Die Interphone-Studie

 

Mobilfunk und Hirntumor-Risiko:
Erste Gesamtergebnisse der INTERPHONE-Studie

Am 17. Mai 2010 veröffentlichte die INTERPHONE-Studiengruppe die Gesamtauswertung zu zwei von vier Tumorarten, die im Rahmen der größten bislang durchgeführten Fall-Kontroll-Studie zum Hirntumor- Risiko durch die Nutzung von Mobiltelefonen untersucht wurden. Die Bevölkerungsuntersuchung wurde im Jahr 2000 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiiert und unter Koordination der zur WHO gehörenden „International Agency for Research on Cancer“ (IARC) durchgeführt. Viele Einzelergebnisse aus den 13 beteiligten Ländern wurden bereits in den vergangenen Jahren publiziert, die Gesamtergebnisse zu den zwei weiteren untersuchten Tumorarten sollen noch folgen. In der Interviewbasierten Studie befragten die 20 beteiligten Arbeitsgruppen 6420 Personen mit Krebserkrankungen (Diagnose zwischen 2000 und 2004) und 7658 Kontrollpersonen ohne solche Erkrankungen (Alter aller Teilnehmer zwischen 30 und 59 Jahre) rückblickend zu ihren Mobiltelfoniergewohnheiten und analysierten die Daten hinsichtlich eines möglichen Zusammenhangs zwischen Telefonbenutzung und Erkrankung. Dabei wurden die vier Tumorarten Gliom (gut- oder bösartiger Hirngewebstumor), Meningeom (meist gutartiger Hirnhauttumor), Akustikusneurinom (gutartiger Hörnervtumor) sowie der überwiegend gutartige Ohrspeicheldrüsenkrebs in die Untersuchung einbezogen. Der erfassbare Zeitraum, in dem die Studienteilnehmer rückblickend bereits Mobiltelefone nutzten (= individueller Beobachtungszeitraum), betrug für das hier untersuchte Personenkollektiv mit wenigen Ausnahmen maximal 12 Jahre. Die nun veröffentlichte Gesamtauswertung zu Gliomen und Meningeomen (zusammen 5117 Erkrankungsfälle) zeigt aus Sicht der Autoren:

  • Ein reduziertes Erkrankungsrisiko für Teilnehmer die insgesamt häufiger telefoniert hatten (Anrufzahl pro Beobachtungszeitraum) und für Langzeitnutzer, die mehr als zehn Jahre lang regelmäßig mobil telefoniert hatten. Die Autoren interpretieren dieses statistische Ergebnis mit methodischen Unzulänglichkeiten der Studie und halten einen protektiven („schützenden“) Effekt durch das Mobiltelefonieren für unwahrscheinlich..
  • Bei der Nutzungsintensität (aufsummierte Gesprächszeit) zeigen nur die Zahlen für die obersten zehn Prozent der Teilnehmer, die am intensivsten telefonierten (Gesamtgesprächsdauer im Beobachtungszeitraum: 1.640 Stunden oder mehr) ein erhöhtes Risiko (statistisch signifikant nur für Gliome). Hier wirkten nach Angabe der Autoren aber einige unplausible Angaben von Befragten (z.B. 12 Stunden Mobiltelefonieren pro Tag) verfälschend auf die Zahlen, so dass man hieraus keinen kausalen Zusammenhang interpretieren konnte. Auch wurde kein allgemeiner Zusammenhang zwischen stärkerer Telefonnutzung und höherem Tumorrisiko festgestellt, d.h. kein Dosis-Wirkungs-Verlauf.
  • Im Vergleich war das Gliom-Risiko bei Patienten, die das Mobiltelefon regelmäßig an der Kopfseite mit dem Tumor benutzten tendenziell höher als bei Patienten, die auf der gegenüberliegenden Seite telefonierten. Hier halten es die Autoren für möglich, dass die Daten durch fehlerhafte Erinnerung der Befragten bzw. durch deren Erwartungshaltung verfälscht wurden.

Zusammenfassend leiten die Autoren aus den Gesamtergebnissen bis hierhin kein erhöhtes Tumorrisiko durch den Gebrauch von Mobiltelefonen ab. Die Hinweise auf Effekte bei langfristiger sehr starker Nutzung erforderten aber weitere Untersuchungen. Die vorliegende Studie könne methodenbedingt keine Aussage über Langzeiteffekte für mehr als 12 Jahre machen und ebenso nicht über eventuelle Risiken für Kinder und Jugendliche.
 

