Beurteilung der EMF-Gesundheitsforschung


Hierzu aus der Broschüre "Beurteilung der Aussagen zur Gesundheitsforschung auf dem Gebiet der hochfrequenten elektromagnetischen Felder (EMF) des Mobile Manufacturers Forum (Juli 2008):

Der wissenschaftliche Ansatz stellt die zuverlässigste Methode dar, unser Wissen zu erweitern. Nichtsdestotrotz sind wissenschaftliche Untersuchungen wie alle menschlichen Aktivitäten möglichen Fehlern, persönlichen Ansichten und Unsicherheiten unterworfen. Dies trifft auf den Bereich der Erforschung möglicherweise bestehender gesundheitlicher Folgen in Verbindung mit Funkwellen – auch hochfrequente (HF) elektromagnetische Felder (EMF) genannt – ebenso zu wie auf alle anderen Bereiche der Wissenschaft. Bei der vergleichenden Beurteilung möglicher Auswirkungen auf die Gesundheit berücksichtigen Wissenschafter unterschiedliche Aspekte, bevor sie ihre Schlussfolgerungen ziehen. Die nachfolgenden Fragen und auch die am Ende dieser Information genannten zusätzlichen Quellen helfen bei der Bewertung von Forschungsstudien und berichteten potentiellen Gesundheitsfolgen.
 

Wurden die Effekte in der von wissenschaftlichen Experten geprüften Literatur beschrieben?

Die zusätzliche Prüfung einer Studie durch wissenschaftliche Experten stellt eine Minimalanforderung zur 'gegenseitigen Kontrolle' dar. Obwohl hierdurch die Genauigkeit der Ergebnisse nicht gewährleistet werden kann, stellt dies doch ein maßgebliches Element zur Qualitätssicherung dar.
 

Wurden die beschriebenen Effekte unabhängig reproduziert?

Die unabhängige Bestätigung neuer Ergebnisse ist wichtig, um so den Einfluss von Versuchsabweichungen und unerkannten Fehlerquellen in einem bestimmten Laboraufbau zu minimieren.
 

Gibt es einen glaubhaften Wirkungsmechanismus für die beschriebenen Effekte?

Wenn es keinen Wirkungsmechanismus gibt, der die Energie eines RF-Signals in einen biologischen Reiz umwandeln kann, so gibt es auch keine biologische Reaktion und es kann kein Gesundheitseffekt auftreten. Berichtete Effekte könnten biologische Auswirkungen sein, die messbare Reaktionen auf einen Anreiz oder eine Änderung der Umwelt darstellen. Solche Reaktionen mögen, müssen aber nicht zwangsläufig zu einer gesundheitlichen Wirkung führen
 

Sind die beschriebenen Effekte von gesundheitlicher Bedeutung?

Die in Studien an Menschen beobachteten Auswirkungen werden als wichtig für die öffentliche Gesundheitspolitik angesehen. In der Beurteilung gesundheitlicher Risiken für Menschen sind fundierte Daten aus Studien am Menschen, wann immer verfügbar, generell aussagekräftiger als Daten aus Tierstudien. Tier- und Laborversuche bieten Unterstützung und werden hauptsächlich eingesetzt, um die aus Studien an Menschen fehlenden Nachweise zu ergänzen. Allerdings können die Ergebnisse zellulärer und tierischer Studien schwieriger auszulegen sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn der beschriebene Effekt schwach oder kaum erkennbar und der Reaktionsmechanismus nicht nachvollziehbar ist.
 

Wie stark ist der beschriebene Effekt?

Häufig ist es hilfreich, das Ausmaß eines erfassten Effekts mit anderen bereits bekannten Ursachen zu vergleichen, um ihn in die richtige Relation setzen zu können. Schwache oder kaum erkennbare Auswirkungen können manchmal durch Versuchsfehler oder zufällige Schwankungen bedingt sein, die auszuschließen, nur durch sorgfältige Beachtung der üblichen Laborverfahren möglich ist. Idealerweise sollten Laborüberprüfungen auch eine "Positivkontrolle" umfassen. Darunter versteht man eine Kontrollgruppe, die einem speziell dafür ausgelegten Reiz ausgesetzt wurde, der zuverlässig eine bestimmte Reaktion hervorruft. Dadurch kann die Empfindlichkeit eines Versuchsaufbaus getestet werden und jede entdeckte Auswirkung kann relativ zur Reaktion der Positivkontrolle betrachtet werden.
 

Weisen die beschriebenen Effekte eine Dosis-Wirkungsbeziehung auf?

Eine Dosis-Wirkungsbeziehung beschreibt die Veränderung eines Effekts, die durch unterschiedlich starke Einwirkung erzeugt wird. Eine Steigerung des Effekts bei erhöhter Einwirkung ist ein guter Gradmesser für eine tatsächliche Auswirkung. Komplexe Reaktionen, darunter auch die Annahme von Fenstern in den Reaktionsebenen, sind ohne einen bereits nachgewiesenen irkungsmechanismus nur schwer zu interpretieren.
 

