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Polizisten (Kanada) / Techniker bei der Marine I (USA)
/ Techniker bei der Marine II (USA)
Zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Strahlungen im Mikrowellenbereich
(Radar) liegen drei Untersuchungen vor. In einer kanadischen Studie [Finkelstein
1998] wurde an 1.596 Polizistinnen und 20.601 Polizisten untersucht, ob
diese Berufsgruppe eine erhöhte Zahl von Krebserkrankungen hat. Als mögliche
Ursache wurde die Strahlung von Hand- Radargeräten zur Geschwindigkeitsmessung
angesehen. Die Aufnahme in das von 1970 bis 1995 laufende Follow-up erfolgte
entweder anhand des Einstellungsdatums oder zu dem Zeitpunkt, an dem eine
Polizeistation auch ihre ehemaligen Mitarbeiter vollständig identifizieren
konnte. Für die Stationen, die nur Daten von aktuell beschäftigen Polizisten
liefern konnten, wurde das Eintrittsdatum auf den l. Januar 1992 festgelegt.
Aufgrund der Geschlechterverteilung beschränkten sich die Auswertungen
auf die männlichen Teilnehmer.
Für studieninterne Vergleiche wurden zwei Gruppen gebildet: Personen,
deren Follow-up weniger als 10 Jahre dauerte, und Personen mit einem Follow-up
von 10 Jahren und mehr. Für die Bestimmung der SIR wurden bevölkerungsbezogene
Daten als Referenz genutzt.
Die berufliche Tätigkeit galt als Exposition, eine genauere Abschätzung
der Exposition erfolgte nicht, Die Polizisten erkrankten - bei 561 Fällen
während des Follow-ups - weniger häufig an Krebs als die Bevölkerung insgesamt
(SIR: 0,90; 90 CI: 0,83-0,98). Dieses Ergebnis wird von den Autoren auf
einen "healthy worker effect" zurückgeführt, da unter anderem
der Anteil an Rauchern unter den Polizisten deutlich niedriger als in
der Allgemeinbevölkerung ist. Ein erhöhtes Risiko fand die Studie für
bösartige Neubildungen der Prostata (SIR: 1,16; 90 CI: 0,93-1,43), für
Hodenkrebs (SIR: 1,3; 90 CI- 0 89-1 84) und für Melanome (SIR: 1,45; 90
CI: 1,10-1.88).
Problematisch ist, dass nicht alle Polizeistationen an der Studie teilnahmen.
Aufgrund dieser Selbstselektion kann eine Verzerrung der Ergebnisse nicht
ausgeschlossen werden. Zudem war zum Zeitpunkt der Publikation nicht bekannt,
wie viele der Polizisten die Radargeräte nie gelegentlich oder häufig
benutzt haben.
Da das Krebsregister von Ontario mehrere Neubildungen beim selben Individuum
registriert, wurden Personen mit einer Krebserkrankung weiter beobachtet
mit der Annahme, für weitere Krebserkrankungen unter Risiko (at risk)
zu stehen. Dies macht einen Vergleich der Ergebnisse mit den Ergebnissen
anderer Inzidenzstudien unmöglich.
Von Robinette et al. (1980) wurde eine Studie
mit 40.890 Angehörigen der amerikanischen Marine durchgeführt, die während
der Zeit des Korea Krieges gedient hatten. Die Dauer des Follow-up lag
bei rund 20 Jahren (1950/54 - 1974).
Auf der Basis von Messungen, die die Marine auf Schiffen durchgeführt
hatte, wurden zur Bestimmung der Effekte einer Exposition mit Radar zwei
Subkohorten von jeweils rund 20.000 Personen aus jeweils drei Tätigkeitsgruppen
gebildet. Die Gruppen Elektrotechniker (Reparatur von Radareinheiten),
"Feuerkontroll-Techniker" und Elektrotechniker aus dem Bereich
Luftfahrt mit maximaler Exposition, sowie Funker, das Bedienungspersonal
von Radaranlagen und Bord-Elektriker aus der Luftfahrt mit potenziell
minimaler Exposition.
Die potenzielle Exposition wurde über die Zugehörigkeit zu den oben genannten
Berufsgruppen und mit so genannten "hazard numbers" geschätzt.
Diese "hazard number" definiert sich aus der Summe aller Werte
(power ratings) der an Bord eines Schiffes befindlichen Radaranlagen multipliziert
mit der Zahl der Dienstmonate auf diesem Schiff. Ein Vergleich innerhalb
der potenziell hochexponierten Gruppe nach den "hazard numbers"
zeigt einen signifikanten Unterschied bei den bösartigen Neubildungen
der Atemwege mit einer Mortalitätsratio von 2.2 (10 Fälle).