Finanzierung

Bislang wurde die INTERPHONE-Studie mit etwa 19,2 Mio. Euro gefördert. An der Mischfinanzierung war die Mobilfunkindustrie mit knapp 6 Mio. Euro zu etwa 29% beteiligt, allerdings nicht durch Direktzuwendung, um die Unabhängigkeit der Forschung sicherzustellen. Knapp 10 Mio. Euro wurden von nichtindustriellen nationalen und lokalen Förderquellen in den Teilnehmenden Ländern bereitgestellt, weitere knapp 4 Mio. Euro von der Europäischen Kommission im Rahmen des 5. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Gemeinschaft (FP5).
 

Kommentare und kritische Bemerkungen

Einige Unzulänglichkeiten wurden von der Studiengruppe selbst eingeräumt: So ist in Fachkreisen bekannt, dass in einer Fall-Kontroll-Studie die Telefon-Nutzungsdaten, die durch mündliche Befragung im Rückblick erhobenen werden müssen, zwangsläufig mit relativ großen Unsicherheiten in Bezug auf die länger zurückliegende Nutzung behaftet sind. Dies führt unausweichlich zu Datenverzerrungen durch Erinnerungsfehler („recall bias“). Andere Studientypen, die dies vermeiden, sind noch aufwändiger und teurer. Zweitens konnte die rasante Steigerung der Intensität der Mobiltelefonnutzung in den letzten Jahren vor allem bei jungen Menschen in der im Jahr 2000 konzipierten Studie noch nicht ausreichend berücksichtigt werden. So sind einige damals angenommene Voraussetzungen, z.B. die Definition von „starker Nutzung“, heute nicht mehr aktuell. In der Publikation werden noch einige andere Fehlermöglichkeiten diskutiert.
In Reaktionen auf die Veröffentlichung wurden aus mobilfunkkritischen Kreisen zusätzliche Kritikpunkte vorgebracht. Hierzu zählen vor allem die folgenden:

  • Die Nutzung schnurloser DECT-Telefone, die ebenfalls einen Einfluss haben könnte, sei in der Studie unberücksichtigt geblieben.
  • Hirntumore entstünden bei anderen schädlichen Einwirkungen erst 15 bis 30 Jahre nach der Einwirkung. Mit meist unter 12 Jahren Beobachtungszeitraum hätte die Studie somit gar keine Langzeitwirkungen nachweisen können.
  • Nutzer, die jünger als 30 Jahre waren, seien in der Studie nicht berücksichtigt worden.
  • Die Verzerrung der Daten durch Erinnerungsfehler der Befragten könne auch anders als die Studiengruppe es darstellt interpretiert werden.

Kritiker interpretieren die Ergebnisse der Publikation eher so, dass die Daten klar auf ein erhöhtes Langzeitnutzer-Risiko hindeuten und heben entsprechende Einzelhinweise aus der Studie hervor. In ihren Kommentaren sehen dagegen das deutsche Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), wie auch andere internationale Gremien und Behörden (z.B. ICNIRP, ARPANSA, NCI des NIH), aufgrund der Studienergebnisse keinen Grund, von den derzeit geltenden Grenzwerten und den bisherigen Bewertungen zu möglichen gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks abzuweichen. Das BfS bleibt bei seinen Vorsorgeempfehlungen zum Gebrauch mobiler Kommunikationsgeräte, das BMU beauftragte die Strahlenschutzkommission (SSK) mit der Bewertung der vorgelegten INTERPHONE-Ergebnisse.
 

Weitere Forschung

Neben der angekündigten Veröffentlichung weiterer Gesamtauswertungen zu den zwei anderen betrachteten Tumorarten sind mittlerweile drei weitere epidemiologische Verbundstudien, teilweise gemischt mit Laboruntersuchungen, angelaufen.

