Die Sendeanlagen des Radio Vatikan


Der Vatikan betreibt auf dem Vatikanhügel und auf einem ihm gehörenden, exterritorialen Gelände etwa 25 km von Rom entfernt mehrere große Sendeanlagen. Diese stehen im Verdacht, ausser für technischen Störungen in der Nachbarschaft auch für eine erhöhte Zahl von Krebserkrankungen verantwortlich zu sein.
Zu diesem Thema sind auf dieser Seite einige Informationen.

 

Sendeleistung der Sender auf dem Vatikangelände:

Mittelwelle:
Drei zu 5 kW
Kurzwelle:
Je einer zu 80, zu 25 und zu 5 kW
UKW:
Je einer zu 5, 10 und 30 kW und je zwei zu 15 und 20 kW

 
Sendeleistung der Sender auf dem Sendegelände Santa Maria di Galeria:

Mittelwelle:
Je einer zu 600, 250, 120 und 50 kW
Kurzwelle:
Fünf zu je 500 kW, vier mit je 400 kW

Die größte Drehantenne auf dem Gelände ist über 100 Meter hoch und ebenso breit, die feststehenden Kurzwellenantennen sind in Form eines "Y" über ein großes Gelände verteilt.

Auf Grund der verschärften Elektrosmogverordnungen in Italien wurde zum 01.10.01 die Ausstrahlung eines Teils der Mittelwellensendungen auf eine Sendeanlage von Radio Montecarlo verlagert, zudem wird geplant, ein Teil der Sendungen über Satellit anstatt wie bisher über starke Mittelwellensender auszustrahlen.
Im Jahr 2001 wurde an drei Stellen in der Umgebung der Anlage maximale Feldstärken zwischen 18,4 und 22,5 V/m gemessen. Weitere Messungen zeigten aber auch, dass die Feldstärken an Punkten gleichen Abstandes zur Anlage um mehrere Grössenordnungen unterschiedlich sein konnten, was eine Zuordnung zu Krankheitsbildern wie Krebs (siehe unten) nur aufgrund des Abstandes sehr erschwert.

 

Vorwürfe, Diskussion und Gerichtsverhandlungen über Gesundheitsschädlichkeit der Anlagen

Bewohner aus der Umgebung des Vatikan hatten in den vergangenen Jahren immer wieder beklagt, die Sender würden den Radio- und Telefonempfang stören. Umweltschützer sagen, der Elektrosmog könne Krebs verursachen.
In dem zum Sendegelände Santa Maria di Galeria nahegelegenen Ort Cesano sollen bereits seit Jahren 60 Prozent aller Todesfälle durch Krebs verursacht sein, auch seien die Sendungen von Radio Vatikan immer wieder im Telefon oder in der Gegensprechanlage zu hören; selbst Kühlschränke sollen plötzlich die frohe Botschaft verkünden. Weihnachtsbäume leuchten auf wundersame Weise auf, ohne dass jemand die Lichter angemacht hätte.
Der Vatikan verschloss sich diesen Vorwürfen, bis die italienische Regierung im März 2001 mit Stromabschaltung drohte. Danach verringerte der Vatikan durch Verlagerung von Sendern die Emissionen, lehnt aber weiterhin einen Zusammenhang zwischen den Sendern und den Krebserkrankungen als wissenschaftlich unbewiesen ab.

Nach ingesamt zwei Jahren Ermittlung klagte die römische Staatsanwaltschaft im Dezember 2001 den Vatikan an, wobei gleich zu Prozessbeginn die Anwälte des Vatikans einen Einwand gegen die Zuständigkeit des italienischen Gerichtes eingebracht haben. Sie beriefen sich dabei auf die 1929 geschlossenen Staatsverträge zwischen dem Vatikan und Italien, die Prozesse gegen offizielle Vertreter des Kirchenstaates nicht zulassen.
Am 20.02.02 wurde schließlich durch einen römischen Richter die italienische Justiz für diesen Fall als nicht zuständig erklärt, da der Boden, auf dem die Anlage stehe, exterritoriales vatikanisches Gebiet sei.
Damit waren die Bemühungen Radio Vatikan vor Gericht zu bringen zunächst stark gesunken, allerdings wurde dieser Richterspruch im April 2003 in nächster Instanz widerrufen und schliesslich fand im Mai 2005 dann doch eine Gerichtsverhandlung statt, die in zweiter Instanz im Juni 2007 mit einem Freispruch endete. Seither wurden jedoch weitere Klagen eingereicht.

