Ist Essen aus der Mikrowelle ungesund?
Regina Reichardt
Zusammenfassung
In diesem Beitrag soll die Frage geklärt werden, ob und
falls ja warum Essen aus der Mikrowelle ungesund sein könnte.
Dabei wird sowohl auf die Verminderung von für den menschlichen Körper
wertvollen Nährstoffen eingegangen als auch auf ein mögliches
Überleben schädlicher Salmonellen, Listerien etc. Nach Betrachtung
von Kochgeschirr und Mikro-wellengerät selbst hinsichtlich möglicher
negativer Ausdünstungen und Leckstrahlung spiegelt sich das Ergebnis
schließlich in der Schlussbetrachtung wider.
Eine Einführung in die Begriffe
Zunächst zum besseren Verständnis ein kleiner Exkurs, wie ein
Mikrowellenofen, oder kurz Mikrowelle genannt, überhaupt funktioniert.
Die Mikrowelle ist eine der großen Erfindungen des 20. Jahrhunderts.
In zig Millionen Haushalten findet sich solch ein Gerät. Die Mikrowelle
ist praktisch, weil sie sehr schnell arbeitet und gleichzeitig sehr effizient
ist im Hinblick auf ihren Energieverbrauch: sie erwärmt nur die Speisen,
nicht aber die Gefäße, in denen sich die Speisen befinden.
Die Geräte werden mit Leistungen zwischen 500 und 1100 Watt angeboten,
wobei bei jedem Gerät diverse Leistungsstufen für die einzelnen
Garvorgänge gewählt werden können. Dabei werden aber stets
Mikrowellen mit größter Leistung erzeugt, die bei kleineren
Stufen jedoch zeitlich gepulst sind und so im zeitlichen Mittel für
weniger Erwärmung sorgen.
Wie der Name schon vermuten lässt, gelangen bei dieser Garmethode
Mikrowellen zum Einsatz. Sie werden von einem Klystron innerhalb des Geräts
erzeugt, liegen bei Frequenzen um 2,45 Gigahertz (GHz) und haben die interessante
Eigenschaft, von Wasser, Fett und Zucker absorbiert zu werden. Dabei versetzen
sie die einzelnen Moleküle in Schwingungen und es entsteht (Reibungs-)Wärme
respektive Hitze. Andererseits werden diese Wellen nicht von Plastik,
Glas oder Keramik absorbiert, weshalb sich diese Materialien auch nicht
erwärmen. Luft ist ebenfalls für diese Wellen durchlässig,
so dass sich die Temperatur im Innern einer Mikrowelle ebenfalls nicht
verändern wird. Metall reflektiert Mikrowellen und ist daher nicht
geeignet für den Gebrauch in einem solchen Gerät.
Oft hört man, Mikrowellen erhitzen die Speisen von innen nach außen.
Aber was bedeutet das?
Will man einen Kuchen in einem herkömmlichen Ofen backen, dann verwendet
man eine Temperatur um die 220 Grad Celsius. Würde man eine höhere
wählen, wie beispielweise 350 Grad Celsius, dann würde der Kuchen
außen schnell verbrennen, während innen der Teig noch roh wäre.
In einem herkömmlichen Backofen gelangt nämlich die Hitze ganz
langsam von außen nach innen in die Mitte des Teiges. Zudem bewirkt
die trockene heiße Luft im Ofen, dass sich eine knusprige Außenhülle
bildet, während die Feuchtigkeit innen und so das Innere saftig bleibt
abhängig von der Länge der Backzeit.
In der Mikrowelle findet dagegen keine Erhitzung von außen nach
innen statt; hier durchdringen die Wellen die Speisen und damit ist auch
die Wärme entsprechend verteilt. Optimiert wird dieser Prozess durch
den Drehteller, der durch langsame Rotation für eine gleichmäßige
Durchdringung der Wellen sorgen soll. Die Ausnahme: Durch Interferenzen
können sogenannte hot spots entstehen, winzige extrem
heiße Stellen, ebenso wie natürlich entsprechend cool
spots, nicht erhitzte Punkte. Da die Temperatur in einem Mikrowellengerät
auch im Betrieb gleich der Umgebungstemperatur ist, wird sich so natürlich
keine Kruste bilden und Feuchtigkeit kann nach außen
diffundieren.
