Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mobiltelefonnutzung und Spermienqualität?

Der ungarische Fortpflanzungsmediziner Dr. Imre Fejes stellte auf der Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) am 29.06.2004 in Berlin erstmalig und von den Medien vielbeachtet die Ergebnisse seiner Forschung über den Einfluss von Handys auf die männliche Fruchtbarkeit vor. Diese Ergebnisse veröffentlichte er dann im August 2005 auch in einem Fachmagazin.

Zusammenfassung der Studie, aus der Literaturdatenbank ELMAR des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel

Ziel:
Zusammenhang zwischen Mobiltelefonbenutzung und Spermienqualität.

Kollektiv:
Männer, die wegen Unfruchtbarkeitsproblemen in der andrologischen Abteilung der Universitätsklinik Szeged in Ungarn vorstellig wurden. Ausschlusskriterien: Raucher ab mehr als 10 Zigaretten/Tag, regelmässiger Alkoholkonsum (>1 Einheit/Tag), Medikamentenmissbrauch, schwere akute oder chronische Erkrankungen, Anomalien der Geschlechtsorgane, Störungen des Hormonhaushalts, Infektionen des Genitaltrakts.

Exposition:
Angaben der Teilnehmer zur Mobiltelefonbenutzung: Dauer seit Beginn der Benutzung, Gesprächszeiten und Standby-Betrieb pro Tag.

Methode:
Zusätzlich zur üblichen Anamnese beantworteten die Teilnehmer Fragen zur Mobiltelefonbenutzung. Die Untersuchung der Spermienkonzentration und -beweglichkeit im Ejakulat erfolgte nach einer dreissigminütigen Verflüssigungsphase. Im Abstand von drei Wochen wurde das Sperma der Patienten erneut untersucht. Ausgewertet wurden die "besseren Ergebnisse". Die Teilnehmer wurden in vier Gruppen unterteilt: 1) Mobiltelefonbenutzung < 15 Min./Tag, 2) Mobiltelefonbenutzung >60 Min./Tag, 3) <1 Stunde Standby-Betrieb im Abstand von max. 50 cm, 4) >20 Stunden Standby-Betrieb im Abstand von max. 50 cm. Die statistische Analyse erfolgte mittels t-Tests und Pearson-Korrelationskoeffizienten.

Resultate:
Von 611 Patienten, die zwischen November 2002 und März 2004 in der Klinik untersucht wurden, erfüllten 371 (61%) die Einschlusskriterien (Alter: 30.8 +/- 4.4 Jahre). Es zeigte sich kein Einfluss auf die Spermienbeweglichkeit insgesamt. Zwischen der Dauer des Mobiltelefonbesitzes und dem Anteil schnell progressiv beweglicher Spermien ergab sich ein negativer Zusammenhang (r=-0.12, p=0.023) sowie eine positive Korrelation mit dem Anteil langsam progressiv beweglicher Spermien (r=0.12, p=0.024). Ähnliche Resultate ergaben sich für die tägliche Benutzungsdauer von Mobiltelefonen. Für die Dauer des Standy-Betriebs in weniger als 50 cm Entfernung zeigte sich kein Zusammenhang mit den untersuchten Spermienparametern.

Schlussfolgerung:
Die Autoren vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen der Mobiltelefonbenutzung und der Beweglichkeit der Spermien geben könnte. Zur Überprüfung dieser Hypothese sollten grössere, kontrollierte, prospektive Studien durchgeführt werden.

Bemerkung:
Die Studie weist erhebliche methodische Mängel auf, und die Darstellung in der Publikation ist unvollständig und fehlerhaft. Es handelt sich um eine Reihenuntersuchung von Patienten mit ungewollter Kinderlosigkeit, bei der keine Kontrollgruppe oder Cross-over-Design verwendet wurde. Es wird nicht erwähnt, ob die Untersucher gegenüber dem Expositionsstatus verblindet waren. Die Angaben zur Expositionsabschätzung sind unzureichend (Art des Telefons, Lokalisation im Standby-Betrieb, Gebrauch von Head-Sets?), und die Verteilung der Teilnehmer auf die vier Expsositionskategorien ist nicht nachvollziehbar. Offensichtlich wurden einige Teilnehmer mehreren Kategorien zugeordnet (Gesamtzahl über 371), und es fehlen Kategorien mit mittelgradiger Exposition (z.B.: 15 bis 60 Minuten Gesprächszeit oder zwei bis drei Stunden Standby-Betrieb pro Tag). Bei der Darstellungen der Korrelation wurden andere Kategorien verwendet. Zusätzliche Einflussfaktoren, z.B. berufliche Expositionen, wurden nicht berücksichtigt. Da eine sehr starke Streuung der Beweglichkeitsparameter in allen Gruppen besteht (Standardabweichung oft grösser als die Hälfte des Mittelwerts), erscheinen statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Expositionskategorien unplausibel. Zum Beispiel besteht eine deutliche Überlappung der Konfidenzintervalle in Abb. 3, es wird aber p-Wert von 0.01 angegeben. Insgesamt erlaubt diese Studie keine Rückschlüsse über den untersuchten Zusammenhang.

Finanzierung:
keine Angabe

Original

Mehr Information :

Originalpublikation:
Fejes I.;Zavaczki Z.;Szollosi J.;Koloszar S.;Daru J.;Kovacs L.;Pal A.: Is there a relationship between cell phone use and semen quality?. Arch Androl 2005: 51 (5), 385-393.
Abstract

 

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Zuletzt geändert: 18.10.09