Dient eine Studie dazu, eine Hypothese zu testen oder aufzustellen?

Eine Hypothese ist eine vorläufige Annahme, die überprüft werden muss. Eine wissenschaftliche Annahme muss mittels Versuch oder Beobachtung sowohl überprüfbar als auch widerlegbar sein. Eine Studie zur Hypothesenprüfung beginnt mit einer genauen Voraussage des Versuchsergebnisses und überprüft dann diese Voraussage. Eine Studie zur Aufstellung einer Hypothese sucht nach einer Reihe möglicher Effekte für eine bestimmte Einwirkung und nutzt dann die Studienergebnisse, um weitere spezielle Hypothesen zur Überprüfung vorzuschlagen.
 

Wurden die statistischen Analysen der Ergebnisse korrekt durchgeführt?

Die statistische Bedeutsamkeit eines Versuchsergebnisses wird normalerweise durch eine statistische Analyse bemessen. Eine aussagekräftige Beurteilung einer Studie bedingt die kompetente Anwendung statistischer Tests sowie das Befolgen geeigneter wissenschaftlicher Methoden, wie beispielsweise eines randomisierten Versuchsaufbaus, der Verblindung und der klaren Bestimmung der Hypothesen, bevor die Versuchsdaten erhoben und analysiert werden.
Statistische Signifikanztests zeigen, wie unwahrscheinlich ein rein zufälliges Ergebnis ist. Statistische Signifikanz sagt aber nichts über die direkte gesundheitliche Bedeutung eines Versuchsergebnisses aus.
Studien zur Aufstellung von Hypothesen prüfen einen weiten Bereich möglicher Endpunkte. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, rein zufällig auf Effekte zu stoßen. Diese Auswirkungen können fälschlicherweise positiv sein und sollten daher immer durch gezieltere und auf die Prüfung eines bestimmten Effekts abzielende Studien zur Hypothesenprüfung nachgewiesen werden. Manchmal werden Studien zur Aufstellung von Hypothesen so zitiert, als wären sie zur Überprüfung von Hypothesen durchgeführt worden, weshalb ihnen eine übertriebene, statistisch nicht gerechtfertigte Bedeutung zugemessen wird.
 

Gibt es für die berichteten Effekte eher zutreffende Erklärungen?

Mögliche Ursachen für einseitige Betrachtungsweisen und Verwechslungen sollten immer in Betracht gezogen werden, bevor ungewöhnliche Ergebnisse ungefragt akzeptiert werden. In vielen HF-Studien wurde später herausgefunden, dass die berichteten athermischen Effekte wahrscheinlich durch eine HF-Erwärmung entstanden sind.
 

Wie passt die Studie in die gesamte existierende Forschungsarbeit?

Einschätzungen eines Gesundheitsrisikos werden durchgeführt, indem man einzelne Studienergebnisse im Verhältnis zur Gesamtheit der verfügbaren Forschungsstudien gewichtet. Die sorgfältige Arbeit unabhängiger wissenschaftlicher Prüfkommissionen macht es möglich, die verfügbare wissenschaftliche Information zu überprüfen und jede Studie entsprechend ihrer Qualität, Art und Stärke der Befunde einzustufen, um gesamthaft gültige Schlussfolgerungen und Empfehlungen zu treffen. Schlussfolgerungen, die aus einer Überprüfung aller vorliegenden Forschungen gezogen wurden, sind zuverlässiger als die Ergebnisse einer einzelnen Studie.

 

Zusatzinformationen


Das Mobile Manufacturers Forum ist eine internationale Vereinigung von Herstellern von Funkkommunikationseinrichtungen. Weiterführende Informationen erhalten Sie auf der Internetseite des MMF unter www.mmfai.org.
Die GSM Association (GSMA) ist die weltweite Handelsorganisation, die mehr als 750 GSMMobiltelefonnetzbetreiber in insgesamt 218 Ländern und Gebieten der Welt vertritt. Zusätzlich unterstützen mehr als 200 Hersteller und Zulieferer als Schlüsselpartner die Initiativen der Organisation. Weiterführende Informationen erhalten Sie auf der GSMA Health & Environment Internetseite unter www.gsmworld.com/health

Komplette Broschüre (pdf, 1.06 MB)

 

 
Navigation zu
  dieser Seite:
        
Homepage Elektrosmoginfo
Menüseite: Wirkungen elektromagnetischer Felder
  Grundlegendes zur Elektrosmog-Forschung
    Begriffsdefinitionen                            
    Beurteilung der EMF-Gesundheitsforschung
    Qualitätsansprüche in der wissenschaftlichen Forschung
 
Zuletzt geändert: 07.08.08