Was versteht man unter dem Begriff ungesund?
Bedeutet ungesund, dass die Nahrungsmittel nach dem Garvorgang weniger
oder gar keine Vitamine, Antioxidantien oder sonstige für den menschlichen
Organismus wertvolle Stoffe enthalten? Oder heißt es, dass schädliche
Stoffe weniger oder nicht abgebaut bzw. zerstört werden oder sich
vielleicht Stoffe, die die Gesundheit beinträchtigen können,
erst durch die Art des Garvorgangs bilden? Oder können die elektromagnetischen
Wellen der Mikrowelle während des Garvorgangs das Essen so verändern,
dass nicht nur eine Veränderung der Zellen der Nahrungsmittel eintreten
kann, sondern dadurch bedingt gegebenenfalls sogar eine
Veränderung der Zellen von derjenigen Person, die dieses Nahrungsmittel
zu sich nimmt? Ist dann, so die weiterführende Frage dazu, diese
Beeinträchtigung nur vorübergehend, ist sie dauerhaft oder bewirkt
sie gar eine Veränderung der Gene? Das alles soll im folgenden betrachtet
werden.
Untersuchen wir die einzelnen Aspekte der Reihe nach:
1. Kann das Garen mit der Mikrowelle Inhaltsstoffe abbauen, die für
den menschlichen Organismus wertvoll sind?
Wissenschaftler vom CEBAS-CSIC-Forschungsinstitut der Universität
Murcia in Spanien fanden heraus, dass Mikrowellenherde Nährstoffe
in Nahrungsmitteln, insbesondere die so genannten Antioxidantien, zerstören
können. Wie der New Scientist in seiner Ausgabe vom 25. Oktober 2003
schrieb, sei das Garen mit Wasserdampf in einem Dampkochftopf bei weitem
die gesündeste Art, um Gemüse zu kochen und der Mikrowellenofen
die schlechteste.
Es gibt drei Typen von Antioxidantien: die Flavonoide, die Derivate der
Kaffeoylchinasäure und die so genannten Sinapinsäuren (auch
bekannt als Vitamine A,C,E, Folsäure etc.). Antioxidantien können
schädliche Stoffe, die sogenannten freien Radikalen, auffangen und
dadurch einen Überschuss der Moleküle verhindern, die unerwünschte
chemische Reaktionen hervorrufen können. Sie kommen in Ballaststoffen
und vielen Obst- und Gemüsesorten vor, wie beispielsweise Broccoli,
Paprika und Tomaten. Aber auch: Kräuter enthalten ungewöhnlich
viele Antioxidantien.
Kräuter verleihen Speisen nicht nur die gewisse Würze, sondern
sie enthalten auch ungewöhnlich viele Antioxidantien und sind deshalb
sehr gesund.
Im Frühjahr 2002 untersuchten Wei Zheng und Shiow Y. Wang vom U.S.
Department of Agriculture in Beltsville, USA, 39 verschiedene Kräuter
auf ihren Gehalt an Antioxidantien. Das Pizzagewürz Oregano schnitt
bei ihrer Untersuchung am besten ab, es hatte die höchste antioxidative
Aktivität der untersuchten Gewürze. Ihre Studie haben die Forscher
im Journal of Agricultural and Food Chemisty veröffentlicht (Vol.
49, S. 5165).
Die antioxidative Wirkung von Oregano ist auch im Vergleich zu Früchten
oder Gemüsen, die ebenfalls für ihren hohen Gehalt an Antioxidantien
bekannt sind, überragend. Oregano hat eine 42 mal höhere antioxidative
Wirkung als Äpfel, eine 30 mal höhere als Kartoffeln und eine
4 mal höhere als Blaubeeren. Ein Esslöffel Oregano enthält
dieselbe Menge an Antioxidantien wie ein mittelgrosser Apfel. erläuterte
Wang. Aber auch andere Kräuter wie Dill, Pfefferminze, Thymian oder
Basilikum haben einen vergleichsweise hohen Gehalt an Antioxidantien.
