Gutachten der Europäischen Kommission:
Die möglichen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern, Radiofrequenzfeldern und Mikrowellenstrahlung auf die menschliche Gesundheit


Die Europäischen Union begann im Jahr 1998, Expertenkommissionen mit der Zusammenstellung und Bewertung von Forschunsgergebnissen zu eventuellen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern, Radiofrequenzfeldern und Mikrowellenstrahlung auf die menschliche Gesundheit zu beauftragen.
Das erste Gutachten des Wissenschaftlichen Lenkungsausschusses (SSC) vom Juni 1998 diente dabei als Grundlage für die Empfehlung des Rates vom 5. Juli 1999 zur Begrenzung der Exposition der Bevölkerung gegenüber EMF, ihm folgte im Jahr 2001 das zweite Gutachten des "Wissenschaftlichen Ausschusses für Toxikologie, Öko-Toxikologie und Umwelt" (SCTEE, früher CSTEE)), dem sich 2002 noch eine Ergänzung anschloss. Im Jahr 2007 wurde das Gutachten des wissenschaftlichen Ausschusses zu "Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken" (SCENIHR) veröffentlicht, das im Dezember 2008 eine Aktualisierung erfuhr.

Zusammenfassung der Ergebnisse für Hochfrequenz-Felder des Gutachtens vom Dezember 2008 als Auszug aus der Infoline 5/2009 der Forschungsgemeinschaft Funk:

Auf Basis von drei unterschiedlichen Nachweisansätzen (epidemiologische, Tierstudien und In-vitro-Studien) kommt der Bericht zu dem Schluss, dass die Exposition gegenüber Hochfrequenzfeldern nicht zu einer Erhöhung des Krebsrisikos beim Menschen führt. Weitere Studien seien aber notwendig, um zu überprüfen, ob die längerfristige (weit über zehn Jahre) Exposition des Menschen gegenüber Mobilfunkgeräten möglicherweise das Krebsrisiko steigert.

Betreffend der Ergebnisse von nicht auf Krebserkrankungen bezogenen Studien bleibt die Kommission bei der Einschätzung, dass wissenschaftliche Studien keinen Nachweis für den Einfluss von HF-Feldern auf selbst berichtete Symptome, wie Elektro-Hypersensitivität (EHS), erbracht haben. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass beim Auftreten solcher Symptome der Nocebo-Effekt (ein messbarer, nicht-spezifischer Effekt, der nur durch die Erwartung oder Überzeugung, dass etwas schädlich ist, auftritt) eine Rolle spielen könnte.

Es gibt einige Anzeichen dafür, dass HF-Felder das Schlaf-EEG beim Menschen beeinflussen können. Allerdings sei nicht klar, ob dies eine gesundheitliche Relevanz hat, und darüber hinaus fehle ein Wirkungsmechanismus für diesen Effekt. Weitere Untersuchungen seien hier notwenig. Andere Studien zu Funktionen/Aspekten des Nervensystems, wie kognitive Funktionen, sensorische Funktionen, strukturelle Stabilität, und zelluläre Reaktionen zeigen keine oder keine konsistenten Effekte.

Jüngste Studien haben keine Auswirkungen von HF-Feldern auf die menschliche oder tierische Fortpflanzung und Entwicklung gezeigt. Es gibt keine neuen Daten, die auf eine andere Beeinflussung der menschlichen Gesundheit hinweisen.

Aus Sicht der Risikobewertung sei es wichtig festzuhalten, dass Information über mögliche Auswirkungen von HF-Feldern bei Kindern begrenzt ist. Darüber hinaus gebe es wenig Informationen über Krankheiten, die nicht in diesem Bericht diskutiert werden.

 

Zuammenfassung der Ergebnisse des Gutachtens von 2007 als Auszug aus dem Newsletter 2/2007 der Forschungsgemeinsschaft Funk:

Wissenschaftliche Daten, die zwischenzeitlich veröffentlicht wurden, wurden ausgewertet und – mit Blick auf die Schlussfolgerungen des früheren Gutachtens – neu bewertet. In seiner Gesamtbewertung kommt SCENIHR zu der Schlussfolgerung, dass bei einem Gebrauch von Mobiltelefonen von weniger als zehn Jahren kein erhöhtes Risiko für Gehirntumore oder Tumore im Hörbereich (Akustikusneurome) nachweisbar ist. Für Nutzungszeiträume länger als zehn Jahre reicht das zur Verfügung stehende Datenmaterial nicht aus, belastbare Schlussfolgerungen abzuleiten. Es zeichnet sich jedoch ab, dass auch in solchen Fällen kein erhöhtes Gehirntumorrisiko zu erwarten ist. Lediglich bei Akustikusneuromen gibt es einige Belege für einen Zusammenhang.

Kein überzeugender Nachweis für gesundheitsbeeinträchtigende Beeinflussungen von RF-Feldern konnte festgestellt werden:

  • für individuell berichtete Symptome wie Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen etc.,
  • auf Kinder (kann zwar grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden; belastbare Studien hierzu liegen allerdings nicht vor),
  • in Studien zu neurologischen Effekten bzw. Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit (keine gesundheitsrelevanten Effekte bei Expositionswerten unterhalb der ICNIRP3- Grenzwerte von 1998 nachweisbar),
  • in Tierstudien (keine Belege für eine krebsauslösende, krebsverstärkende oder die Entwicklung von Krebszellen beschleunigende Wirkung durch RF-Felder),
  • in der in vitro-Forschung (keine eindeutigen Anzeichen, dass RF-Felder Zellen bei nicht-thermischer Exposition beeinträchtigen, d. h. bei niedrigen Expositionspegeln unterhalb der ICNIRP-Grenzwerte).
Der Ausschuss empfiehlt die Durchführung einer Langzeit-Kohortenstudie (unter Einbeziehung der individuellen dosimetrischen Belastung), um die vorhandene Wissensbasis zu erweitern.
Komplettes Original (pdf, 53 KB)

 
Mehr Information

Gutachten von 2008

Pressemitteilung vom 03.02.09 zur Veröffentlichung
Text des Gutachtens (743 KB)

 

Gutachten von 2007

Pressemitteilung vom 07.05.07 zur Veröffentlichung
Text der Gutachtens (672 KB)

 

Gutachten von 2001/2002

Das Gutachten im Original (vom Oktober 2001, 56KB)

Zweiter Teil des Gutachtens (vom September 2002, 116 KB)

Anhang zum zweiten Teil des Gutachtens (vom Dezember 2002, 109 KB)

 

Siehe weitere Informationen und Ausarbeitungen von Institutionen der Europäischen Union


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Zuletzt geändert: 05.02.09