Hautkrebs durch Radio- und Fernsehsender?


Auf dieser Seite ist eine kleine Informationssammlung zu diesem Thema, das bisher alleine durch zwei schwedische Wissenschaftler genährt wird:

Hautkrebs durch UKW-Radiosender (Hallberg & Johansson 2002)
Krebs-Trends während des 20ten Jahrhunderts (Hallberg & Johansson 2002)
Hautkrebs - keine Sonnenscheingeschichte (Hallberg & Johansson 2004)
Hautkrebs: Information des Deutschen Krebsforschungszentrums sowie andere Studien
Wissenschaftliche Bewertung der Arbeit von Johansson


Hautkrebs durch UKW-Radiosender (Hallberg & Johansson 2002)

Im Frühjahr 2002 überraschten zwei Wissenschaftler des schwedischen Karolinska Instituts (Stockholm) mit einer Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift, in welcher sie einen Zusammenhang zwischen Hautkrebs und dem Aufkommen des UKW-Rundfunks vermuteten:

Hallberg O.;Johansson O.: Melanoma incidence and frequency modulation (FM) broadcasting. Arch Environ Health 2002: 57 (1), 32-40.
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR

Im Newsletter der Forschungsgemeinsschaft Funk vom März 2003 konnte man zu dieser Studie lesen:

Hängt die Wahrscheinlichkeit an Hautkrebs (Melanom) zu erkranken von der Intensität der umgebenden UKW Sender ab?
Örjan Hallberg und Olle Johansson, Dermatologen des Karolinska Instituts in Stockholm glauben einen solchen Bezug gefunden zu haben. Sie korrelieren den Anstieg dieser Hautkrebs-Erkrankungen mit der Anzahl der umgebenden Sendemasten und sogar mit der Sendefrequenz, wobei sie schließen, dass die früheren Ostblock-Länder mit niedrigeren UKW-Frequenzen (um 70 MHz) weniger Probleme hatten, da sie weiter ab von der Resonanzfrequenz des menschlichen Körpers lagen als in den Ländern, die mit 87-108 MHz senden.
Allerdings verwundert, dass man als Antennen-Maß Arm-, Bein- und Rumpf-, nicht aber die gesamte Körper-Länge einsetzt, dann würde die Schlussfolgerung nämlich nicht stimmen. Da die meisten Sender horizontal polarisiert sind, sei die gefährlichste Position des Menschen die horizontale und die gefährlichste Zeit die Nacht. Man empfiehlt dementsprechend sein Bett in Richtung geringster Feldstärke zu drehen.
Der Abschnitt über Confounders ist sehr kurz gehalten und beinhaltet nur die Beachtung steigender Verkehrsdichte oder erhöhte Aufmerksamkeit bei der Diagnose von Melanomen in letzter Zeit. Der UV-Einfluss wird nur am Rande vermerkt. Auf die veränderten Urlaubs- und Reisegewohnheiten, die sich bei den Nordländlern sicher besonders nachhaltig auswirken, oder gar auf die steigende Anzahl der Solarien-Besuche wird nicht eingegangen.
Hallberg, O. and Johansson, O.: Melanoma incidence and frequency modulation (FM) broadcasting. Arch. Environm. Health 57, 32-40. 2002

Komplettes Original: http://www.fgf.de/fup/publikat/newsletter/newsletter01-03d.pdf (1.6 MB)

 

Krebs-Trends während des 20ten Jahrhunderts (Hallberg & Johansson 2002)

Zwei Monate nach Erscheinen des oben genannten Artikels erschien im April 2002 in einer australischen Fachzeitschrift ein Artikel der gleichen Autoren, für den sie die Entwicklung von verschiedenen Erkrankungen im 20ten Jahrhundert statistisch ausgewertet hatten.

Hallberg O, Johansson O.: Cancer Trends During the 20th Century
Reprint aus: Journal of Australian College of Nutritional & Environmental Medicine Vol. 21 No. 1; April 2002

Darin untersuchten sie den Verlauf der Häufigkeit verschiedener Krebsarten und anderen Krankheiten, wie etwa Asthma, im Zeitraum von etwa 1920 bis ins Jahr 2000 sowie eventuelle Zusammenhänge. Dabei versuchten sie auch in dieser Veröffentlichung einen Schluss auf die Verbreitung von Radio- und Fernsehsendern zu finden, wobei sie Einflüsse anderer krebserzeugender Faktoren jedoch nicht weiter diskutierten.

Daraus als Auszug:

Sterblichkeit an Hautkrebs in Schweden, nach Hallberg & Johansson 2002

 

Hautkrebs - keine Sonnenscheingeschichte (Hallberg & Johansson 2004)

Im Juli 2004 erschien in der Fachzeitschrift "Medical Science Monitor" erneut eine Veröffentlichung der beiden schwedischen Autoren, wobei sie die Ergebnisse ihrer Arbeiten von 2002 unter Einbeziehung zusätzlicher Betrachtungen noch weitergehend als bisher interpretierten.

Hallberg O.;Johansson O.: Malignant melanoma of the skin - not a sunshine story!. Med Sci Monit 2004: 10 (7), CR336-40.
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR

Wie schon in 2002 fanden sie eine zeitliche Beziehung zwischen dem Anstieg der Häufigkeit des Hautkrebses und der Einführung von Rundfunk- und Fernsehsender in den verschiedenen Regionen Schwedens um das Jahr 1955. Dagegen sei in den Regionen Schwedens, wo die Sender später in Betrieb gegangen seien, auch die Krebshäufigkeit erst später angestiegen. Zusätzlich beurteilen sie eine eventuelle stärkere UV-Bestrahlung als weniger relevant, da der von ihnen benannte Indikator - Charterflüge in den Süden, erst in den sechziger Jahren verbreitet zum Tragen gekommen sei.
Als mögliche Begründung sehen sie eine anhaltende Störung der Zell-Reparaturmechanismen durch elektromagnetische Strahlung, welche die Krebs fördernde Wirkung von Zellschäden durch beispielsweise UV-Strahlung möglicherweise verstärken könnte.