Die genauen Hintergründe der oft tödlichen Mangelkrankheit bei
Kleinkindern, Kwashiorkor genannt, sind jetzt aufgeklärt. Nach Meinung
eines US-Forscherteams ist der Mangel an Antioxidantien in der Nahrung
für die Krankheit der Kinder verantwortlich. Zur Zeit sind weltweit
etwa 40 Millionen Kinder betroffen vor allem in den Dritte-Welt-Ländern.
Wissenschaftler der University of Florida (UF) und der Washington University
hatten laut ihrem Bericht im Journal of Pediatrics Urinproben von Kleinkindern
aus Malawi untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass Kinder mit Kwashiorkor
einen sehr hohen Anteil an Indikatoren für so genannten oxidativen
Stress in sich trugen, verursacht durch einen Mangel an Antioxidantien.
Dies führt dazu, dass gesunde Zellen im Körper zerstört
werden und die Abwehrkräfte nachlassen.
Es ist, so die Forscher, eine extreme Form der Fehlernährung, bei
der die Kinder zum einen psychisch betroffen sind sie werden reizbar,
lethargisch oder apathisch. Zum anderen bekommen die Kinder große
Wundstellen auf der Haut und einen aufgeblähten Bauch. Die davor
schützenden Antioxidantien sind Substanzen, die eine Schädigung
der Zellen durch freie Sauerstoffradikale verhindern.
Das spanische Forscherteam um Cristina Garcia-Viguera hatte nun die verbleibenden
Nährstoffe im Blickpunkt standen insbesondere die Antioxidantien
in Broccoli verglichen, nachdem das Gemüse entweder im Dampfkochtopf,
in kochendem Wasser, im Wasserbad oder in der Mikrowelle gegart worden
war. Der Wasserdampf des Dampfkochtopfs beeinträchtigte die krebshemmenden
Antioxidantien nur wenig, während der Mikrowellenherd sie fast vollkommen
eliminierte. Wasserbad und herkömmlicher Kochtopf bauten beide deutlich
weniger Antioxidantien ab als die Mikrowelle.
In Zahlen ausgedrückt liest sich das folgendermaßen: Beim schonenden
Garen über heißem Dampf verringern sich die Antioxidantien
nur geringfügig um genau zu sein: um 11 Prozent der Flavonoide
und um 8 Prozent der Derivate der Kaffeoylchinasäure die Sinapinsäuren
bleiben vollständig erhalten. Im Gegensatz dazu treten bei den anderen
beiden Garvarianten große Mengen der Antioxidantien in das Kochwasser
aus, weshalb das Gemüse nach dem Wasserbad bzw. dem Garen im Kochtopf
nur noch 20 bis 45 Prozent der in rohem Broccoli enthaltenen Antioxidantien
aufweist. Bei der Mikrowelle verbleiben dagegen nur noch etwa 3 bis 25
Prozent, je nach Typ: Die Mikrowelle kann bis zu 97 Prozent der
Flavonoide, 87 Prozent der Derivate der Kaffeoylchinasäure und 74
Prozent der Sinapinsäuren abbauen.
Im Kochwasser werden diese Stoffe dann durch die starke Hitzeeinwirkung
nochmals drastisch reduziert. Wird das Kochwasser anschließend nicht
mit verwendet und weg geschüttet, geht auch der verbliebene Rest
dieser Stoffe dem menschlichen Organismus unwiderruflich verloren.
Nicht vergessen werden darf auch in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass
in der Mikrowelle meist Fertiggerichte und/oder eingefrorene Speisen zubereitet
werden. Das Forscherteam hatte zu letzterem eine weitere Untersuchung
vorgenommen: Gemüse, das vor dem Gefrieren grundsätzlich blanchiert
wird, um Konsistenz und Farbe zu behalten, verliert im Schnitt dadurch
allein schon ein Drittel seiner Antioxidantien: Karotten, Erbsen und Broccoli
etwa 30 Prozent an Vitamin C, während grüne Bohnen bei 10 Prozent
und Spinat bei 40 Prozent lagen. Bei letzterem kommen nochmals 40 Prozent
Verlust an Kalium und 70 Prozent an Folsäure hinzu. Der Gefriervorgang
selbst baut zusätzlich allerdings in geringerem Maße
Antioxidantien ab (bei Spinat sind es dennoch etwa 30 Prozent an
Folsäure).
