von 300 m berichteten Frauen signifikant häufiger als Männer über Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitverlust, Schlafstörungen, depressive Verstimmung und Sehstörungen.
Schlussfolgerung:
Die Autoren folgern aus ihren Ergebnissen, dass die Entfernung zu Mobilfunkbasisstationen mindestens 300 m betragen sollte und dass Frauen und Männer unterschiedlich empfindlich auf die Hochfrequenzexposition reagieren könnten.
Bemerkung:
Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine Umfrage an Personen, die "an der Studie teilnehmen wollten". Es wurde keine Zufallsstichprobe aus der Bevölkerung gezogen, so dass die Teilnehmer nicht als repräsentativ betrachtet werden können. Man muss davon ausgehen, dass sich überproportional viele Personen beteiligten, die ihre Beschwerden auf Mobilfunkbasisstationen zurückführten (Selektionsbias). Das gilt insbesondere, da die Teilnehmer neben ihren Beschwerden auch die Entfernung zur nächsten Mobilfunkantenne einschätzen sollten, also das Ziel der Studie kannten. Diese Methode der Expositionsabschätzung ist sehr ungenau: Selbst wenn die Entfernung einigermassen richtig eingeschätzt wurde, lassen sich ohne Informationen über Hauptstrahlrichtung, Sendeleistung und andere Charakteristika der Basisstation keine Aussagen über die Hochfrequenzexposition der benachbarten Gebäude machen. Dazu wären Messungen in den Häusern notwendig. Ein weiterer Mangel ist, dass Belastungen durch andere Strahlenquellen sowie andere Einflussfaktoren in der Auswertung nicht berücksichtigt wurden. Insgesamt erfüllt die Studie grundlegende wissenschaftliche Anforderungen nicht, und es können keine Aussagen über einen kausalen Zusammenhang zwischen Mobilfunkexposition und Beschwerdehäufigkeit abgeleitet werden. Eine kurze Darstellung der Ergebnisse wurde bereits publiziert in Santini et al.: Symptomes exprimés par des riverains de station relais de téléphonie mobile. La Presse Medicale 2001: 30 (32), 1594 (Id.Nr. 1570). Eine englische Übersetzung ist unter der gleichen Referenz wie der französische Originalartikel erhältlich.
Finanzierung:
keine Angaben
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