  1. In der internationalen Fall-Kontroll-Studie MOBI-KIDS, die im 7. Rahmenprogramm der Europäischen Kommission gefördert wird, werden in 13 Ländern (u.a. Deutschland) fünf Jahre lang die Auswirkungen von Kommunikationstechnologie (u.a. Mobilfunk) und Umweltfaktoren auf die Entstehung von Hirntumoren in jungen Menschen im Alter zwischen 10 und 24 Jahren untersucht.
  2. Mit höchster international zugewiesener Priorität verfolgt die Langzeit-Kohortenstudie COSMOS in fünf europäischen Ländern (ohne Beteiligung Deutschlands) mögliche Langzeitwirkungen des Handygebrauchs an mindestens 200.000 Mobilfunknutzern im Alter über 18 Jahre. Über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren werden verschiedene Gesundheitsparameter der Teilnehmer im Zusammenhang mit genauen Daten über Häufigkeit und Dauer des Telefonierens erfasst.
  3. In der Verbundstudie MoRPhEUS, die an verschiedenen Forschungszentren in Australien stattfindet, wird eine Kohorte von Kindern ab ihrem 7. Lebensjahr über zunächst drei Jahre im Hinblick darauf verfolgt, ob der Gebrauch von Handys ihre Hirnfunktion, den Blutdruck oder das Hörvermögen
    beeinflusst.

Quelle: EMF Brief des WIK, Ausgabe 8/2010 vom 25.05.2010

Aus dem EMF Brief des WIK, Ausgabe34-2011 vom 03.02.2011:

Leitartikel von Elisabeth Cardis und Siegal Sadetzki über Hinweise auf ein Hirntumorrisiko in Mobilfunkstudien


Die beiden Wissenschaftlerinnen vom spanischen „Forschungszentrum für Umweltepidemiologie“ (CREAL) und von der israelischen Universität in Tel-Aviv ziehen in dem Artikel ihre Schlüsse aus dem im Jahr 2010 größtenteils veröffentlichten Gesamtergebnis der epidemiologischen Verbundstudie INTERPHONE (siehe EMF-Brief 8/2010 v. 25.05.2010) und betrachten dieses Ergebnis in ihrer übergreifenden Bewertung im Kontext der Interpretation durch andere Gruppen (die vom Gefahrenbeweis bis zur Entwarnung reicht) sowie im Kontext anderer epidemiologischer EMF-Einzelstudien zum Hirntumorrisiko. Cardis war als Gesamtstudienleiterin maßgeblich an der Durchführung der INTERPHONE-Studie beteiligt, Sadetzki leitete die israelische Teilstudie. Die Wissenschaftlerinnen befassen sich insbesondere mit der zeitlichen Planung der Studie, den relevanten Expositionsvariablen sowie mit dem Einfluss der methodischen Beschränkungen und deren Auswirkungen auf das Ergebnis.

Ihre Kernaussagen sind:

  • Während in mehreren anderen Studien Hinweise auf ein erhöhtes Hirntumorrisiko bei Langzeitnutzern gefunden wurde, hat die INTERPHONE-Hauptanalyse keine solchen Erhöhungen aufgezeigt. In einer Subanalyse in Annex 2 der Publikation, bei der Kurzzeitnutzer anstatt von Nichtnutzern als Referenzkategorie betrachtet wurden, ergab sich jedoch ein erhöhtes Risiko unter Langzeitnutzern, was auf einen „Trend zu höherem Risiko mit steigender Zeit seit dem Beginn der Nutzung hinweist“.
  • Die Analyse der Nutzungsintensität (Anzahl und Dauer der Mobiltelefonate) ist wesentlich für eine Einschätzung des Risikos. Bei INTERPHONE lag die Gruppe mit der höchsten über 10 Jahre auf-summierten Sprechzeit mit umgerechnet 27 Minuten pro Tag im Vergleich zu heute noch relativ niedrig. Beobachtungen in der am höchsten exponierten Gruppe sind trotzdem besonders wichtig, weil diese Gruppe eine „Wächterfunktion“ hat und so auf Effekte hindeuten kann, die in Studien mit noch höheren und relevanteren Expositionsmustern gefunden werden könnten. Bei INTERPHONE wurde bei der aufsummierten Sprechzeit in der am höchsten exponierten Gruppe (oberstes Zehntel) ein um 40% erhöhtes Risiko für Gliome (gut- oder bösartige Hirngewebstumore) festgestellt.
  • Die Hirntumore unabhängig von der Gehirnseite auszuwerten, in der sie auftraten, kann das eingeschätzte Risiko „verwässern“. Wichtig sind daher die in mehreren Studien bei starken Nutzern ge-machten Befunde eines erhöhten Gliom-Risikos nur für die Seite des Kopfes, an die das Telefon in der Regel gehalten wurde (bei INTERPHONE im Temporallappen des Gehirns auf der betreffenden Seite, wo die meiste Energie aus dem Telefon absorbiert wird). „Dies sind die Ergebnisse, die man erwarten würde, wenn es ein Risiko geben würde, weil dies die von vornherein relevanten Expositi-onsvariablen sind“, so die Autoren.
  • Fehlerhafte Erinnerung an die Kopfseite, an die in der Regel das Telefon gehalten wurde (besonders durch eine Erwartungshaltung bei Tumorpatienten; „Recall bias“) und höhere Umfrage-Nichtbeteiligungsraten bei der Kontrollgruppe im Vergleich zur Fallgruppe („Selection bias“) sind die Haupt-Störeinflüsse bei INTERPHONE und ähnlichen Studien. Es gibt Argumente für und gegen eine Unterschätzung des Risikos durch solche Störeinflüsse. Wirkliche Effekte und scheinbare Effekte durch Störeinfluss vermischen sich.

