Die Hirntumor-Studien von Hardell (1999 - 2006)

 
Der schwedische Krebsforscher Prof. Lennard Hardell führte in den letzten Jahren mehrere Fallkontrollstudien durch, wo er den Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mobiltelefonen und dem Riskio von Hirntumoren untersuchte. Bei einer Fallkontrollstudie wird in diesem Umfeld die Häufigkeit der Erkrankung bei Nutzern im Verhältnis zu jener bei Nichtnutzern (OR) untersucht.
Die Forschergruppe um L. Hardell beschäftigt sich seit langer Zeit mit Krebsforschung auf unterschiedlichsten Gebieten und gab in den letzten 20 Jahren über 100 entsprechende Warnungen heraus, darunter z.B. auch solche vor Süßstoffen und Bruststillung.

Nachfolgend werden seine Hirntumor-Studien zusammenfassend vorgestellt, einelne jeweils detailliertere deutschsprachige Zusammenfassungen sind von der Literaturdatenbank ELMAR des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel mittels der Autorsuche "Hardell" erhältlich.

 

Die Studie von 1999

Hier wurden von Hardell und seiner Gruppe insgesamt 270 Fälle von Erkrankungen betrachtet, das Gesamtresultat ergab unabhängig vom damals in Schweden benutzten Mobilfunksystem (NMT oder GSM) keine Erhöhung des relativen Risikos einer Hirntumorerkrankung, jedoch zeigte sich besonders beim analogen NMT-System ein schwacher Zusammenhang zwischen den Telefoniergewohnheiten (am rechten oder linken Ohr) und dem Auftreten des Tumors.

Dazu ein Auszug aus dem Gutachten "Epidemiologie Krebs" von Prof. Dr. Maria Blettner, Dr. Karl-Heinz Jöckel und Prof. Dr. Andreas Stang (Mai 2005):

Hardell et al., Fall-Kontroll-Studie Nr. 1

In dieser bevölkerungsbasierenden Fall-Kontroll-Studie wurden insgesamt 270 Patienten mit benignen und malignen Hirntumoren im Zeitraum 1994-1996 erfasst. Bei 37 Patienten verweigerte der behandelnde Arzt aufgrund des schlechten Zustandes der Patienten den Einschluss in die Studie, weitere 16 Patienten verweigerten selber die Teilnahme. Bei weiteren Qualitätssicherungsmaßnahmen wurden 8 weitere Fälle ausgeschlossen, da diese laut Pathologie-Bericht nicht geeignet waren. Somit verblieb ein Fallkollektiv von insgesamt 209 Fällen, von denen bei 196 Fällen ein Pathologie-Bericht verfügbar war. Zweidrittel der 196 Fälle hatten einen malignen Hirntumor und 1/3 einen benignen Hirntumor. Zu den interviewten Fällen wurden gematcht für Alter, Geschlecht und Region 439 Kontrollen interviewt, von denen 14 Kontrollen ausgeschlossen wurden, da die korrespondierenden Fälle (Qualitätssicherung: laut Pathologie-Bericht) nachträglich als nicht geeignet eingestuft wurden. Die Expositionen wurden über einen postalischen Fragebogen erfasst, wobei teilweise auch Telefoninterviews durchgeführt wurden, wenn die Fragebögen unleserlich oder widersprüchlich ausgefüllt wurden.
Insgesamt zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Mobiltelefongebrauch und Hirntumorrisiko (INT J ONCOL 1999: OR=0.98, 95%CI 0.69-1.41). Erst die seitengetrennten Analysen unter Berücksichtigung der genauen Lokalisation der Tumoren und der Händigkeit der Nutzer von Mobiltelefonen zeigten einen risikoerhöhenden Befund bei temporaler Lokalisation der Hirntumoren auf der rechten Seite bei Rechtshändern (INT J ONCOL 1999: OR=3.03, 95%CI 0.88-10.4). Ein solcher Befund im Zusammenhang mit dem Null-Befund für die Gesamtanalyse bedeutet mathematisch, dass der Mobilfunkgebrauch kontralateral einen risikovermindernden (präventiven) Effekt auf das Hirntumorerkrankungsrisiko haben müsste, was pathophysiologisch wenig plausibel erscheint (Rothman, Lancet 2000).

