Auszug aus dem Bericht der Radarkommission vom Juli 2003 zu spezifischen epidemiologischen Studien im Mikrowellenbereich (Radar):

Polizisten (Kanada) / Techniker bei der Marine I (USA) / Techniker bei der Marine II (USA)
Zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Strahlungen im Mikrowellenbereich (Radar) liegen drei Untersuchungen vor. In einer kanadischen Studie [Finkelstein 1998] wurde an 1.596 Polizistinnen und 20.601 Polizisten untersucht, ob diese Berufsgruppe eine erhöhte Zahl von Krebserkrankungen hat. Als mögliche Ursache wurde die Strahlung von Hand- Radargeräten zur Geschwindigkeitsmessung angesehen. Die Aufnahme in das von 1970 bis 1995 laufende Follow-up erfolgte entweder anhand des Einstellungsdatums oder zu dem Zeitpunkt, an dem eine Polizeistation auch ihre ehemaligen Mitarbeiter vollständig identifizieren konnte. Für die Stationen, die nur Daten von aktuell beschäftigen Polizisten liefern konnten, wurde das Eintrittsdatum auf den l. Januar 1992 festgelegt. Aufgrund der Geschlechterverteilung beschränkten sich die Auswertungen auf die männlichen Teilnehmer.
Für studieninterne Vergleiche wurden zwei Gruppen gebildet: Personen, deren Follow-up weniger als 10 Jahre dauerte, und Personen mit einem Follow-up von 10 Jahren und mehr. Für die Bestimmung der SIR wurden bevölkerungsbezogene Daten als Referenz genutzt.
Die berufliche Tätigkeit galt als Exposition, eine genauere Abschätzung der Exposition erfolgte nicht, Die Polizisten erkrankten - bei 561 Fällen während des Follow-ups - weniger häufig an Krebs als die Bevölkerung insgesamt (SIR: 0,90; 90 CI: 0,83-0,98). Dieses Ergebnis wird von den Autoren auf einen "healthy worker effect" zurückgeführt, da unter anderem der Anteil an Rauchern unter den Polizisten deutlich niedriger als in der Allgemeinbevölkerung ist. Ein erhöhtes Risiko fand die Studie für bösartige Neubildungen der Prostata (SIR: 1,16; 90 CI: 0,93-1,43), für Hodenkrebs (SIR: 1,3; 90 CI- 0 89-1 84) und für Melanome (SIR: 1,45; 90 CI: 1,10-1.88).
Problematisch ist, dass nicht alle Polizeistationen an der Studie teilnahmen. Aufgrund dieser Selbstselektion kann eine Verzerrung der Ergebnisse nicht ausgeschlossen werden. Zudem war zum Zeitpunkt der Publikation nicht bekannt, wie viele der Polizisten die Radargeräte nie gelegentlich oder häufig benutzt haben.
Da das Krebsregister von Ontario mehrere Neubildungen beim selben Individuum registriert, wurden Personen mit einer Krebserkrankung weiter beobachtet mit der Annahme, für weitere Krebserkrankungen unter Risiko (at risk) zu stehen. Dies macht einen Vergleich der Ergebnisse mit den Ergebnissen anderer Inzidenzstudien unmöglich.

Von Robinette et al. (1980) wurde eine Studie mit 40.890 Angehörigen der amerikanischen Marine durchgeführt, die während der Zeit des Korea Krieges gedient hatten. Die Dauer des Follow-up lag bei rund 20 Jahren (1950/54 - 1974).
Auf der Basis von Messungen, die die Marine auf Schiffen durchgeführt hatte, wurden zur Bestimmung der Effekte einer Exposition mit Radar zwei Subkohorten von jeweils rund 20.000 Personen aus jeweils drei Tätigkeitsgruppen gebildet. Die Gruppen Elektrotechniker (Reparatur von Radareinheiten), "Feuerkontroll-Techniker" und Elektrotechniker aus dem Bereich Luftfahrt mit maximaler Exposition, sowie Funker, das Bedienungspersonal von Radaranlagen und Bord-Elektriker aus der Luftfahrt mit potenziell minimaler Exposition.
Die potenzielle Exposition wurde über die Zugehörigkeit zu den oben genannten Berufsgruppen und mit so genannten "hazard numbers" geschätzt. Diese "hazard number" definiert sich aus der Summe aller Werte (power ratings) der an Bord eines Schiffes befindlichen Radaranlagen multipliziert mit der Zahl der Dienstmonate auf diesem Schiff. Ein Vergleich innerhalb der potenziell hochexponierten Gruppe nach den "hazard numbers" zeigt einen signifikanten Unterschied bei den bösartigen Neubildungen der Atemwege mit einer Mortalitätsratio von 2.2 (10 Fälle).
Ein Vergleich mit externen Daten (Todesursachen) wurde nicht durchgeführt, daher wurden für die Berechnung der Mortalitäts-Ratios die in der Gesamtkohorte aufgetretenen Ereignisse als Referenz verwendet. Die Ergebnisse zeigen keine nachteiligen Effekte für die hoch exponierte Gruppe: Bei den bösartigen Neubildungen (insgesamt 202 Fälle) ergibt sich für die Gruppe mit geringer Exposition ein Mortalitäts-Ratio (MR) .von 1,04 und für die Hochexponierten ein MR von 0,96.
Die Bestimmung der Exposition blieb auf den Zeitraum 1950-1954 beschränkt. Es ist daher nicht bekannt, inwieweit die Mitglieder der Kohorte nach 1954 im militärischen oder im zivilen Bereich mit emittierenden Quellen in Berührung kamen. Es handelt sich hierbei nur um eine kurzfristige Exposition gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern.
Die Ergebnisse eines verlängerten Follow-up (1950/54 - 1997) der Kohorte von Marineangehörigen wurden von [Groves et al. 2002] publiziert. Im Gegensatz zur Veröffentlichung von Robinette wurden in dieser Arbeit mögliche Confounder und Effektmodifikatoren berücksichtigt. Zusätzlich wurden die Mortalitätsdaten mit externen Daten verglichen.
Für die meisten Erkrankungen wurden in der Subkohorte der hoch exponierten niedrigere Mortalitätsraten gefunden als in der potenziell gering exponierten Subkohorte, mit Ausnahme von signifikant höheren Raten bei den Leukämien (RR 1,48, 95 CI 1,01-2,17) und in der Untergruppe der nicht lymphatischen Leukämien (RR 1,82, 95 CI 1,05-3,14).
Die standardisierten Mortalitätsratios (externer Vergleich) zeigten statistisch signifikant niedrigere SMRs oder SMRs nahe l für das potenziell hoch exponierte Stratum.
Informationen zur Exposition mit Mikrowellen nach der Zeit des Korea-Krieges (1950-1954) waren nicht verfügbar. Ebenso wenig lagen Informationen über weitere Expositionen (z.B. chemische Stoffe) vor.