Die Wissenschaftlerinnen kommen zu dem Schluss:

„Es ist nicht möglich, die Größe und Richtung der verschiedenen möglichen Störeinflüsse auf die Studienresultate einzuschätzen und den Nettoeffekt abzuschätzen, den Mobiltelefone auf das Hirntumorrisiko haben. Die Gesamtbilanz der genannten Argumente legt jedoch die Existenz eines möglichen Zusammenhangs nahe. Während weitere Studien nötig sind, um diese Resultate zu bestätigen oder zu widerlegen, geben die Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Langzeit- und starke Nutzer aus INTERPHONE und anderen Studien Anlass zur Sorge“ („…are of concern“). Cardis und Sadetzki empfehlen vor allem für junge Menschen einfa-che Vorsichtsmaßnahmen, wie die Verwendung von SMS-Nachrichten, Freisprechzubehör und Lautspr-chermodus, bis definitive wissenschaftliche Antworten vorliegen.

Bibliogafie: Cardis and Sadetzki, Occup Environ Med, published online January 24, 2011, Abstract der Studie

Quelle: EMF Brief des WIK, Ausgabe34-2011 vom 03.02.2011
 

  Interphone-Homepage der IARC
Von dieser Seite aus kann man auch den im Oktober 2011 erstellten Abschlussbericht herunterladen.
Kompletter Text der Studie im International Journal of Epidemiology (pdf, 178 KB)
Stellungnahme des BfS
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR
Diskussion um die gegensätzlichen Ergebnisse in INTERPHONE-Nachuntersuchungen
EMF Brief 51 vom 20. Juli 2011

Eine Zusammenfassung und Bewertung inklusive Akustikus-Neurinomen mit Stand vom April 2008 gibt es von der Forschungsstiftung Mobilkommunikation (Schweiz):

Kurzkommentar zur Interphone-Studie (pdf, 277 KB)

 

 

Mehr Information:
International Agency for Research on Cancer (IARC)
The INTERPHONE study: design, epidemiological methods, and description of the study population
Handy’s und Hirntumoren: Methoden, Ergebnisse und Probleme der INTERPHONE Studie
Ein Vortrag von Prof. Maria Blettner von der Universität Mainz vom Nov. 2007 (pdf, 1.45 MB)
"frequentia" - Ausgabe 10 zur INTERPHONE-Studie

Nachfolgend werden die Ergebnisse der bisher veröffentlichten einzelnen Studien vorgestellt, anschließend noch einige Begleitstudien sowie eine Auswahl von kritischen Abhandlungen dazu:
 

Gepoolte Studie aus 5 nordeuropäischen Ländern findet kein erhöhtes Risiko für Meningiome durch Mobiltelefonnutzung

Lahkola A, Salminen T, Raitanen J, Heinavaara S, Schoemaker M, Christensen HC, Feychting M, Johansen C, Klaeboe L, Lonn S, Swerdlow A, Tynes T, Auvinen A: Meningioma and mobile phone use--a collaborative case-control study in five North European countries, Int J Epidemiol 2008: in press
Abstract
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR
 