Dieses hier auszugsweise wiedergebene Gutachten entstand als Teil eines von der T-Mobil beauftragten Forschungsvorhabens der Programmgruppe Mensch Umwelt Technik (MUT) des Forschungszentrums Jülich, welches 25 Spitzenforscher aus Deutschland und der Schweiz zu einem Risikodialog über die Bewertung neuerer Forschungsergebnisse zusammenbrachte.
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Die Studie von 2002 und ihre Ableger

Bei der Nachfolgestudie Cellular and cordless telephones and the risk for brain tumours verglich Hardell 1429 Hirntumorpatienten mit 1470 Kontrollen und fand bei Nutzern von analogen Mobiltelefonen eine Erhöhung des Risikos der Entstehung gut- und bösartiger Gehirntumore um etwa 30% und bei einer Nutzungsdauer über 10 Jahren von knapp 80%. Bei bösartigen Tumoren allein war die Risikoerhöhung jedoch nicht signifikant. Wie schon bei der ersten Studie fand er auch hier eine Erhöhung des Tumorriskos auf der Seite des Kopfes, an welcher überwiegend telefoniert wurde. Das höchste Risiko fand er bei gutartigen Tumoren des Hör-/Gleichgewichtsnervs, welches auf das mehr wie Dreifache stieg.
Bei den Nutzern von digitalen Mobiltelefonen oder schnurlosen Telefonen fand er zwar keine signifikanten Erhöhungen des Tumorrisikos insgesamt, wohl aber wieder eine Häufung auf der Seite, an welcher telefoniert wurde.

In der Ausgabe 10/2002 der Zeitschrift International Journal of Radiation Biology veröffentliche Hardell eine weitere Abhandlung der gleichen Studie, diesmal mit dem Titel Case-control study on the use of cellular and cordless phones and the risk for malignant brain tumours. Darin legt er bei einer Untergruppe der untersuchten Personen den Schwerpunkt auf die Betrachtung bösartiger Hirntumore, die er bei der Nutzung analoger Mobiltelefone als signifikant erhöht bezeichnet.
Im Jahr 2003 erschien mit dem Beitrag Further aspects on cellular and cordless telephones and brain tumours im International Journal of Oncology noch einmal eine Darstellung mehr oder minder derselben Ergebnisse wie schon bei den ersten beiden Abhandlungen.

Im März 2005 folgte mit dem Beitrag Cellular and cordless telephone use and the association with brain tumors in different age groups eine nach Alter unterschiedene Auswertung der Studie von 2002, wobei er in der Altersklasse 20 - 29 Jahren das höchste Risiko erkannte.
Im Mai 2005 schliesslich gab Hardell noch eine weitere Auswertung seiner Studie von 2002 heraus, in welcher er unter dem Titel Use of cellular telephones and brain tumour risk in urban and rural areas feststellte, dass Handynutzer auf dem Land einem gegenüber der Stadt signifikant hörerem Hirntumorrisiko ausgesetzt sind. Mit dieser neuen Auswertung griff er die Ergebnisse einer anderen Untersuchung auf, welche bei Handynutzung auf dem Land aufgrund der bei GSM eingesetzten Leistungsregelung und den weiter entfernt stehenden Basisstationen eine im Mittel höhere Sendeleistung aufzeigte.
Allerdings beruhen die gemachten Feststellungen in beiden Auswertungen auf sehr geringen Fallzahlen, z. B. wurden für das vielfach in den Medien genannte "dreifache Risiko" auf dem Land lediglich 17 Fälle mit 6 Kontrollen verglichen, für die städtische Nutzung waren es unter sonst gleichen Bedingungen 49 Fälle bei 60 Kontrollen.

Zu diesen Veröffentlichungen wieder ein Auszug aus dem Gutachten "Epidemiologie Krebs" von Prof. Dr. Maria Blettner, Dr. Karl-Heinz Jöckel und Prof. Dr. Andreas Stang (Mai 2005, mehr zu diesem Gutachten siehe oben)

Hardell et al., Fall-Kontroll-Studie Nr. 2

Bei dieser bevölkerungsbasierenden Fall-Kontroll-Studie erfassten Hardell et al. alle neuerkrankten Hirntumorpatienten (maligne und benigne Tumoren) im Zeitraum 1997-2000 in den Regionen Uppsala Orebro, Linköping und Göteborg. Nach Protokoll wurden 1713 lebenden und 540 verstorbene Hirntumorfälle erfasst. Von den lebenden Fällen lehnten bei 35 Fällen die behandelnden Ärzte aufgrund des schlechten Zustands der Patienten den Einschluss in die Studie ab. Weiterhin lehnten 188 Patienten ihre Teilnahme ab. Außerdem wurden 2 Patienten wegen unbekannter Adresse und 59 Patienten aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht eingeschlossen.
Insgesamt verblieben damit 1429 interviewte Fälle im Auswertungskollektiv. Während Hardell et al. in EUR J CANCER PREV 2002 das Studienkollektiv mittels konditionaler logistischer Regression mit 1303 matched pairs auswertet, werten sie in INT J ONCOL 2003 diesen Datensatz mittels unkonditionaler logistischer Regression unter Adjustierung für die Matching-Faktoren aus. Hierbei kommt es zum Einschluss von 1429 Fallinterviews und 1470 Kontrollinterviews. Die Effektschätzer dieser beiden Publikationen weichen dennoch nur wenig voneinander ab. Die Expositionserhebung erfolgte wiederum mittels postalischer Versendung von Fragebögen und Nachbesserung der Fragebögen mit Hilfe von Telefoninterviews.