Nun kann man sich leicht ausrechnen, was für den menschlichen Organismus
an wertvollen Stoffen übrig bleibt, wenn Broccoli erst blanchiert
und tiefgefroren und anschließend in der Mikrowelle erhitzt
auf den Tisch kommt.
Dass Muttermilch nicht in der Mikrowelle erwärmt werden soll, ist
verbreitete Lehrmeinung. Eine bereits 1992 publizierte Studie der Stanford
Universität analysierte die im Mikrowellenofen erwärmte Muttermilch
und kam zu dem Schluss, dass diese dann ihre Fähigkeit verliert,
Infektionen zu bekämpfen. Außerdem würde sie sich extrem
schnell zersetzen und so könnten sich Eschericha Coli-Bakterien (Darmbakterien)
bilden.
Die Forscher schrieben: Unsere Forschungserkenntnisse zeigen, dass
die Mikrowelle kein geeignetes Kochinstrument für Muttermilch ist,
da sie einen signifikanten Verlust der das Immunsystem stärkenden
Stoffe zur Folge hat.
Auch das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund
weist darauf hin. Begründet wird dies einerseits mit der Tatsache,
dass durch die Mikrowelle so genannte hot spots entstehen,
einzelne Hitzeherde, deren Temperatur nicht mehr kontrollierbar ist. So
könnten dem Kleinkind Verbrennungen in Mundhöhle und Speiseröhre
zugefügt werden, da diese Hitzespots nach außen nicht merkbar
sind, was sich aber durch ausreichendes Schütteln verhindern ließe.
Andererseits und das ist das Entscheidende gehen schon bei
Temperaturen zwischen 30 und 50 Grad Celsius wertvolle Enzyme und Inhaltsstoffe
verloren, die insbesondere für die Immunabwehr des Kindes von großer
Bedeutung sind.
Experten raten daher generell von einem Aufwärmen der Muttermilch
ab, empfehlen aber für Ausnahmen die so genannten Flaschenwärmer
mit Thermostat, bei denen eine Überhitzung ausgeschlossen ist.
Damit wird klar, dass das Essen aus der Mikrowelle weniger gesund ist
als das Garen über heißem Dampf. Einerseits, weil hierbei durch
die Art des Garvorgangs wesentlich mehr Antioxidantien verloren gehen.
Andererseits und mittelbar, weil oftmals Nahrungsmittel z. B. fertigvorgegart
und/oder tiefgefroren verwendet werden, die von vorne herein weniger
der gesundheitsfördernden Stoffe enthalten. Die Erwärmung von
Muttermilch sollte völlig ausgeschlossen werden, da hier zusätzlich
noch Stoffe zur Immunabwehr zerstört werden und sich gleichzeitig
vermehrt Bakterien bilden können.
2. Werden schädliche Stoffe weniger oder gar nicht abgebaut oder
bilden sich gar neue durch das Garen in der Mikrowelle?
Die Mikrowelle gart Lebensmittel und Speisen nicht ganz gleichmäßig
aufgrund der schon zu Anfang erwähnten Interferenzen. Die sogenannten
Cool Spots, punktartige Bereiche, die nicht oder nicht ausreichend
erhitzt werden konnten, können somit zu einem Rückzugsplatz
für Bakterien, Listerien oder Salmonellen werden, wenn aufgewärmte,
gefrorene oder aufgetaute Lebensmittel zum Einsatz kommen oder solche,
die nicht sachgemäß gelagert wurden. Diese nicht abgetöteten
Mikroorganismen vermehren sich dann explosionsartig, sollte das Essen
anschließend ungekühlt aufbewahrt werden, und können so
die Gesundheit des Menschen stark beeinträchtigen (aus Spoiled
von Nichols Fox, Jahrbuch 1997).
Vorsicht bei Geflügel aus der Mikrowelle rät auch
die Stiftung Warentest in ihrem Heft test 3/2000. Potenzielle Krankheitserreger
wie Listerien und Salmonellen können in Geflügel, das in der
Mikrowelle gegart wurde, überleben. Die Deutsche Gesellschaft für
Ernährung rät deshalb von mikrowellengegarten Hähnchen
& Co. ab. Auch das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz
empfiehlt Verbrauchern, die im Umgang mit der schnellen Welle ungeübt
sind, Geflügel, Hackfleisch und Eierspeisen besser im Backofen oder
auf der Herdplatte zuzubereiten.
