Das REFLEX-Projekt

"Risk Evaluation of Potential Environmental Hazards From Low Energy Electromagnetic Field Exposure Using Sensitive in vitro Methods"

 
Das REFLEX-Projekt ist ein von der EU im 5. Rahmenprogramm gefördertes Forschungsvorhaben, an dem sich 12 Forschergruppen aus 7 europäischen Ländern beteiligt haben. Es sollte in Laborversuchen an verschiedenen Arten von lebenden Zellen herausfinden, ob die Voraussetzungen für Gesundheitsschädigungen durch nieder- und hochfrequente Felder auf zellulärer oder molekularer Ebene erfüllt sind.

Zusammenfassung
Aufbau des Projekts
Ergebnisse
Veröffentlichungen zu REFLEX und mehr Information

Zusammenfassung

Zusammenfassung und Bewertung durch das BfS (Juli 2008):

Aussagen:

Wirkungen von niederfrequenten elektrischen und magnetischen sowie von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf das Zellwachstum, die Ausformung der Zellen (Zell- Differenzierung) oder das programmierte Absterben von Zellen (Apoptose) konnten von mehreren Forschungsgruppen des REFLEXVerbunds nicht gefunden werden.
Die Ergebnisse in Bezug auf die Genexpression, d. h. die Umsetzung der genetischen Information in funktionsfähige Genprodukte, meist Proteine, waren vielfältig und komplex, jedoch gibt es keine Aussagen dazu, inwieweit diese Ergebnisse wiederholbar und biologisch relevant sind.
Im Zentrum der Diskussion standen beobachtete genschädigende Effekte (DNA Strangbrüche, Mikrokerne) sowohl durch niederfrequente als auch durch hochfrequenter Felder unterhalb der Grenzwerte. Publiziert wurden lediglich die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Rüdiger (Universität Wien). Im REFLEX Programm wurde GSM untersucht, eine aktuelle Studie beschreibt gentoxische Effekte unter UMTS-Exposition).
 

Stellungnahme:

Prof. Adlkofer, der Koordinator des REFLEX Programms, stellt im EU-Bericht abschließend fest, dass alle Ergebnisse ausschließlich an Zellkulturen gewonnen wurden und daher nicht geeignet sind, Aussagen über die gesundheitliche Relevanz für den Menschen zu treffen. Diese Einschätzung gilt sowohl für die Ergebnisse für die Niederfrequenz als auch für die Hochfrequenz. Sie wird vom BfS geteilt. Die Verbreitung der REFLEX-Ergebnisse, z. T. noch vor den wissenschaftlichen Publikationen, hat zur Initiierung von mehreren Gentoxstudien geführt. Bisher konnten diese Studien die REFLEX-Ergebnisse nicht bestätigen (publiziert: Scarfi et al., Speit et al.). Die Mehrheit der nach wissenschaftlichen Kriterien veröffentlichten Studien findet keine genschädigenden Effekte hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung.

Ergänzung:
Die Ergebnisse der Wiener Arbeitsgruppe wurden v. a. was die Art der Auswertung der Versuche betrifft, von Anfang an kritisch diskutiert. Eine neue Qualität erhält die Diskussion derzeit durch den Verdacht der Fälschung von Daten, der durch die aktuell veröffentlichte Studie zu UMTS ausgelöst wurde. Diesem schwerwiegenden Vorwurf wird zur Zeit seitens der Universität Wien nachgegangen. Umfassende Prüfung und rückhaltlose Aufklärung dieser Vorgänge sind auch im Interesse der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft insgesamt dringend geboten.

Quelle: Zusammenstellung der Studien, die öffentliches Interesse erweckt haben, und deren Bewertung durch das BfS (Juli 2008, pdf, 56 KB)

 
Aufbau des Projekts

Das REFLEX-Projekt war ohne Industriebeteiligung mit Finanzmitteln von ca. 3,2 Mio. Euro ausgestattet, lief von Februar 2000 bis Mai 2004 und wurde von der Stiftung VERUM geplant, organisiert und koordiniert.
Die beteiligten Institutionen waren wie folgt:

  1. VERUM - Stiftung für Verhalten und Umwelt, München, Germany (Prof. Franz Adlkofer)
  2. Institut für Klinische Chemie, Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Berlin, Germany (Prof. Rudolf Tauber)
  3. Abteilung für Arbeitsmedizin, Universitätsklinik für Innere Medizin, Wien, Austria (Prof. Hugo W. Rüdiger)
  4. Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, Gatersleben, Germany (Prof. Anna M. Wobus)
  5. Insalud, Ramon y Cajal Hospital, Madrid, Spain (Dr. Angeles Trillo)
  6. STUK - Radiation and Nuclear Safety Authority, Helsinki, Finland (Prof. Dariusz Leszczynski)
  7. Institut für Biophysik, Universität Hannover, Germany (Prof. H. Albert Kolb)
  8. Laboratoire PIOM, ENSCPB, Bordeaux, France (Dr. Isabelle Lagroye)
  9. Universita degli Studi di Bologna, Italy (Prof. Fernando Bersani)
  10. Institut für Integrierte Systeme, ETH Zentrum, Zürich, Switzerland (Prof. Niels Kuster)
  11. Cattedra di Farmacologia, Universita degli Studi di Milano, Italy (Prof. Francesco Clementi) 
  12. Ressourcenzentrum für Genomforschung GmbH (RZPD), Heidelberg, Germany (Dr. Christian Maercker)