Im Unterschied zur Fall-Kontroll-Studie Nr. 1 zeigt sich bei Studie Nr. 2 ein leichtgradig erhöhtes Odds Ratio für die Gesamtanalyse von analogen Mobiltelefonen von OR=1.3 (95%CI 1.1-
2.9). Bei einer Annahme einer Tumorinduktionszeit von > 10 Jahren ergab sich eine OR von 1.8 (1.1-2.9). Für analoge Mobiltelefone bestand bei den Lateralitätsanalysen (temporale Tumoren, analoge Technik, Latenzzeit > 1 Jahr, ipsilateraler Mobiltelefongebrauch) eine OR von 2.5 (1.3-4.9). Das höchste OR wurde für Akustikusneurinome bei analoger Mobilfunktechnik beobachtet: OR=3.5 (1.8-6.8). Es zeigten sich auch erhöhte Odds Ratios für schnurlose Telefone, die allerdings aufgrund der kleinen Zahl Exponierter nur sehr unpräzise schätzbar waren.

Insgesamt zeigen sich keine erhöhten Odds Ratios für digitale Mobiltelefone, die allerdings auf sehr kleinen Zahlen beruhen. Erst die weiteren explorativen Analysen (nach Lokalisation bzw. Händigkeit) zeigen erhöhte Odds Ratios, die aber i.d.R. auf sehr kleinen Zahlen beruhen. Beispielsweise beträgt die Odds Ratio bei den Lateralitätsanalysen (temporale Tumoren, digitale Technik, Latenzzeit > 5 Jahre, Mobiltelefongebrauch) bei fünf exponierten Fällen und einer exponierten Kontrolle 5.0 (95%CI 0.6-42.8).

Die Studie besticht durch eine ungewöhnlich hohe Responseproportion bei den Kontrollen (91%), die bereits von schwedischen Epidemiologen in Zweifel gezogen wurde. Insgesamt werden in den Tabellen knapp 230 Odds Ratios mit 95% Konfidenzintervallen präsentiert. Bei der Analyse nach Tumorlokalisation finden sich höhere Risiken bei temporalen Hirntumoren, allerdings nur bei analoger Mobilfunktechnik.

In der Sonderauswertung zu Akustikusneurinomen (NEUROEPIDEMIOLOGY 2003) beschränkten Hardell et al. den Datensatz auf 159 befragte Akustikusneurinom-Fälle und 159 korrespondierende Kontrollen. Das Studien-Design ist in dieser Publikation nicht verständlich und wird nur klarer, wenn man die Originalarbeiten aus dem Jahre 2002 heranzieht. Hardell et al. finden erhöhte Odds Ratios bei Gebrauch von analogen und zum Teil auch bei digitalen und schnurlosen Mobiltelefonen auch ohne Berücksichtigung der Hirntumorlokalisation und Händigkeit der Nutzer. Die Analysen zu digitalen Mobiltelefonen und schnurlosen Telefonen beruhen auf sehr wenigen exponierten Personen und sind daher extrem unpräzise. Dosis-Wirkungsbeziehungen wurden nicht untersucht. Der Versuch von Hardell et al. empirische Induktions/Latenzzeiten zu ermitteln, ist störanfällig, da die maximale Induktions/Latenzzeit
für digitale Mobiltelefone durch die erst kürzliche Einführung nach sozusagen oben begrenzt ist. So zeigen sich in seinen Daten mediane Latenzzeiten von 8 Jahren für analoge Techniken und 3 Jahre für digitale Mobiltelefone.