Listerien kommen besonders in Rohmilchprodukten und rohem Fleisch vor.
Sie können speziell bei Personen mit geschwächtem Immunsystem
Fieber, Durchfall, sogar Hirnhautentzündungen und Fehlgeburten verursachen.
Amerikanische Forscher ließen frische, listerienbefallene Hähnchen
in der Mikrowelle garen. In mehr als der Hälfte der Proben waren
danach weiterhin Listerien nachweisbar unabhängig von Wattzahl,
Garraumgröße oder Drehteller. Normalerweise töten Gartemperaturen
über 70 Grad Celsius solche Bakterien ab, aber die mikrowellenspezifische
ungleichmäßige Erwärmung der Lebensmittel ermöglicht
ein Überleben der Keime. Fisch, Hühnchen oder Eier sollten daher
grundsätzlich nicht in der Mikrowelle zubereitet werden, insbesondere,
wenn sie nicht frisch ihre Verwendung finden.
Tipp für die Mikrowelle: Damit die Lebensmittel durch und durch auf
die nötigen Temperaturen von mehr als 70 Grad Celsius kommen, sind
längere Garzeiten bei kleinerer Leistungsstufe besser als kurze Garzeiten
bei hoher Wattzahl, am besten mit einem zugeschaltetem Grill. Lassen Sie
das Lebensmittel danach noch einige Minuten im Gerät stehen, damit
sich die Temperaturen im Inneren ausgleichen können. Gefrorene Speisen
müssen vor dem Garen komplett aufgetaut sein (am schonendsten im
Kühlschrank), damit sie innen genug erhitzt werden können.
Dabei ist nicht zu vergessen: Mit dem gleichen Problem wird man auch konfrontiert,
wenn man diese Speisen mit herkömmlichen Methoden zu kurz oder nicht
ausreichend heiß werden und durchgaren lässt.
Dies haben Mediziner der bakteriologischen Abteilung des Royal Hallamshire
Hospital, Sheffield, UK, schon Anfang 1995 nachgewiesen und in ihrem Bericht
Das Überleben von Salmonellen bei in der Mikrowelle gekochten
Eiern publiziert (J. Hosp. Infect. 1995 Feb;29(2):121-7). Zunächst
stellten sie fest, dass bei dieser Garmethode eine ganze Reihe von bakteriellen
Infekten auftritt. Die Forscher untersuchten genau die Überlebenschancen
von Salmonellen in künstlich kontaminierten Eiern im Vergleich zwischen
zwei bekannten Garmethoden: Kochtopf und Mikrowelle. Dabei wurden sechs
Typen von Salmonellen aus verschiedenen Impfkulturen verwendet. Die Eier
wurden so gekocht, dass das Eigelb noch weich war. Das Ergebnis:
Salmonellen überleben in weichgekochten Eiern, unabhängig
davon, um welchen Typ von Salmonellen bzw. welche Impfkultur es sich handelt
und welche Garmethode benutzt wird.
Das Überleben dieser Organismen stand außerdem in direktem
Verhältnis zu der Zahl der Organismen, die ursprünglich im rohen
Ei vorhanden waren. Waren die Eier jedoch hart, d.h. entsprechend durchgekocht,
konnten keine Erreger mehr ausfindig gemacht werden. So kamen sie zu der
wichtigen Erkenntnis: Nicht die Mikrowelle war schuld daran, dass es zu
Salmonellenausbreitung kam, sondern die Tatsache, dass erstens die Eier
infiziert und zweitens innen noch weich und damit nicht genügend
erhitzt waren, um die schon vorhandenen Mikroorganismen abzutöten.
Eine weitere potentielle Gesundheitsbeeinträchtigung wird in den
durch die Mikrowelle hervorgerufenen hohen Temperaturen gesehen. Gerade
Flüssigkeiten werden in der Mikrowelle sehr schnell sehr heiß
und beinhalten dabei noch die zu Anfang erwähnten Hot
Spots. Werden diese Flüssigkeiten dann schnell getrunken, können
sie zu Verbrennungen der Speiseröhre führen und damit zu Schmerzen,
bzw. auf Dauer die Magenschleimhaut schädigen. Im New England
Journal of Medicine vom 13. August 1998 hatten sich verschiedene
Ärzte zu dem Thema geäußert.