 

Hautkrebs: Information des Deutschen Krebsforschungszentrums sowie andere Studien

Es gibt zu den möglichen Ursachen von Hautkrebs eine Fülle von Studien, welche sich in überwältigender Mehrzahl mit dem Zusammenhang zur UV-Strahlung befassen. Diese sollen hier jedoch nicht Gegenstand der Betrachtung sein, stattdessen nur als Auszug aus einer zugehörigen Seite des Krebsatlasses des Deutschen Krebsforschungszentrums (Heidelberg) einige allgemeine Angaben zur Häufigkeit von Hautkrebs (Auszüge):

Als Todesursache ist das bösartige Melanom der Haut mit einem Anteil von etwa 1 % an allen Krebstodesursachen für beide Geschlechter und beide Teile Deutschlands selten. Allerdings ist über den gesamten Zeitraum, für den Daten zur Verfügung stehen, ein anhaltender Anstieg der Sterblichkeit zu beobachten. Die nach Altersbereichen differenzierten Daten zeigen, daß dabei in erster Linie der höhere Altersbereich betroffen ist. In der Altersgruppe der 35 - 64jährigen steigt die Sterblichkeit praktisch nicht oder nur minimal an. Im Jahr 1990 belaufen sich die Mortalitätsraten für Männer auf 1.9 (West) bzw. 1.3 (Ost) und für Frauen auf 1.3 (West) bzw. 1.0 (Ost).

In den USA liegt die Sterblichkeit etwas höher und in Japan auffallend niedriger als in Deutschland. Für Männer beträgt die Rate in den USA 2.6 und für Frauen 1.3, während sich die analogen Werte in Japan um 0.2 (Männer) bzw. 0.1 (Frauen) bewegen. Im europäischen Vergleich liegt die Sterblichkeit in Deutschland im mittleren Bereich: die höchsten Raten erreichen Werte bis 3.8 für Männer und 2.2 für Frauen in Norwegen, und die niedrigsten Werte von 0.5 für Männer und 0.4 für Frauen in Griechenland.

Sterblichkeit an Hautkrebs in Deutschland

In den kartographischen Darstellungen ist in erster Linie auffällig, daß in einer ganzen Reihe von Regionen der ehemaligen DDR für beide Geschlechter in den betrachteten Zeitperioden nicht ein einziger Melanomtodesfall aufgetreten ist. Die daran erkennbare Seltenheit des Tumors läßt eine schlüssige Interpretation der Karten nicht zu. Allenfalls scheint sich eine leichte Häufung von Regionen mit etwas erhöhten Raten im küstennahen Bereich Westdeutschlands erahnen.

Original: http://www.dkfz-heidelberg.de/epi/Home_d/Programm/AG/Praevent/Krebshom/texte/deutsch/172.htm

An diesen Angaben und der Grafik sieht man, dass die aus Schweden genannten Zahlen nicht auf deutsche Verhältnisse zu übertragen sind und die von Hallberg und Johansson geäusserten Theorien auch nicht unbedingt unterstützen.
Jedoch auch aus Schweden selbst kommen Studien, welche andere Zusammenhänge zumindest möglich erscheinen lassen:

Eklund G, Malec E.: Sunlight and incidence of cutaneous malignant melanoma. Effect of latitude and domicile in Sweden
Scand J Plast Reconstr Surg. 1978;12(3):231-41.
Für diese Studie wurden 3289 Krebsfälle in Schweden von 1959 bis 1968 analysiert und dabei festgestellt, dass die Häufigkeit nach Norden zunahm. Gleichzeitig wurde ein Zusammenhang mit der Bevölkerungsdichte gefunden, wobei besonders in den großen Städten Stockholm, Malmö und Göteborg eine Häufung zu beobachten war.
 
Melanome sind an Oberkörper und Beinen am häufigsten - das liegt offenbar am Freizeitverhalten
Dieser Artikel aus der Ärztezeitung vom August 2004 gibt einen Überblick über wissenschaftlich anerkannte Ansichten zu den Ursachen von Hautkrebs.

 

Wissenschaftliche Bewertung der Arbeit von Johansson

Der schwedische Forschungsrat hat im Jahr 2004 im Auftrag der Regierung eine Analyse der Ausrichtung und Qualität der in Schweden durchgeführten Forschung zu biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder angefertigt. Darin beschreibt er auch die Arbeit der verschiedenen in Schweden ansässigen, teilweise ebenso im Ausland bekannten Forschergruppen und findet für deren qualitative Beurteilung klare Worte. Zu der Arbeit der Gruppe um Johansson schreibt es in seiner Zusammenfassung

Olle Johansson and colleagues, also at Karolinska Institutet, are interested in several sub-areas of research. Their work, however, is characterized by weakly supported statements and deficiencies in scientific precision.

Und im Gesamtbericht ist folgender Satz zu lesen:

En annan av de sakkunniga anser Olle Johanssons grupp vara ”totally out of control in its interpretations and assertions based on ecological studies whose mistakes any journalist would recognize”.

 

 

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Zuletzt geändert: 19.10.08