Obwohl die Fall-Kontroll-Studie Nr. 2 in der Zwischenzeit die größte Datensammlung zur Untersuchung des Hirntumorrisikos bei der Nutzung von Mobilfunk darstellt, bestehen Zweifel an der Validität der Befunde bzw. Interpretationen. Diese Zweifel stammen unter anderem daher, dass die Responseproportion in der Bevölkerungskontrollgruppe mit 90% und mehr als unrealistisch erscheint. Weiterhin hat sich die Hardell-Gruppe insbesondere nach der ersten Fall-Kontroll-Studie als ,,immun" gegenüber Gegenargumenten erwiesen. Die erste Studie hatte für die Gesamtanalyse ein klares Null-Resultat erzielt. Nur die seitengetrennte Analyse ergab einen auffälligen Befund, der bedeutet, dass der Mobilfunkgebrauch kontralateral einen risikovermindernden (präventiven) Effekt auf das Hirntumorerkrankungsrisiko haben müsste, was pathophysiologisch wenig plausibel erscheint. Der unbegründete Wechsel des
statistischen Auswerte-Designs (konditionale logistische Regression mit 1:1 Matching, unkonditionale logistische Regression mit variabler Matching-Ratio), die unzähligen Subgruppen-Analysen und die methodisch teilweise zu knappen Darstellungen bewegen die Gutachter, die Studienergebnisse von Hardell et al. mit Vorsicht zu betrachten. Eine unabhängige Replikation der Ergebnisse, wie sie von der Interphone-Studie kommen könnten, bleibt abzuwarten.
 

Hardell et al., Fall-Kontroll-Studie Nr. 3 (Prävalente Fälle)

Scheinbar als Abfallprodukt haben Hardell et al. während der Feldphase der Fall- Kontroll-Studie Nr. 2 im Zeitraum 1997-2000 parallel auch prävalente, lebende Hirntumorfälle derselben Studienregion in einer weiteren Fall-Kontroll-Studie mit wohl vergleichbarer Expositionserhebung erfasst (INT J RADIAT BIOL 2002). In wieweit für dieses Kollektiv unabhängige Kontrollen gewonnen wurden, wird in der Publikation nicht explizit angesprochen. Die Analysen beziehen sich auf 649 prävalente Hirntumorfälle und 1:1 gematchte Bevölkerungskontrollen.

Zu der Zusammensetzung der Hirntumoren in diesem Kollektiv gibt es uneindeutige Beschreibungen. In der Einleitung und Methodik wird von ,,malignant brain tumours" gesprochen. Im Ergebnisteil schreiben die Autoren: ,,Of the 588 patients with a malignant brain tumour,...". Bedeutet dies, dass von den 649 eingeschlossenen Fällen nicht alle einen malignen Hirntumor hatten? Insgesamt zeigen sich keine erhöhten Risiken für Hirntumoren in den Analysen. Erst die explorativen Analysen hinsichtlich der Tumorlokalisation und Händigkeit zeigen auffällig erhöhte Odds Ratios insbesondere bei analoger Mobilfunktechnik. Die höchste Odds Ratio bestand für die histologische Subgruppe der Astrozytome bei ipsilateralem Gebrauch analoger Mobiltelefone (OR=2.50, 95%CI 1.28-4.89 für 900 MHz ever). Der Einschluss von prävalenten Fällen eröffnet die Gefahr des sogenannten ,,length-biased samplings", wenn die Exposition von Interesse einen Einfluss auf die Prognose hat. Zu Recht weisen Hardell et al. zwar darauf hin, dass hierzu im Zusammenhang mit Mobilfunk aus der Literatur nichts bekannt ist, was allerdings nicht zu der Schlussfolgerung führen kann, dass diese Gefahr nicht besteht.

 

Die Studie von 2005

Im Jahr 2005 führte Hardell eine dritte Studie mit dem Beobachtungszeitraum 2000 - 2003 durch, wobei er bewusst dieselbe Methodik wie schon bei der Studie von 2002 verwendete, um beide später gemeinsam betrachten zu können. Bei dieser Case-Control Study on Cellular and Cordless Telephones and the Risk for Acoustic Neuroma or Meningioma in Patients Diagnosed 2000-2003 verglich er dazu 413 Hirntumorpatienten mit 692 Kontrollpersonen und schloss aus den Resultaten auf ein erhöhtes Akustikusneurinom-Risiko bei Benutzern von Analogtelefonen. Bezüglich Meningeomrisiko sieht er ebenfalls ein leicht erhöhtes Risiko, mit einer weniger klaren Assoziation.

 

Die gepoolten Studien von 2006 und später

Wie bereits beim Design der Studie von 2005 beabsichtigt, stellte Hardell und seine Kollegen im Frühjahr 2006 zwei gepoolte Analysen der Studien von 2002 und 2005 vor, wobei im Februar im International Journal of Oncology die Pooled analysis of two case-control studies on the use of cellular and cordless telephones and the risk of benign brain tumours diagnosed during 1997-2003 für gutartige Hirntumore den Anfang machte und ihn zu dem Schluss verleitete, dass besonders für Langzeitnutzer analoger Mobiltelefone das Erkrankungsrisiko signifikant erhöht sei.