Wasser kann in der Mikrowelle hocherhitzt werden ohne Anzeichen
von Blasenbildung. Wenn dann aber das die Flüssigkeit enthaltende
Gefäß, z. B. eine Tasse, bewegt wird, können sich diese
Blasen explosionsartig bilden und zu Verbrennungen führen. Zum Schutz
davor empfiehlt Ann Landers in The Daily Progress, Charlottesville/Virginia,
vom 12.Juli 2002, einen Holzstift oder löffel in das Gefäß
zu stellen oder einfach 30 Sekunden zu warten, bevor man die Tasse der
Mikrowelle entnimmt. Auch sollte man anschließend nicht Hand oder
Gesicht direkt über die Tasse halten.
Was besagen die vorangegangenen Beispiele? Nicht die Mikrowelle an sich
ist hier für die gesundheitsschädigenden Auswirkungen verantwortlich
zu machen, sondern der unüberlegte oder unvorsichtige Gebrauch eines
neuen Gargerätes. In jedem Fall sollten aus Gesundheitsgründen
daher stets die Benutzerhinweise des Herstellers und natürlich die
hygienischen Grundregeln beachtet werden.
In einigen Studien zum Thema Mikrowelle und die Qualität der
Speisen hat man sich auch mit der Frage beschäftigt, inwieweit
schädliche Stoffe durch die Mikrowelle ausgelöst oder erzeugt
werden können. Dabei ist natürlich ein wichtiger Punkt das Material
des Kochgeschirrs. Andererseits sind auch die Verpackungen, mit denen
die Nahrungsmittel umgeben sind und in denen sie teilweise auch in der
Mikrowelle zubereitet werden, nicht außer acht zu lassen.
Verpackungen oder Kochgeschirr aus Plastik können beim Erhitzen in
der Mikrowelle insbesondere in Verbindung mit Fett schmelzen oder/und
dabei gegebenenfalls enthaltene Weichmacher, Dioxine oder andere giftige
Bestandteile an die Speisen abgeben. So wird Plastikgeschirr teilweise
mit bleihaltigen Farben hergestellt. Dieses Blei kann beim Erhitzen austreten
und in die Nahrungsmittel übergehen. Abhängig ist die Menge
des austretenden Bleis dabei vom ph-Wert der Speisen, der verwendeten
Hitze bzw. Leistung (in Watt) und der Dauer des Garvorgangs, wie die Forscher
D. Inthorn, O. Lertsupochavanich, S. Silapanuntakul, D. Sujirarat und
B. Intaraprasong des Department of Environmental Health Sciences der Fakultät
Public Health der Mahidol Universität in Bangkok/Thailand
Ende 2002 feststellten.
Auch wenn ein Hersteller die Zubereitung in der Verpackung vorgesehen
hat, sollte man diese dennoch nur für ein kurzes Erwärmen nutzen.
Diverse Verbraucherschutzorganisationen (u.a. niedergelegt im Verbraucherreport
zum Garen in der Mikrowelle, Health Newsletter, Juni 2001) empfehlen deshalb:
Für das richtige Garen in der Mikrowelle sind Gefäße
aus hitzebeständigem Glas zu verwenden.
Andererseits wird beim Garen mit der Mikrowelle das krebserregende Benzpyren
vermieden, das entsteht, wenn beim herkömmlichen Garvorgang die Kruste
zu dunkel ausfällt bzw. wenn Speisen am heißen Topfboden anbrennen.
Stoffe, die von der Mikrowelle selbst neu gebildet werden
und die die Gesundheit schädigen, gibt es keine. Oftmals wird in
diesem Zusammenhang jedoch von Strahlung und ihren gesundheitsbeeinträchtigenden
Eigenschaften gesprochen. Darauf soll im nächsten Kapitel eingegangen
werden.
3. Können elektromagnetische Wellen das Essen verstrahlen
und/oder nach außen dringen und durch ihr Feld die Gesundheit des
Menschen beeinträchtigen?
Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mitteilt, ist in seriösen
Versuchen und Forschungen kein einziger Hinweis auf eine Schädigung
von Gewebe oder Zellen der Personen gefunden worden, die in der Mikrowelle
zubereitete Nahrung zu sich genommen hatten. Auch aktuelle Untersuchungen
seriöser Wissenschaftler lassen keine Hinweise auf irgendwelche Schädigungen
erkennen.