Für das Projekt wurden folgende Arbeitspakete festgelegt und auf die verschiedenen Institutionen verteilt (die jeweils leitenden Institutionen sind rot hervorgehoben):

Arbeitspaket 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Genotoxische Wirkungen   x x       x   x     x
Wirkungen auf die Differenzierung und Funktion von embryonalen und neuronale Stammzellen       x x   x   x   x x
Wirkungen auf die Genausprägung und das Gen-Targeting   x   x x x x x x     x
Wirkungen auf das Immunsystem             x   x     x
Wirkungen auf die Zelltransformation und Apoptosis       x   x   x x      
Expositionseinrichtungen, Dosimetrie und Qualitätskontrolle                   x    

 

Ergebnisse

 

Aus den in vitro Untersuchungen im Rahmen des REFLEX-Projektes ergibt sich, dass sowohl nieder- als auch hochfrequente elektromagnetische Felder unterhalb der jeweils geltenden Grenzwerte fähig sind, in manchen Zellen bestimmte Genschädigungen zu verursachen. Damit ist zwar der Zusammenhang zur Entstehung von Krankheiten oder auch nur funktionellen Störungen nicht belegt, doch die Plausibilität dafür erhöht. Allerdings sind einige der gefundenen Ergebnisse widersprüchlich und zwischen den verschiedenen Arbeitsgruppen auch unterschiedlich.
Der erreichte Fortschritt besteht laut des Projektleiters im Wesentlichen darin, dass neue Wege aufgezeigt werden, wie die zukünftige Forschung ausgerichtet sein soll.

Zusammenfassung für niederfrequente elektromagnetische Felder (ELF-EMF)

  • Hinweise auf Schäden des Erbmaterials bei intermittierender, nicht aber bei kontinuierlicher ELF-EMF-Exposition
  • Effekte von ELF-EMF auf die Entstehung von DNS-Strangbrüchen weit unter den derzeit gültigen Grenzwerten der International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection(ICNIRP)
  • Keine eindeutigen Hinweise für eine Wirkung von ELF-EMF auf das Zellwachstum oder auf Apoptose

Zusammenfassung für hochfrequente elektromagnetische Felder (RF-EMF)

  • Beobachtungen zu genotoxischen Veränderungen (DNS-Strangbrüche, Mikrokerne, Chromosomenaberrationen) unterhalb der Grenzwerte für Teilkörperexposition
  • einige Hinweise auf eine Beteiligung von reaktiven Sauerstoffspezies an der genotoxischen Wirkung von RF-EMF
  • Feststellungen zu Modifikationen der Gen- und Proteinexpression in unterschiedlichen Zellsystemen
  • Kein konsistenter Nachweis von Veränderungen im Zellwachstum, in der Zelldifferenzierung oder der Apoptose von Zellen
 

Erläuterungen:

Apoptose
Programmierter Zelltod, falls dieser bei bereits krebsig entarteten Zellen nicht eintritt, kann diese sich weiter zur Krebszelle entwickeln.

Differenzierung
Bei Zellen die Weiterentwicklung zu Zellen mit speziellen Aufgaben

Expression
Bei Genen die Umsetzung der genetischen Information in spezifische funktionelle Eigenschaften

Mikrokerne
Können in Zellen durch schädliche Einwirkungen entstehen, ihr Auftreten kann als Hinweis auf bestimmte Schäden im genetischen Apparat dienen

 