 

Japanische Studie findet keine signifikanten Risikoerhöhungen durch Mobiltelefonnutzung

Nach der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse zu Akustikusneurinomen im August 2006 legte die japanische Studiengruppe im Februar 2008 auch ihre Untersuchung zu Hirntumoren wie Gliomen und Meningeomen vor. Es konnten keine signifikanten Risikoerhöhungen durch Mobiltelefonnutzung gefunden werden.
Takebayashi T, Varsier N, Kikuchi Y, Wake K, Taki M, Watanabe S, Akiba S, Yamaguchi N: Mobile phone use, exposure to radiofrequency electromagnetic field, and brain tumour: a case-control study, Br J Cancer 2008; 98 (3): 652 - 659
Abstract und Link zum kompletten Text der Studie
Zusammenfassung bei ELMAR

Medienecho:
Reuters vom 05.02.08
 

Israelische Interphone-Studie zeigt Hinweis auf Dosis-Wirkungszusammenhang bei Ohrspeicheldrüsentumoren

Siegal Sadetzki, Angela Chetrit, Avital Jarus-Hakak, Elisabeth Cardis, Yonit Deutch, Shay Duvdevani, Ahuva Zultan, Ilya Novikov, Laurence Freedman, and Michael Wolf: Cellular Phone Use and Risk of Benign and Malignant Parotid Gland Tumors—A Nationwide Case-Control Study, American Journal of Epidemiology Advance Access published on December 6, 2007.
Abstract
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR

 
 

Interphone-Ergebnis aus Frankreich: Keine Risikoerhöhung für Kurzzeitnutzer von Mobiltelefonen, Langzeitnutzung ist untersuchungsbedürftig (September 2007)

Hours M, Bernard M, Montestrucq L, Arslan M, Bergeret A, Deltour I, Cardis E.: Téléphone mobile, risque de tumeurs cérébrales et du nerf vestibuloacoustique: l’étude cas-témoins INTERPHONE en France [Cell phones and risk of brain and acoustic nerve tumours: the French INTERPHONE case-control study], Rev Epidemiol Sante Publique. 2007 Oct;55(5):321-32. Epub 2007 Sep 11.
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR

 
   

Norwegisches Krebsregister zeigt keine Zunahme von Hirntumoren durch Mobiltelefonnutzung (Februar 2007)

Klaeboe L, Blaasaas KG, Tynes T.: Use of mobile phones in Norway and risk of intracranial tumours, Eur J Cancer Prev. 2007 Apr;16(2):158-64.
Abstract

 
  

Mobiltelefon-Nutzung und Gliom-Risiko in 5 nordeuropäischen Ländern (Januar 2007)

Für diese Studie haben die Länder Großbritannien, Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen gemeinsam ihre Resultate zu einem möglichen Zusammenhang von Handynutzung und Gliomen, einer bösartigen Hirntumorart, zusammengefasst. Dabei konnte kein Nachweis eines erhöhten Risikos auch bei Langzeitnutzung gefunden, jedoch eine Häufung auf derselben Seite wo nach Angaben der Teilnehmer gewöhnlich das Mobiltelefon verwendet wurde.
Mehr Information im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR

 

Medienecho:
Spiegel Online vom 31.01.07
  

Japanische Studie: Kein Zusammenhang von Akustikusneurinomen und Mobiltelefonnutzung (August 2006)

Japanische Forscher konnten bei ihren Untersuchungen mit Mobiltelefonnutzern mit einer bis zu fünfjährigen Nutzungsdauer keinen signifikanten Zusammenhang bei Akustikusneurinomen finden.
Takebayashi T, Akiba S, Kikuchi Y, Taki M, Wake K, Watanabe S, Yamaguchi N.: Mobile phone use and acoustic neuroma risk in Japan, Occup Environ Med. 2006 Aug 15; [Epub ahead of print]
Abstract

 

 

Deutsche Studie: Kein erhöhtes Hirntumor-Risiko bei Nutzung von Mobil- und Schnurlostelefonen (Januar 2006)