Um Missverständnisse zu vermeiden, gleich vorweg: Nahrungsmittel,
die in der Mikrowelle zubereitet werden, werden dadurch nicht verstrahlt!,
wie leider immer wieder fälschlicherweise behauptet wird. Wenn das
Gerät ausgeschaltet ist, gibt es auch keine Mikrowellen mehr
weder innerhalb des Geräts noch im Essen selbst. Vergleichen kann
man dies mit dem sichtbaren Licht: ist der Schalter auf AUS, dann bleibt
auch kein Licht zurück. So ist auch die Geschichte von der Strahlung,
die durch das Garen in der Mikrowelle ins Essen eindringt, dort verbleibt
und dann durch den Essvorgang in den Magen gelangt, um von hier aus gesundheitliche
Schäden auszulösen, nichts weiter als eine Geschichte und physikalisch
weder begründbar noch möglich.
Im niederländischen TNO Nutrition and Food Research Institute in
Zeist unternahmen im April 1995 D. Jonker und HP. Til folgende Untersuchung:
Sie fütterten 10 männliche und 10 weibliche Wistar-Ratten mit
für Menschen vorgesehenen diätischen Lebensmitteln. Dabei wurde
ein Teil der Nahrung im konventionellen Ofen erhitzt, das Futter der anderen
in der Mikrowelle zubereitet. Beide Futterarten wurden anschließend
gefriergetrocknet, granuliert und mit entsprechenden Vitaminen und Mineralstoffen
angereichert. Nun teilte man die Ratten in zwei Gruppen, denen man das
unterschiedlich zubereitete Futter dreizehn Wochen lang reichte. Eine
vollständige Untersuchung der Ratten, insbesondere hinsichtlich Wachstum,
Vermehrung, Knochendichte, Gendefekten, Blutinhaltstoffen etc. , ergab
keinerlei Hinweis auf irgendwelche Unterschiede bezüglich der verwendeten
Garmethoden.
Auch das Bundesamt für Strahlenschutz hat sich zu diesem Thema geäußert:
Nach heutigem Erkenntnisstand kommt es zu keinen gesundheitlich bedenklichen
Veränderungen in Lebensmitteln durch Mikrowellenbehandlung. Sowohl
hinsichtlich des ernährungsphysiologischen Wertes als auch der hygienischen
Qualität der erhitzten Lebensmittel ist vor allem die Sorgfalt bei
der Zubereitung und Erhitzung entscheidend. Die Herstellerhinweise zum
Garen von Speisen in Mikrowellengeräten sollten deshalb unbedingt
beachtet werden.
Auch die Frage, ob Mikrowellen aus dem Gerät austreten und dann Personen,
die sich in der Nähe aufhalten, schädigen können, wird
des öfteren gestellt. Dabei muss zunächst verdeutlicht werden,
dass es keine Wellen gibt, weder im Gerät noch außerhalb des
Gerätes, wenn das Gerät selbst nicht eingeschaltet ist.
Auch die Anmerkung Nehmen sie das Gerät nicht in Betrieb, wenn
es leer ist ist keine Warnung, dass die Wellen dann nach außen
treten, sondern dient lediglich dem Schutz des Gerätes, da durch
unerwünschte Reflexion aufgrund des fehlenden Gargutes
das Klystron zerstört werden könnte.
Die ICNIRP (International Commission on Non-Ionising Radiation Protection)
hatte 1998 eine entsprechende Richtlinie veröffentlicht, die sich
auf die sog. Leckstrahlung bezieht. Verschiedene Länder, wie auch
die Internationale Elektrotechnik Kommission (IEC), das Internationale
Komitee zur Elektromagnetischen Sicherheit (ICES), der IEEE und das europäische
Komitee für elektrotechnische Standards (CENELEC) haben hierfür
einen Grenzwert von 50 Watt pro m² festgelegt, der an keinem Punkt
außerhalb von 5 cm der Gehäuseoberfläche der Mikrowelle
überschritten werden sollte.
