Es handelt sich um eine extrem große retrospektive Kohortenstudie, bei der ca. 420,000 Personen (dies entspricht etwa 10% der dänischen Bevölkerung), die einen Handyvertrag haben, eingeschlossen wurden. Die Krebsinzidenz der Kohorte wird mit der Krebsinzidenz der Allgemeinbevölkerung verglichen. Die Daten dieser Studie wurden auch in dänischer Sprache publiziert (Ugeskr Laeger 2002). Da die Gutachter nicht der dänischen Sprache mächtig waren, erfolgte lediglich der Vergleich der tabellarischen Ergebnisse der dänischen Publikation mit der Publikation im J Natl Cancer Inst 2001. Die Tabellen stimmen komplett hinsichtlich des Zahlenmaterials überein. Die Studie wird in mehreren ,,Letters" kommentiert (Godward, et al. (2001), Hocking et al. (2000); Hardell et al. (2001)). Anhand der Netzbetreiber Dänemarks wurden alle Mobilfunknutzer der Jahre 1982-1995 retrospektiv erfasst und anschließend mit dem Nationalen Krebsregister Dänemarks abgeglichen. Die Exposition (Radiofrequenzstrahlung durch Mobiltelefone) wurde hierbei nur mit Hilfe von Proxy- Maßen ermittelt. Je Mobiltelefonnutzer wurden die Subscriptionsdaten (Technik des Mobiltelefons: analog/digital, Dauer der Subscription (allerdings nur für digitale Mobiltelefone, Alter bei erster Subscription) erfasst. Der zu erwartende nichtdifferentielle Expositionsklassifikationsfehler sollte bei dichotomen Expositionsmerkmalen für die Effektschätzung zu einem ,,Bias towards the null" geführt haben.
Etwa 20% der identifizierten ,,Subscriber" mussten aus der Kohorte ausgeschlossen werden, da die Subscription über eine Firma stattfand (,,corporate customers") und damit eine Identifikation von Einzelpersonen nicht möglich war. Mobiltelefonnutzer dieses Teilkollektives hätten möglicherweise stark exponierte Personen sein können. Dieser Ausschluss wurde von Hocking (J Natl Cancer Inst 2001) kritisiert. Johansen et al. erläutern in ihrem Reply hierzu, dass methodischerseits das Segment der potentiellen ,,Viel-Nutzer" nicht eingeschlossen werden konnte, es allerdings nicht zu einem relevanten Bias bei der Effektschätzung mit Hilfe der Allgemeinbevölkerungsdaten kommen könnte.
Es besteht ein Healthy-worker-Effekt für Krebs als Gesamtgruppe (ICD7: 140-205), der von den Autoren auf einen Selektionsbias bei Mobiltelefonnutzern zurückgeführt wird. In der Expositionsperiode 1985-1995 war aufgrund der hohen Kosten des Mobiltelefonierens die Wahrscheinlichkeit eines Mobiltelefongebrauchs in der höheren sozialen Schicht höher als in der niedrigeren sozialen Schicht. Die höhere soziale Schicht weist niedrigere Prävalenzen des Rauchens und des erhöhten Alkoholkonsums (als auch weiterer Risikofaktoren von Krebserkrankungen) auf, so dass ein Rauchen und Alkoholkonsum möglicherweise die Ergebnisse konfundiert hatten. Hierfür spricht das besonders stark erniedrigte relative Risiko für Malignome der Lunge (Männer RR=0.65, 95%CI 0.58-0.73). Für Hirntumoren sind die Faktoren ,,Sozialschicht", ,,Rauchen" und ,,Alkoholkonsum" keine relevanten Risikofaktoren, so dass ein Confounding durch diese Faktoren als unwahrscheinlich angesehen wird. Die Studie zeigt kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren (bei 154 eingeschlossenen Fällen).
Die Belastbarkeit der Studie ist eingeschränkt, da die Expositionsdaten unzureichend sind und ein Vergleich mit der dänischen Allgemeinbevölkerung als problematisch anzusehen ist, da ein Großteil der Bevölkerung als ,,exponiert" betrachtet werden muss. Dieses Argument wurde u.a. auch von Godward et al. (J Natl Cancer Inst 2001) vorgebracht. Die Expositions-Kontamination der Nichtexponierten Gruppe in der Kohorte (Allgemeinbevölkerung) führt zu einer Unterschätzung eines Zusammenhangs zwischen Mobiltelefonexposition und Krebsrisiko. In ihrem Reply führen Johansen et al. weitere Analysen an, die zeigen, dass diese Kontamination nur einen geringen Effekt haben kann, solange die Anzahl der Krebserkrankungen in der Kohorte im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung klein ist. Sie ermittelten, dass nur etwa 1% aller Krebserkrankungen in Dänemark im Follow-up Zeitraum innerhalb der Kohorte auftrat. Hinzu kommt, dass die mediane Follow-up Zeit 3.1 Jahre betrug und somit nur Mobilfunk-Effekte mit kurzer Latenzzeit untersucht werden konnten. Die Subscriptionsdauer von digitalen Mobiltelefonen betrug bei 92% der Kohortenmitglieder weniger als 3 Jahre, so dass keine hohen kumulativen Expositionsdosen angesammelt wurden. Weiterhin kritisieren Hardell et al. zu Recht in ihrem Letter, dass Johansen et al. keine separaten OR für analoge und digitale Mobiltelefone präsentieren.
|