Im März 2006 folgte mit der Pooled analysis of two case–control studies on use of cellular and cordless telephones and the risk for malignant brain tumours diagnosed in 1997–2003 für bösartige Hirntumore die vorläufig letzte Auswertung speziell zu Hirntumoren mit inhaltlich der gleichen Aussage wie schon ber der vorangegangenen Analyse.

Im Oktober 2006 veröffentlichte Hardell schliesslich ein weiteres Mal die Ergebnisse seiner bisherigen Studien, diesmal zu verschiedenen Tumorarten und stellt dabei nochmals ein erhöhtes Risiko durch Mobil- und Schnurlostelefonnutzung fest: Tumour risk associated with use of cellular telephones or cordless desktop telephones.

Hardell L.;Carlberg M.;Hansson Mild K.:Epidemiological evidence for an association between use of wireless phones and tumor diseases. Pathophysiology 2009: 16 (2-3), 113-122.

Hardell L.;Carlberg M.: Mobile phones, cordless phones and the risk for brain tumours. Int J Oncol 2009: 35 (1), 5-17.

 

Die Rolle von Hardell's Studien in US-amerikanischen Klagen gegen Mobilfunkunternehmen

Die Studien von Hardell spielten eine große Rolle in dem Musterprozess des an einem Hirntumor erkrankten Neurologen Dr. C. Newman, welcher sein Leiden auf die jahrelange Nutzung seines Handys zurückführt und deswegen mehrere amerikanische Mobilfunkfirmen auf insgesamt 800 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt hatte. Newman wurde hierbei von dem aus den erfolgreichen Prozessen gegen die Tabakindustrie bekannten Anwalt Peter Angelo vertreten, dessen Hauptbelastungszeuge eben Hardell war.

Da mit dieser Klage, die im September 2002 in erster Instanz und im Oktober 2003 auch in der Berufung abgelehnt wurde, auch der Erfolg mehrerer anderer, ähnlicher Klagen zusammenhängt, wurde dieser Fall und die Studien von Hardell mit großer Aufmerksamkeit verfolgt bzw. begutachtet.
Insbesonders geht es hierbei um die Frage, ob die Ergebnisse einer einzelnen Studie (welche sich von denen anderen Studien unterscheiden) als Hauptbelastungsmaterial gerichtsverwertbar sind. Eine ähnliche Grundsatz-Diskussion wurde bereits 1993 in einer Verhandlung gegen einen Pharmakonzern geführt, woraus dann der sogenannte "Daubert-Standard" entstand. Dieser soll, ähnlich dem etwas unterschiedlich definierten "Frye-Standard", das Gericht vor pseudowissenschaftlichen Aussagen bewahren. Demnach muss in einer Vorverhandlung zuerst geklärt werden, welche wissenschaftlichen Ergebnisse oder Experten (als Zeugen) überhaupt zugelassen werden, wofür verschiedene Qualitätskriterien herangezogen werden:

Genau diese Punkte waren bei Hardell's Arbeiten teilweise sehr fragwürdig, was letztendlich bereits in der Vorverhandlung zur Ablehnung der Klage führte.

Siehe dazu auch: USA: Klage wegen Gehirntumor durch Handynutzung auch vor Berufungsgericht abgewiesen
Informationen zur bereits zweitinstanzlichen Ablehnung der Klage (Oktober 2003)
  USA: Zweite Schadensersatzklage wegen Hirntumor durch Handynutzung ist fallengelassen
Der Klagevertreter des im November 2002 verstorbenen Brian Barrett hat im Januar 2004 die Klage gegen Mobilfunkunternehmen wegen des Vorwurfs der Entstehung eines Hirntumors durch Handynutzung zurückgezogen.
  Phantasien über Handys
Ein Artikel von mehreren schwedischen Wissenschaftlern zu der Studie von L. Hardell 2001

 

Mehr Information:

Krebsentstehung und -entwicklung
Eine Einführung auf dieser Homepage
Epidemiologic Studies of Cellular Telephones and Cancer Risk – A Review
In diesem Review von epidemiologischen Studien (Sept. 2002) werden u. a. die Studien von Hardell ausführlich vorgestellt, mit einem besonderen Schwerpunkt auf ihre Schwächen (250 KB).

 

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Zuletzt geändert: 01.10.06