Der US-amerikanische Radiosender bei Holzkirchen


Seit 1951 betrieb das US-amerikanische »International Broadcasting Bureau« (IBB) auf dem Areal der Gemeinde Valley in der Nähe von Holzkirchen (Bayern) einen leistungsstarken Rundfunksender, welcher seither auf verschiedenen Frequenzen im Mittelwellen- und Kurzwellenbereich mit einer Sendeleistung von bis zu 1 Megawatt die für das Ausland bestimmte Programme »Radio Free Europe« und »Radio Liberty« ausgesendet hat.

Diese Sendeanlagen mit ihren 100 Meter hohen Antennen wurden in den 90er Jahren zum Gegenstand heftiger politischer Kontroversen. Anwohner, Gemeinden und verschiedene Initiativen forderten eine komplette Abschaltung der Anlage und begründeten dies mit den ungeklärten gesundheitlichen Auswirkungen der elektromagnetischen Felder. Wiederholt wurden dabei auffällige Häufungen bestimmter Beschwerden (z. B. Schlafstörungen oder Kopfschmerzen) und Krebserkrankungen ins Feld geführt und auf mögliche Auswirkungen auf Herzschrittmacher hingewiesen. In der Umgebung störte der Sender Elektrogeräte aller Art und ließ nicht nur Heimorgeln, Steckdosen und Waschmaschinen zu ukrainisch sprechenden Rundfunkempfängern werden, sondern tönte auch aus Kochtöpfen, Dachrinnen oder Wasserhähnen.

Seit April 2001 wurde nach der Abschaltung des Mittelwellensenders nur noch auf Kurzwelle gesendet, was den Betroffenen jedoch noch nicht genügte und im Mai 2002 beschloss auf ihren Druck hin der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages einstimmig, die Bundesregierung möge den Amerikanern den im Sommer 2005 auslaufenden Pachtvertrag für das Areal kündigen.
Nachdem im September 2003 bekannt wurde, dass das IBB den Sendebetrieb sogar noch eher einstellen wollte, geschah dies dann zur Freude der Anwohner zum 31.12.2003.


Gesundheitliche Beeinträchtigungen?

Als Zusammenfassung einer von der TU München gemachten Studie zur Untersuchung einer eventuell erhöhten Krebsrate der Auszug aus einer Presserklärung des Bayerischen Umweltministeriums vom November 1999:

Krebsrate in Holzkirchen, Valley und Warngau liegt im statistischen Durchschnitt

Kritik an Mortalitätsstudie ungerechtfertigt

Die vom Bayerischen Umweltministerium in Auftrag gegebene Mortalitätsstudie für die Gemeinden Holzkirchen, Valley und Warngau lässt nur eine Schlussfolgerung zu: In der Umgebung des Senders Oberlaindern liegen keine Auffälligkeiten für höhere Krebssterberaten vor; statistisch erkranken dort nicht mehr Menschen an Krebs als anderswo in Bayern. Die Vergabe der Studie erfolgte auf Drängen der drei Gemeinden sowie der örtlichen Bürgerinitiative. Dabei wurde auch dem Wunsch der Gemeinden bei der Gutachterauswahl entsprochen und eine anerkannte Expertin vom Humanwissenschaftlichen Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Begutachtung beauftragt. Die von ihr angewandten Untersuchungsmethoden und Vorgehensweisen orientierten sich streng an wissenschaftlichen und international üblichen Verfahren.
Die von Professor Frentzel-Beyme geäußerte Kritik an der Studie geht fehl. Sogenannte epidemiologische Studien und Betrachtungen von kleinen Bevölkerungsgruppen lassen keine Rückschlüsse auf die Ursachen von Krebssterberaten zu. Von Einzelfällen auf Gesamttrends zu schließen, ist ebenfalls nicht sachgerecht. Die Aussagekraft statistischer Untersuchungen über Gesundheitsrisiken ist umso größer, je mehr Personen die Untersuchungsgruppe erfasst. Werden nur Einzelfälle betrachtet, ist die Fehlerquote zwansgsläufig groß und eine wissenschaftliche Ausssagekraft nicht mehr gegeben. Bekanntlich werden die einzelnen Krebsfälle von einer Vielzahl von Faktoren, wie z.B. Lebensgewohnheiten, Ernährung, Rauchen oder Erbanlagen beeinflußt, die bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind.