Bei diese Beitrag zum Interphone-Projekt wurde bei Nutzern von Handys und Schnurlostelefonen insgesamt kein erhöhtes Risiko beobachtet, an einem Hirntumor (Gliom oder Meningeom) zu erkranken. Für Personen, die seit zehn Jahren Handys nutzen, wurde ein leicht erhöhtes Risiko für Gliome gefunden. Nach Aussage der Autoren kann dieser Befund jedoch erst nach Abschluss der internationalen Auswertung bewertet werden, da er aufgrund der kleinen Fallzahl auch ein Zufallsbefund sein könnte.
Joachim Schüz, Eva Böhler, Gabriele Berg, Brigitte Schlehofer, Iris Hettinger, Klaus Schlaefer, Jürgen Wahrendorf, Katharina Kunna-Grass, Maria Blettner: Cellular Phones, Cordless Phones, and the Risks of Glioma and Meningioma (Interphone Study Group, Germany), Am J Epidemiol. 2006 Jan 27; [Epub ahead of print]
Abstract
Pressemitteilung der Universität Bielefeld

Bei einer weiteren Auswertung des Datenmaterials widmete man sich im Frequenzbereich von 30 - 2450 MHz beruflich exponierten Personen, bei denen die Möglichkeit der Überschreitung des Basisgrenzwertes für die Öffentlichkeit (SAR= 0,08 W/kg) bestand. Dabei wurde festgestellt, dass sich bei ihnen ein leicht erhöhtes Risiko für Gliome (OR 1.21) und Meningiome (OR 1.34) zeigte
Berg G, Spallek J, Schuz J, Schlehofer B, Bohler E, Schlaefer K, Hettinger I, Kunna-Grass K, Wahrendorf J, Blettner M.: Occupational Exposure to Radio Frequency/Microwave Radiation and the Risk of Brain Tumors: Interphone Study Group, Germany, Am J Epidemiol. 2006 Jul 27; [Epub ahead of print]
Abstract

 

Medienecho:
Heise Newsticker vom 26.01.06
 

Britische Studie: Keine Gliome durch Handynutzung (Januar 2006)

Für diese Studie verglichen britische Wissenschafter 966 in verschiedenen Regionen von Großbritannien lebende Tumorpatienten mit 1.716 gesunden Kontrollpersonen. Dabei wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Risiko an einem Gliom zu erkranken und der Mobiltelefonnutzung gefunden, auch nicht bei der im Vergleich zu früheren Untersuchungen großen Gruppe mit einer Langzeitnutzung von mehr als 10 Jahren.
Sarah J Hepworth, Minouk J Schoemaker, Kenneth R Muir, Anthony J Swerdlow, Martie J A van Tongeren, Patricia A McKinney: Mobile phone use and risk of glioma in adults: case-control study, British Medical Journal, Online-Vorabveröffentlichung, doi 10.1136/bmj.38720.687975.55
Abstract mit Link zur Komplettversion

 

Medienecho:
Wissenschaft.de vom 20.01.06
Pressetext.de vom 20.01.06
New Scientist vom 20.01.06
  

Zusammenfassung aus fünf Ländern: Kein Akustikus-Neurinom durch Mobiltelefonnutzung (August 2005)

In einer Zusammenfassung der Ergebnisse von sechs Fall-Kontroll-Studien aus vier nordeuropäischen Ländern und in Großbritannien zeigt sich nach Aussage der Autoren, dass sich in der ersten Dekade nach der Einführung von Mobiltelefonen kein wesentliches Risiko an einem Akustikusneurinom zu erkranken, ergab. Allerdings wird ein erhöhtes Risiko nach längerer Nutzung oder nach einer längeren zeitlichen Verzögerung nicht ausgeschlossen.
M J Schoemaker, A J Swerdlow, and others: Mobile phone use and risk of acoustic neuroma: results of the Interphone case-control study in five North European countries, British Journal of Cancer advance online publication 30 August 2005
Abstract
Fünf Länder veröffentlichen gemeinsam Teilergebnis der WHO-Interphone-Studie ( IZMF vom 01.09.05)

 

Medienecho:
Netzzeitung vom 02.09.05
  

Dänische Studie zeigt keine Gefahr von Gehirntumoren durch Handynutzung (April 2005)