Eine im Juni 2002 veröffentlichte Untersuchung (Michelozzi et. al., siehe unten ) des Auftretens von Kinder- und Erwachsenenleukämie im Umkreis von 10km um den Sender hat eine erhöhte Erkrankungsrate ergeben. Allerdings sind die aufgetretenen Fälle von der Anzahl her zu gering, um aussagefähig zu sein. Beispielsweise traten im Umkreis von 2km bei Männern 2 Erkrankungen auf, gegenüber 0,7 zu erwartenden oder im Umkreis von 6km bei Kindern 8 Erkrankungen, gegenüber 3,7 zu erwartenden.

Das Gutachten von 2010:

Aus dem EMF Brief des WIK, Ausgabe 15 vom 27. Juli 2010:

Gutachten stützt Zusammenhang zwischen Sendeanlagen von Radio Vatikan und erhöhtem Krebsrisiko

Das Gutachten war von einem römischen Gericht im Jahr 2005 beauftragt worden, nachdem bei den von Radio Vatikan vor den Toren Roms betriebenen Sendeanlagen Emissionen gemessen worden waren, die über den gesetzlichen Grenzwerten lagen und Anwohner Beschwerde wegen vermuteter Gesundheitsgefahren eingelegt hatten. Nach fünfjähriger Arbeit hat Andrea Micheli vom Internationalen Tumor-Zentrum in Mailand das Gutachten im Juni 2010 vorgelegt. Wie italienische Medien berichten, wird Radio Vatikan darin vorgeworfen, durch jahrelanges Überschreiten der Grenzwerte für einen Anstieg von Krebserkrankungen in den Gemeinden nördlich von Rom verantwortlich zu sein. Die Tageszeitung „La Stampa“ zitiert aus dem Gutachten: „Es gibt einen bedeutsamen, aussagekräftigen und schlüssigen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Sendeanlagen von Radio Vatikan und dem Leukämie- und Lymphomrisiko bei Kindern.
Der Vatikan weist jeglichen Zusammenhang zurück. Sendedirektor und Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte dazu: „Radio Vatikan hält sich an die italienischen und internationalen Grenzwerte für elektromagnetische Emissionen. Die Wissenschaft hat keineswegs festgestellt, dass Elektrosmog negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat.“ Der Heilige Stuhl werde in Kürze eine eigene Expertenbewertung zu dem Fall vorlegen, so Lombardi.

Download des Gutachtens in italienischer Sprache und Bericht in der Zeitschrift „La Repubblica vom 14.07.2010: http://roma.repubblica.it/cronaca/2010/07/14/news/radio_vaticana_perizia-5579379/

Weitere Quellen (Auszug): http://diepresse.com/

 

Mehr Information:

Michelozzi P.;Capon A.;Kirchmayer U.;Forastiere F.;Biggeri A.;Barca A.;Perucci C. A.: Adult and Childhood Leukemia near a High-Power Radio Station in Rome, Italy. Am J Epidemiol 2002: 155 (12), 1096-103.
Dies ist die Studie von P. Michelozzi über Leukämiefälle in der Nähe des Vatikan-Senders.
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR
Radiofrequency waves and childhood leukemia: current status of scientific knowledge with reference to the situation in the Cesano area
Dies ist der Report der von dem italienischen Gesundheitsministerium eingesetzten Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Leukämiefälle in Cesano aus dem Jahr 2001 (61 Seiten in italienischer und englischer Sprache, 579 KB)
Radio Vatikan startet umweltfreundliche Sendeanlagen (Heise Newsticker vom 28.08.01)

 

 
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Zuletzt geändert: 27.08.11