Original: http://www.umweltministerium.bayern.de/aktuell/newsroom/presse/1999/609.htm (nicht mehr verfügbar)


Der Bremer Präventionsforscher Prof. Dr. med. Rainer Frentzel-Beyme veröffentlichte in der Zeitschrift umwelt-medizin-gesellschaft im April 2002 einen Beitrag, der sich mit der Erfassung und Bewertung von subjektiven Beschwerden der Anwohner des Senders beschäftigt. Zugleich gibt er darin einen Überblick über Untersuchungen bei anderen Radiosendern:

Bevölkerungsbezogene Erfassung und Bewertung von subjektiven Beschwerden der Anwohner in der Umgebung des Senders Oberlaindern (11 Seiten, 198 KB)

Ende 2007 erschienen in der gleichen Zeitschrift die Ergebnisse einer "Nachstudie", welche die Veränderungen der gesundheitlichen Beschwerden nach der Abschaltung des Senders dokumentieren sollen:

Subjektive Beschwerden der Anwohner in der Umgebung des Senders IBB Oberlaindern: Ergebnisse der Nachstudie (Abstract)

 
Zu solchen Erfassungen subjektiver Beschwerden bzw. epidemiologischen Untersuchungen schrieb allerdings die Strahlenschutzkommission bereits im September 1998 (Auszug):

Aussagefähigkeit möglicher epidemiologischer Studien in der Umgebung der Sendefunkanlage in Holzkirchen-Oberlaindern

Die Bewohner der Umgebung der Sendeanlage klagen über gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie Schlafstörungen und Kopfschmerzen, die sie in ursächlichem Zusammenhang mit dem Betrieb der Sendeanlage sehen. Zur Klärung der Frage eines solchen ursächlichen Zusammen-hangs wurden Überlegungen angestellt, epidemiologische Untersuchungen über die Häufigkeit von Schlafstörungen und Kopfschmerzen im Gebiet des genannten Senders und einiger vergleichbarer Sender in übrigen Gebieten der Bundesrepublik Deutschland durchzuführen.

Die Strahlenschutzkommission kommt nach eingehender Diskussion zu der Auffassung, daß eine epidemiologische Studie - trotz der grundsätzlichen Eignung dieser Methode für die Untersuchung von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit - im vorliegenden Fall kein geeignetes Mittel ist, um wissenschaftlich zu ermitteln, ob die Sendeanlagen als mögliche unmittelbare Ursache der genannten Gesundheitsstörungen in Betracht kommen. Ein wesentlicher Grund für diese Einschätzung ist, daß Personen aus dem Gebiet der Sendefunkanlage IBB, die als Probanden zu einer solchen Studie herangezogen würden, durch die Berichterstattung in den Medien vermutlich bereits beeinflußt sind, was die Darstellung nur subjektiv erkennbarer Beschwerden erfahrungsgemäß verändert und damit den Wert einer derartigen Studie bei dieser Anlage in Zweifel stellen würde. Dies würde auch für Probanden in den Bereichen anderer Sendeanlagen gelten, da hier die gleichen Regeln der Informationsübermittlung gelten.

Diese Aussage bezieht sich nur auf epidemiologische Studien über ausschließlich subjektiv erkennbare Beschwerden in Gebieten mit starker Beeinflussung durch Berichterstattung in den Medien. Im Rahmen anderer, insbesondere geeigneter neurophysiologischer Untersuchungen sollten die biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder im Hochfrequenzbereich, einschließlich gesundheitlicher Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen und Kopfschmerzen, über ein breites Frequenzband eingehend untersucht werden.

Original: http://www.ssk.de/werke/kurzinfo/1998/ssk9814.htm?thema

Mehr Information:

Infoseite zum IBB Holzkirchen
Eine Seite auf der privaten Homepage von Dr. Hansjörg Biener mit einigen Informationen zu dem Sender.

 

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Zuletzt geändert: 13.01.08