In der vierten Veröffentlichung aus dem Projekt haben dänische Forscher beim Vergleich von 252 Gliom- und 175 Meningiom-Kranken mit 822 gesunden Personen keine Gefahr des Auftretens von Gehirntumoren durch Mobiltelefonnutzung feststellen können. In der Studie wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass nur wenige Fälle mit einer Mobilfunknutzung von mehr als 10 Jahren untersucht werden konnten und daher noch weitere Betrachtungen notwendig sind.
Christensen HC, Schüz J, Kosteljanetz M, Skovgaard Poulsen H, Boice JD Jr., McLaughlin JK, Johansen C. 2005. Cellular telephones and risk for brain tumors. A population-based, incident case-control study. Neurology 64:1189-1195.
Abstract

 

  

Kein Gehirntumor durch langjährige Mobilfunknutzung (März 2005)

Bei dieser Studie untersuchten Forscher des schwedischen Karolinska-Instituts im Vergleich von 644 Patienten mit Hirntumoren mit 674 Kontrollen, ob eine Mobilfunknutzung im Zusammenhang mit dieser Krankheit steht. Als Ergebnis konnten sie einen solchen auch nicht bei langjähriger Handynutzung finden. Die Ergebnisse dieser Studie wurden auch bereits im November 2004 als Doktorarbeit vorgestellt.
Stefan Lönn, Anders Ahlbom, Per Hall, Maria Feychting and the Swedish Interphone Study Group: Long-Term Mobile Phone Use and Brain Tumor Risk, American Journal of Epidemiology 2005 161(6):526-535; doi:10.1093/aje/kwi091
Abstract

 
  

Langjährige Handynutzung erhöht Risiko der Geschwulstbildung am Hörnerv (Oktober 2004)

Diese Untersuchung basiert auf der Auswertung von Daten von 148 Personen aus mehreren Regionen Schwedens, bei denen zwischen 1999 und 2002 ein Akustikus-Neurinom diagnostiziert wurde und 604 gesunden Vergleichspersonen.
Ein kürzere Nutzungsdauer schien dabei kein erhöhtes Risiko einer Erkrankung zu ergeben, auch nicht in Abhängigkeit von Anzahl und Dauer der Mobiltelefonate. Erst bei einer Nutzungsdauer von über 10 Jahren schien das Risiko auf das 1,9-fache anzusteigen, auf der Seite mit welcher bevorzugt telefoniert wurde, sogar auf das 3,9-fache.
Solche langen Nutzungzeiten sind allerdings nur unter Einbeziehung der früher verwendeten analogen Mobiltelefone möglich, die mit höheren gemittelten Sendeleistungen als die danach eingeführten, heutigen digitalen Mobiltelefone nach dem GSM-Standard arbeiteten. Deshalb betonen die Forscher auch, dass die gefundenen Ergebnisse nicht direkt auf die heutige Mobilfunktechnik zu übertragen sind.
Weiterhin wurden auch eventuelle Einflüsse der Nutzung von schnurlosen Telefonen nach dem DECT--Standard untersucht, es wurden dabei keine gefunden (relatives Risiko von 0.7 (0.4–1.2)).
Lönn S, Ahlbom A, Hall P, Feychting M. 2004. Mobile phone use and the risk of acoustic neuroma. Epidemiology 15(6): 653-9.
Abstract

 

Medienecho:
Vista Verde
Informationszentrum Mobilfunk
  

Kein Zusammenhang zwischen Handynutzung und Hirntumoren erkennbar (Januar 2004)

Diese erste dänische Studie fand bei dem Vergleich von 106 an einem gutartigen Tumor des Hör- und Gleichgewichtsnervs (Acoustic neuroma) erkrankten Personen mit 212 Kontrollpersonen keinen Zusammenhang mit der Langzeitnutzung von Mobiltelefonen (10 Jahre und mehr) und der Häufigkeit der Krankheit. Es war auch keine Häufung von Tumoren auf der Kopfseite festzustellen, an der bevorzugt telefoniert wurde.
Bemerkenswerterweise waren die Tumore der erkrankten Handynutzer zwar deutlich größer, dabei jedoch wiederum nicht von der Dauer der Handynutzung abhängig. Dies wäre jedoch für einen klaren Zusammenhang nötig und veranlasste die Autoren wegen dessen Fehlens daher auch zu keinen weiteren Folgerungen.
Helle Collatz Christensen, Joachim Schüz, Michael Kosteljanetz, Hans Skovgaard Poulsen, Jens Thomsen and Christoffer Johansen: Cellular Telephone Use and Risk of Acoustic Neuroma, American Journal of Epidemiology, Feb. 2004; 159:277-283
Abstract
 