Veröffentlichungen zu REFLEX und mehr Information

Neuer Fälschungsverdacht bei Untersuchung zu Genschäden im "REFLEX"-Labor an der Berliner Charité
Am 11.07.2011 berichtete „Der Spiegel“ (Ausgabe 28/2011) unter dem Titel „Mobilfunk – Fälschung an der Charité“ über einen neuen Fälschungsverdacht an immer noch unveröffentlichten Daten aus dem Jahr 2006, die auf genetische Schäden an kultivierten Zellen durch die Einwirkung von Mobilfunkfeldern hinweisen. Andere Medien folgten mit entsprechenden Berichten, und die Charité veröffentlichte eine Pressemitteilung.
Beitrag dazu im EMF-Brief des WIK, Ausgabe 50/2011
Die Kritik an den Arbeiten aus Wien zu Genschädigungen durch EMF
Seitdem der Biologe Prof. Alexander Lerchl von der Jacobs-University in Bremen einen wissenschaftlichen Kommentar zu einer Anfang 2008 veröffentlichten Nachfolgestudie zum Reflex-Projekt vorgelegt hat, iin dem er auf Widersprüche sowie statistische Mängel und Fehler darin hinweist und insgesamt den Vorwurf der Fälschung formuliert, ebbt die Folge von zugehörigen Veröffentlichungen der Beteiligten nicht mehr ab - eine Übersicht.
Kritische Anmerkungen zur Untersuchung von DNA-Schädigungen im Schlussbericht 2004 der REFLEX-Studie (Juni 2005)
Eine Bewertung von Frau Vijayalaxmi, Ph D., einer Genetikerin aus der Abteilung für Strahlungs-Onkologie der Universität Texas (USA), als Auszug aus dem Newsletter 2/2005 der Forschungsgemeinschaft Funk (5 Seiten, 73 kB).
Das REFLEX-Projekt (Mai 2005)
Eine überschaubare Beschreibung der Inhalte und Ergebnisse von Reflex, verfasst von Mitarbeitern der Wiener Arbeitsgruppe (Alexander Pilger und Hugo W. Rüdiger), in der Ausgabe Nr. 5 der Faktenblattreihe "frequentia" zu Mobilfunk und Medizin des schweizerischen Forum Mobil (8 Seiten, 148 kB)

Abschlussbericht zum REFLEX-Projekt (November/Dezember 2004)
Dieser Bericht erschien nach einigen Diskussionen über Detailformulierungen mancher Inhalte zuerst als eine einzige umfangreiche pdf-Datei auf der Homepage des IT'IS (Teilnehmer 10) und wurde einige Tage danach auch in vier handlichere Teile zerlegte Dateien angeboten:
Gesamter Abschlussbericht (von der HP des IT'IS, 291 Seiten pdf, 11 MB)
Zusammenfassung des Projektes ( 2 Seiten, 42 kB)

Beiträge im Newsletter 3/2003 der Forschungsgemeinschaft Funk (FGF) (Oktober 2003)
In dieser Ausgabe geht die FGF in mehreren Beiträgen von Teilnehmern (s. u.) an der Jahrestagung der BEMS 2003 auch auf die ersten Ergebnisse von REFLEX ein. Dies auch in jeweils gut begründeter kritisch-hinterfragender Form, wogegen die in den Medien vorgestellten Aspekte meist alleine die Auswahl bzw. Bewertung des Projektleiters Prof. Adlkofer wiedergeben.
(von Dr. med. Reißenweber, 30 Seiten, 487 kB)
(8 Seiten, 174 kB)
(eine Zusammenfassung von Dr. F. Gollnick, 10 Seiten, 252 kB)
Reflex auf der BEMS 2003 (Juni 2003)
Auf der 25. Jahrestagung der BEMS im Juni 2003 auf Hawaii präsentierte Prof. Adlkofer unter reger Anteilnahme der anwesenden Wissenschaftler die damaligen Ergebnisse von REFLEX. Dieser Text ist der zugehörige Auszug aus den "Abstracts" dieser Tagung und zeigt bereits zu diesem Zeitpunkt alle später hervorgehobenen Ergebnisse auf (10 Seiten, 327 kB).
Es gibt auch eine 2-seitige Kurzfasssung dieser Zusammenfassung: Summary of the findings obtaimed in the Reflex project and future perspectives (pdf, 114 kB)

"Ist Handy-Strahlung krebserregend?" (März 2003)
Mit dieser plakativen Pressemitteilung der Universität Hannover wurde nach dem Interesse der Fachwelt auch das der Medien am REFLEX-Projekt geweckt.

Vorstellung von REFLEX und erste Zwischenergebnisse (Juni 2002)
Die erste öffentliche Präsentation von REFLEX und ersten (Zwischen-)Ergebnissen geschah durch dessen Projektleiter Prof. Franz Adlkofer auf der 24. Jahrestagung der Bioelectromagnetics Society (BEMS) im Juni 2002 in Quebec/Kanada. Dieser Artikel ist der zugehörige 10-seitige Auszug aus den "Abstracts" der Tagung. Über diese Tagung bzw. REFLEX berichtete dann auch die Forschungsgemeinschaft Funk in mehreren Beiträgen ihres Newsletters 2/3 vom Dezember 2002
 
Mehr Information zu genetischen Schädigungen (allgemeine Beschreibungen und weitere Studien)

 

Navigation zu
  dieser Seite:
        
Homepage Elektrosmoginfo
Menüseite: Biologie und Gesundheit
  Einzelne Studien
    Das REFLEX-Projekt                                
 
Zuletzt geändert: 27.08.11