Aktuelle Themen der Woche 18

28. April - 4. Mai 2008

   

Forschung
Österreichische Studie zu Genschädigungen durch UMTS in der Kritik

Der Biologe Prof. Alexander Lerchl von der Jacobs-University in Bremen hat einen wissenschaftlichen Kommentar zu einer kürzlich veröffentlichten Nachfolgestudie zum Reflex-Projekt vorgelegt, in der die Autoren von einer signifikanten Zunahme der DNA-Strangbrüche nach UMTS-Exposition weit unterhalb der Grenzwerte für Teilkörperexposition berichten. Lerchl beschreibt in seinem Kommentar Widersprüche sowie statistische Mängel und Fehler, auf die er bei der Überprüfung der veröffentlichten Daten gestoßen ist.

Während Fachleute durch die Veröffentlichung im Fachmagazin Occupational and Environmental Health ohnehin über diesen Kommentar in Kenntnis gesetzt und zu Diskussionen veranlasst werden, versuchte Prof. Lerchl über eine Vorstellung desselben in verschiedenen "Elektrosmog"-Foren auch Laienkreise zu erreichen: Die Ausgangsstudie ist schließlich Bestandteil vieler neuerer mobilfunkkritischer Agumentationen, wenn auch nicht immer in korrekter Interpretation. Allerdings zeigen die bisherigen Reaktionen bis auf wenige Ausnahmen, dass abgesehen von einem unzureichenden Verständnis der Grundlagen und Zusammenhänge der angesprochenen Mobilfunkkritikerszene neben der Kompetenz auch offensichtlich die Bereitschaft fehlt, eine thematisch passende Diskussion zu führen.
Siehe die Diskussionsstränge bei Elektrosmoginfo, Gigaherz, IZgMF und hese.

  

Recht
Schweiz: Geplante Revision der NISV mit mehr Details zum "engen räumlichen Zusammenhang von Mobilfunkantennen"

In einem Entscheid vom 6. November 2007 hat sich das Bundesgericht mit der Frage auseinandergesetzt, wann nahe gelegene Mobilfunksendeantennen als Teil der zu beurteilenden Anlage gelten und hinsichtlich der Einhaltung des Anlagegrenzwertes zu berücksichtigen sind. Mit einer Revision der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) sollen die Anliegen des Bundesgerichts umgesetzt werden.

 

Forschung & Dosimetrie
Warnungen und Halbwahrheiten zur Mobiltelefonnutzung aus Australien

In Australien sorgte in den vergangenen Tagen ein Fernsehbeitrag in den TodayNight vom 28.04. für Diskussionsstoff, in dem es eingangs um warnende Äusserungen des Leiters des australischen Beitrags zur Interphone-Studie, Prof. Bruce Armstrong geht und der darin die Möglichkeit eines erhöhten Hirntumorrisikos für Langzeitnutzer von Mobiltelefonen beschreibt. Im zweiten Teil werden Messungen von am Körper betriebenen Mobiltelefonen beschrieben, welche eine erhebliche Überschreitung des von der ICNIRP empfohlenen Grenzwertes der SAR von 2 W/kg aufgezeigt haben sollen.

Während die Auslegung der Forschungsergebnisse von Interphone wie immer Interpretationsspielraum lassen, sind die vorgestellten SAR-Messungen dagegen definitiv falsch: Denn während die Messmethode für am Ohr betriebene Mobiltelefone in dem internationalen Standard IEC 62209-1 festgelegt und beschrieben wird, wurde der davon abweichende Standard IEC 62209-2 für am Körper betriebene Mobiltelefone noch gar nicht fertiggestellt und veröffentlicht (erwartet im Herbst 2008). Eine heute durchgeführte Messung kann demnach gar keine Gültigkeit und Vergleichbarkeit besitzen, zumal sich auch die Messmethode ebenso wie die Eigenschaften des Messphantoms (Rumpf- statt Kopfmodell) unterscheiden.
In dieser Richtung äusserte sich dann auch die "Australian Mobile Telecommunications Association" (AMTA); in einem Vortrag zu einem Projekt des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms kann man die Besonderheiten bei SAR-Messungen am Rumpf erfahren:

     

Kurz & bündig
Kurznachrichten und neue Links aus dem EMF-Geschehen

   

Medien
Elektrosmog, Funktechnik und Mobiltechnologienutzung in den Medien

Elektrosmog

  • Antennen in der Haut (NZZ vom 30.04.08)
    Wissenschafter aus Israel behaupten, dass unsere Haut auch auf elektromagnetische Strahlung aus einem bestimmten Frequenzbereich von einigen Dutzend bis zu einigen hundert Gigahertz reagiert.
     
  • Informationsabend zum Thema Elektrosmog stark besucht (Wiesentbote vom 28.04.08)
    Dieser Bericht von einer "Informations"veranstaltung, auf der der Karlsruher Physiker Dr. Volker Schorpp und die Bamberger Ärztin Dr. med. Cornelia Waldmann-Selsam. referierten, endet dank deren Vorarbeit mit dem Satz: "Die Angst der Bürger um ihre Gesundheit konnte leider nicht beruhigt werden".

 

Mobiltechnologienutzung

 

Elektrosmog-Historie
Der Blick zurück: Was war vor fünf Jahren? - Literaturstudie des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel "Hochfrequente Strahlung und Gesundheit"

Ende April 2003 veröffentliche das damalige Schweizerische "Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft" (BUWAL) diese Studie der Universität Basel. Darin wurden mit Stand Ende 2002 über 200 wissenschaftliche Studien ausgewertet, die sich mit der Auswirkungen hochfrequenter Strahlung von Sendeanlagen, Mobiltelefonen und anderen Geräten auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen befassen.

Im Juni 2007 präsentierte der Nachfolger des BUWAL, das "Bundesamt für Umwelt" (BAFU), mit dem Bericht Hochfrequente Strahlung und Gesundheit - Bewertung von wissenschaftlichen Studien im Niedrigdosisbereich, Stand: September 2006 eine Aktualisierung dieser Übersicht von 2003. Er basierte auf fast 150 wissenschaftlichen Publikationen zur Hochfrequenzexposition am Menschen, die seit Ende 2002 bis September 2006 veröffentlicht wurden.

   

Off-Topic
Zweiter Kongress zu Kinderleukämie in London

Auf dem diesjährigen, viertägigen Kongress zu Kinderleukämie in London dominierte die Vorstellung einer Metastudie, nach welcher der frühzeitige soziale Kontakt mit anderen Kindern das Risiko mindert, an einer akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) zu erkranken.

Kinderleukämie steht auch immer wieder im Mittelpunkt von Diskussionen als vermeintliche Folge von niederfrequenten Magnetfeldern oder hochfrequenter Exposition.
Mehr Information dazu

 

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Zuletzt geändert: 04.05.08