 

Medienecho:
New Scientist
 

Begleitstudien: Untersuchungen zur Zuverlässigkeit von Fragebögen zur Handynutzung

Für epidemiologische Untersuchungen zu gesundheitlichen Auswirkungen der Handynutzung werden an die Teilnehmer meist Fragebögen zur Anzahl und Dauer ihrer Handytelefonate ausgegeben. In verschiedenen Studien wurde dabei untersucht, ob die gemachten Angaben auch zuverlässig sind und für eine qualifizierte Auswertung verwendbar sind. Dazu wurden z. B. die Angaben mit den aufgezeichneten Daten des Netzbetreibers verglichen oder speziell modifizierte Handys verwendet.

  • Recall bias in the assessment of exposure to mobile phones
    Bei dieser Validierungsstudie wurde festgestellt, daß außer der Tendenz bei den erkrankten Personen, gegenüber der Kontrollgruppe ihre Mobiltelefonnutzung in der früheren Vergangenheit zu überschätzen, das Verhältnis zwischen angegebener Nutzung und den Daten der Mobilfunkanbieter bei den erkrankten Prersonen und Kontrollen ziemlich gleich war.
    Vrijheid M, Armstrong BK, Bedard D, Brown J, Deltour I, Iavarone I, Krewski D, Lagorio S, Moore S, Richardson L, Giles GG, McBride M, Parent ME, Siemiatycki J, Cardis E, J Expo Sci Environ Epidemiol.  2008 May 21;[Epub ahead of print].

    Abstract
     
  • The effects of recall errors and of selection bias in epidemiologic studies of mobile phone use and cancer risk
    Bei dieser Untersuchung wurde festgestellt, dass durch die Nichtteilnahme von angefragten Teilnehmern und Erinnerungsfehler von Teilnehmern eine Verzerrung der gefundenen Ergebnisse von epidemiologischen Untersuchungen erfolgen kann, welche zu einer Unterschätzung des tatsächlichen Risikos führen könnte.
    Vrijheid M, Deltour I, Krewski D, Sanchez M, Cardis E.: The effects of recall errors and of selection bias in epidemiologic studies of mobile phone use and cancer risk, J Expo Sci Environ Epidemiol. 2006 Jun 14; [Epub ahead of print]
    Abstract
     
  • Veröffentlichungen in der Fachzeitschrift Journal of Exposure Analysis and Environmental Epidemiology
     
    Insgesamt wurde dabei in der ersten Studie herausgefunden, dass die von den Nutzern gemachten Angaben zur Anzahl der geführten Gespräche relativ zuverlässig waren, die zur Dauer hingegen etwas weniger. Gemäß der zweiten Studie war die Zuverlässigkeit der Angaben zwar geringer, doch ein weiteres Augenmerk der Studie lag auf der zusätzlichen Betrachtung der jeweils benötigten Sendeleistung, welche von den modifizierten Handys aufgezeichnet wurde. Und dabei wurde festgestellt, dass es offensichtlich genügt, alleine die Anzahl und Dauer der Gespräche auszuwerten, da die kumulierte Sendeleistung wesentlich von dieser Faktoren abhängt (ausser bei der Handynutzung im Auto oder auf dem Land, wo eine höhere Sendeleistung benötigt wird).
     
    Eine britische Untersuchung war im Jahr 2003 durch den Vergleich der Angaben freiwilliger Teilnehmer mit den Daten des Netzbetreibers zu dem Ergebnis gekommen, dass in Wirklichkeit deutlich weniger Gespräche geführt worden waren als angegeben wurden. In der aktuellen Studie aus Bielefeld war die Situation jedoch genau umgekehrt.
     
 

Kritische Abhandlungen zur Interphone-Studie

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von weiteren kritischen Darstellungen von bekannten Mobilfunkkritikern bzw. mobilfunkkritischen Vereinigungen, die jedoch durchweg mit Fehlern und unfundierten Spekulationen sowie Unterstellungen versehen sind und einem an objektiver Information interessierten Leser nicht unkommentiert zugemutet werden können (mehr zu mobilfunkkritischen Organisationen).


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Zuletzt geändert: 22.08.11