 

Militärangehörige (Polen)
In einer polnischen Studie wurden alle bei den Angehörigen der Armee zwischen 1971 und 1985 aufgetretenen Krebserkrankungen registriert [Szmigielski 1996]. Von den im Durchschnitt 128.000 Personen waren jedes Jahr rund 3.700 mit hochfrequenten Strahlungen bzw. Mikrowellen exponiert. Daten zur Exposition an Arbeitsplätzen mit emittierenden Equipments wurden vom Militär zur Verfügung gestellt. Es war jedoch nicht möglich, die individuelle Exposition der dort eingesetzten Personen zu bestimmen.
Die Analysen beschränken sich auf kohorteninterne Vergleiche der Hochexponierten mit der Referenzgruppe. Bei der Kalkulation der OERs (observed/expected ratio) wurde die Subkohorte der nicht exponierten Personen als Referenz genutzt. Das OER entspricht damit dem Odds ratio. Erhöhte Morbiditäts-Risiken wurden gefunden für alle bösartigen Neubildungen (OER: 2,07; 95 CI: 1,12-3.58), darunter für colorektale Neubildungen (OER: 3,19; 95 CI: 1,54-6,18), Neubildungen des Ösophagus und des Magens (OER: 3,24; 95 CI: 1.85-5,06), Neubildungen der Nervensysteme und des Gehirns (OER: 1,91; 95 CI: 1,08-3,47) sowie Neubildungen des lymphatischen und blutbildenden Gewebes (OER: 6,31; 95 CI: 3,12-14,32).
Die Ergebnisse dieser Studie sollten mit Vorsicht interpretiert werden, da die Studienpopulation sich von Jahr zu Jahr änderte, die genaue Altersverteilung in den beiden Subkohorten nicht bekannt war und vor allem, weil für Personen, die an Krebs erkrankten, zusätzliche Informationsquellen zur Auffindung einer möglichen Exposition mit Hochfrequenz/Mikrowellen genutzt wurden und somit eine grundlegende methodische Voraussetzung der Durchführung von Kohortenstudien verletzt wurde.

Komplettes Original unter: http://www.bfs.de/bfs/fue_beitraege/radar/abschlussbericht.html

Referenzen (abstracts) zu den hier beschriebenen Studien

Cancer incidence among Ontario police officers.
Finkelstein MM., Am J Ind Med. 1998 Aug;34(2):157-62.
Cluster of testicular cancer in police officers exposed to hand-held radar
Davis RL, Mostofi FK, .Am J Ind Med. 1993 Aug;24(2):231-3
Cancer in Korean war navy technicians: mortality survey after 40 years
Groves FD, Page WF, Gridley G, Lisimaque L, Stewart PA, Tarone RE, Gail MH, Boice Jr JD, Beebe GW, Am J Epidemiol 2002; 155 (9): 810 - 818
Effects upon health of occupational exposure to microwave radiation (radar)
Robinette CD, Silverman C, Jablon S, Am J Epidemiol 1980; 112 (1): 39 - 53
Cancer morbidity in subjects occupationally exposed to high frequency (radiofrequency and microwave) electromagnetic radiation
Szmigielski S, Sci Total Environ 1996; 180 (1): 9 - 17

 

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Zuletzt geändert: 20.08.06