Sorgen um gesundheitsschädliche Wirkungen durch eine Leckstrahlung
sind unbegründet. Sie liegt um das Tausendfache unter dem Grenzwert!
bestätigt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), nachdem es
umfangreiche und repräsentative Messungen an Mikrowellengeräten
durchgeführt hat. Bei allen Geräten trat zwar in der Umgebung
der Sichtblende und der Türen Leckstrahlung auf; sie war jedoch stets
äußerst gering. An den üblichen Aufenthaltsorten in der
Umgebung von Mikrowellengeräten liegt die (gerade noch) erfassbare
Strahlung um mehr als das Tausendfache unter den gesetzlich vorgeschriebenen
Grenzwerten. Gesundheitsgefahren gehen daher von intakten Geräten
nicht aus.
4. Schlussbetrachtung
Die Betrachtung der unterschiedlichen Aspekte zum Thema Ist Essen
aus der Mikrowelle ungesund? kann man folgendermaßen zusammenfassen.
Essen aus der Mikrowelle ist nicht gesund, weil
- oftmals minderwertige und vorgefertigte Speisen wie auch tiefgefrorene
Nahrungsmittel verwendet werden, die aufgrund dessen allein schon weniger
an gesunden Inhaltsstoffen enthalten und
- Speisen in der Mikrowelle durch die Art des Garvorgangs einen großen
Verlust an wichtigen Antioxidantien erleiden.
Die Mikrowelle ist aber nicht schädlich, da
- keine Mikrowellen nach außen dringen bzw. eine eventuell vorhandene
Leckstrahlung weit unter den Grenzwerten liegt und
- sie nach dem heutigen Stand der Wissenschaft und Forschung die Nahrungsmittel
weder radioaktiv werden lässt noch sie so verändert, dass
die Gesundheit des Menschen beeinträchtigt wird.
Hält man sich an die üblichen Hygienegrundregeln und Herstellerhinweise,
sind auch Gefahren wie Vergiftung (falsches Kochgut), Salmonellenerkrankungen
u.ä. (nicht genügend durchgegart) bzw. Verbrennungen (unvorsichtige
Vorgehensweise) auszuschließen, zumal sie bei anderen Garmethoden
ebenso passieren können.
Dipl.-Ing. Regina Reichardt, Forschungsgemeinschaft Funk, Bonn
Literatur/Quellen
- Stiftung Warentest, test 10/2002: www.warentest.de
- Uni Bonn, Zweig Ernährungswissenschaften, Gesundes Essen:
http://www.ehw.uni-bonn.de
- Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund, Muttermilch:
http://www.fke-do.de
- Deutsches Ernährungsberatungs- und Informationsnetz: http://www.ernaehrung.de
- Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel,
Ernährung und Hygiene: http://www.bfa-ernaehrung.de
- BfS, Sind Mikrowellengeräte gefährlich?: www.bfs.de
- Bfe: http://www.bfa-ernaehrung.de/Bfe-Deutsch/Information/ehlm06/irradiat.htm
- WHO, Regional Office for Europe, 12 steps to healthy eating:
http://www.who.int/health_topics/en
- Mikrowellenöfen zerstören Antioxidantien: http://www.wissenschaft.de/wissen/news/231069.html
- Microwave Cooking: http://www.xpressnet.com/bhealthy/microwave.htm
- Veggies Lose Antioxidants in the Microwave: http://www.hon.ch/News/HSN/515591.html
- June Russel, June Russel's Health Facts; Microwaves:
http://www.jrussellshealth.com/microwaves.html
- Nicols Fox, Spoiled, Jahrbuch 1997; Toxic Environment
Program 97-08-31-B; http://www.wpr.org/book/970831b.htm#segment%201
- Medizin 14.12.2000; Mangel an Antioxidantien Ursache
von Kwashiorkor; University of Florida (UF)/Washington University;
Bericht im Journal of Pediatrics
- Wei Zheng, W. und Wang, S. Y., U.S. Department of Agriculture in
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and Food Chemisty; 2002
- Leitgeb, Norbert: Machen elektromagnetische Felder krank?,
ISBN 3-211-83420-6 Springer Verlag Wien New York, 1990
- Ramesh, M.N., Wolf, W. , Tevini, D., Bognár, A.: Microwave
Blanching of Vegetables, Journal of Food Sience Vol. 67,
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