Ein Vergleich mit externen Daten (Todesursachen) wurde nicht durchgeführt,
daher wurden für die Berechnung der Mortalitäts-Ratios die in der Gesamtkohorte
aufgetretenen Ereignisse als Referenz verwendet. Die Ergebnisse zeigen
keine nachteiligen Effekte für die hoch exponierte Gruppe: Bei den bösartigen
Neubildungen (insgesamt 202 Fälle) ergibt sich für die Gruppe mit geringer
Exposition ein Mortalitäts-Ratio (MR) .von 1,04 und für die Hochexponierten
ein MR von 0,96.
Die Bestimmung der Exposition blieb auf den Zeitraum 1950-1954 beschränkt.
Es ist daher nicht bekannt, inwieweit die Mitglieder der Kohorte nach
1954 im militärischen oder im zivilen Bereich mit emittierenden Quellen
in Berührung kamen. Es handelt sich hierbei nur um eine kurzfristige Exposition
gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Feldern.
Die Ergebnisse eines verlängerten Follow-up (1950/54 - 1997) der Kohorte
von Marineangehörigen wurden von [Groves et al. 2002] publiziert. Im Gegensatz
zur Veröffentlichung von Robinette wurden in dieser Arbeit mögliche Confounder
und Effektmodifikatoren berücksichtigt. Zusätzlich wurden die Mortalitätsdaten
mit externen Daten verglichen.
Für die meisten Erkrankungen wurden in der Subkohorte der hoch exponierten
niedrigere Mortalitätsraten gefunden als in der potenziell gering exponierten
Subkohorte, mit Ausnahme von signifikant höheren Raten bei den Leukämien
(RR 1,48, 95 CI 1,01-2,17) und in der Untergruppe der nicht lymphatischen
Leukämien (RR 1,82, 95 CI 1,05-3,14).
Die standardisierten Mortalitätsratios (externer Vergleich) zeigten statistisch
signifikant niedrigere SMRs oder SMRs nahe l für das potenziell hoch exponierte
Stratum.
Informationen zur Exposition mit Mikrowellen nach der Zeit des Korea-Krieges
(1950-1954) waren nicht verfügbar. Ebenso wenig lagen Informationen über
weitere Expositionen (z.B. chemische Stoffe) vor.
Militärangehörige (Polen)
In einer polnischen Studie wurden alle bei den Angehörigen der Armee zwischen
1971 und 1985 aufgetretenen Krebserkrankungen registriert [Szmigielski
1996]. Von den im Durchschnitt 128.000 Personen waren jedes Jahr rund
3.700 mit hochfrequenten Strahlungen bzw. Mikrowellen exponiert. Daten
zur Exposition an Arbeitsplätzen mit emittierenden Equipments wurden vom
Militär zur Verfügung gestellt. Es war jedoch nicht möglich, die individuelle
Exposition der dort eingesetzten Personen zu bestimmen.
Die Analysen beschränken sich auf kohorteninterne Vergleiche der Hochexponierten
mit der Referenzgruppe. Bei der Kalkulation der OERs (observed/expected
ratio) wurde die Subkohorte der nicht exponierten Personen als Referenz
genutzt. Das OER entspricht damit dem Odds ratio. Erhöhte Morbiditäts-Risiken
wurden gefunden für alle bösartigen Neubildungen (OER: 2,07; 95 CI: 1,12-3.58),
darunter für colorektale Neubildungen (OER: 3,19; 95 CI: 1,54-6,18), Neubildungen
des Ösophagus und des Magens (OER: 3,24; 95 CI: 1.85-5,06), Neubildungen
der Nervensysteme und des Gehirns (OER: 1,91; 95 CI: 1,08-3,47) sowie
Neubildungen des lymphatischen und blutbildenden Gewebes (OER: 6,31; 95
CI: 3,12-14,32).
Die Ergebnisse dieser Studie sollten mit Vorsicht interpretiert werden,
da die Studienpopulation sich von Jahr zu Jahr änderte, die genaue Altersverteilung
in den beiden Subkohorten nicht bekannt war und vor allem, weil für Personen,
die an Krebs erkrankten, zusätzliche Informationsquellen zur Auffindung
einer möglichen Exposition mit Hochfrequenz/Mikrowellen genutzt wurden
und somit eine grundlegende methodische Voraussetzung der Durchführung
von Kohortenstudien verletzt wurde.
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