Aktuelle Themen der Woche 5

29. Januar - 4. Februar 2007

   

Forschung
Neues aus der Forschung am Menschen und der elektromagnetischer Verträglichkeit

  • Studie zur Gesundheit um einen militärischen Sender
    Im Jahr 2005 hat die Universität von Bristol (GB) unter Federführung von Prof. Alan Preece eine Untersuchung vorgelegt, welche den Gesundheitszustand von Einwohnern zweier in der Nähe einer seit einigen Jahren arbeitenden militärischen Sendeanlage gelegenen Gemeinden im Vergleich zu einer anderen Gemeinde betrachtet. Dazu erschien nun ein Artikel in einer Fachzeitschrift.
    Preece AW, Georgiou AG, Dunn EJ, Farrow S.: Health response of two communities to military antennae in Cyprus, Occup Environ Med. 2007 Jan 25; [Epub ahead of print]
    Abstract
    Untersuchungsbericht von 2005 (pdf, 733 KB)
     
  • Zusammenhang von Besiedlungsdichte und Gesundheitszustand in Schweden
    Hallberg O.: Adverse health indicators correlating with sparsely populated areas in Sweden, Eur J Cancer Prev. 2007 Feb;16(1):71-6.
    Abstract
     
  • Funksprechgeräte stören medizinische Geräte mehr als Mobiltelefone
    Stroud DB, Huang Y, Hansen L, McKenzie R.: Walkie talkies cause more electromagnetic interference to medical equipment than mobile phones, Australas Phys Eng Sci Med. 2006 Dec;29(4):315-20.
    Abstract
  

Recht
Schweiz: Bundesgericht weist in einem Urteil mehrere gängige Klagepunkte gegen Mobilfunkanlagen ab

Mit diesem am 2. Februar veröffentlichten Urteil 1A.129/2006 vom 10. Januar zu einer umstrittenen Mobilfunkanlage im Kirchturm von Zermatt weist das schweizerische Bundesgericht gleich mehrere Klagepunkte höchstrichterlich ab: Es ging dabei unter Anderem um die Zulässigkeit der Grenzwerte als solche, Immissionsmessungen und deren Bewertung sowie um die Zuverlässigkeit des neuen Qualitätssicherungssystems.

  

Recht
Finanzgerichtsurteil: Schutz gegen elektromagnetische Wellen nicht steuerlich absetzbar

Eine an MCS (Multiple Chemical Sensitivity) erkrankte und deswegen zu einem Grad von 70% behinderte Frau ist vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, Abschirmmaßnahmen gegen durch Mobilfunkanlagen und Handys erzeugte elektromagnetische Wellen von der Steuer abzusetzen. Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz wies eine Klage der Frau mit Urteil vom 16. Januar (Az: 2 K 1047/05) ab und gab damit dem Finanzamt Recht. Die Frau aus dem Raum Koblenz hatte in ihrer Einkommenssteuererklärung rund 38.500 Euro für Schutzmaßnahmen als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht.

Zu dem gleichen Urteil ist in einem ähnlichen Fall das Finanzgericht Baden-Württemberg im April 2005 gekommen.

  

Mobilfunkkritiker
Mobilfunkkritische Aktionen und Veröffentlichungen

  • Brüsseler Appell
    In Belgien haben Vertreter mehrerer mobilfunkkritischen Organisationen einen mit einer Unterstützerliste und Anhang versehenen Aufruf an die Regierung übergeben, die Grenzwerte auf höchstens 0,6 V/m zu senken. Derzeit gelten in Belgien Grenzwerte für die elektr. Feldstärke in Höhe der Hälfte des ICNIRP-Grenzwerts.
    Aufruf von Brüssel (pdf, 963 KB)
     
  • Joachim Schüz kommentiert für das IZGMF die dänische Kohortenstudie
    Das Informationszentrum gegen Mobilfunk (IZgMF) hat den Studienleiter der im Dezember 2006 veröffentlichten, groß angelegten dänischen Kohortenstudie zu Hirntumoren, Dr. Joachim Schüz, um eine Stellungnahme gebeten und auch erhalten.
    Zur Stellungnahme
     
  • Irische Mobilfunkkritiker treffen WHO-Vertreter
    Eine Guppe von organisierten irischen Mobilfunkkritikern hat im Januar auf dem Hauptsitz der WHO in Genf mehrere deren führende Verteter getroffen, um sich mit diesen in einem als positiv beschriebenen Gespräch auszutauschen.
    Meetingreport (pdf, 16 KB)
 

Medien
Medienecho auf die neueste Studie aus dem Interphone-Projekt

Mit der blickelockenden Überschrift "Handys können Krebs auslösen" eröffnete die Süddeutsche Zeitung mit ihrem Beitrag zur neuesten Interphone-Studie am 30.Januar einen Reigen von Medienberichten zu deren Ergebnis. Ein kleines Panorama:

  • Handys können Krebs auslösen (Süddeutsche Zeitung, ursprünglich am 30.01.07)
    Diese jetzt von der Homepage erhältliche Fassung wurde gegenüber der ursprünglichen, noch weniger fakengetreuen Version deutlich umgeschrieben, so wurde beispielsweise der dem insgesamten Studienergebnis widersprechende Satz "Neue Untersuchungen zeigen einen Anstieg des Risikos bei Menschen, die seit mindestens zehn Jahren regelmäßig oder besonders intensiv ein Handy benutzen" ohne weiterem Hinweis gelöscht.
     
  • Handys sorgen nicht für Krebs, aber für Schlagzeilen (Spiegel Online vom 31.01.07)
    Der Spiegel bringt mit seiner Zusammenfassung den süddeutschen Irrtum vom Vortag auf den Punkt:
    " In fünf Ländern haben Forscher Krebspatienten und ihre Mobilfunk-Gewohnheiten verglichen. Hinweise auf ein gesteigertes Hirntumor-Risiko durch Handy-Benutzung fanden die Wissenschaftler nicht - und wundern sich nun, dass eine deutsche Tageszeitung genau das verkündet hat."
     
  • Kein Beweis für Krebs durch Handys (Focus vom 31.01.07)
    Dieser dpa-Artikel wiederholt nicht den Fehler der Süddeutschen Zeitung, die Faktenlage der Schlagzeilenträchtigkeit unterzuordnen und beginnt mit dieser Zusammenfassung:
    "Trotz Verdachtsmomenten konnte eine Studie eine Gefahr durch Handystrahlung nicht beweisen. Das Problem: Um das Langzeitrisiko abzuschätzen, gibt es einfach noch nicht genug Langzeitnutzer."
     
  • Krebs durch Handy-Strahlung: Studie mit Widersprüchen (Hamburger Abendblatt vom 01.02.06)
    Hier werden die Aussagen der Süddeutschen Zeitung und der dpa nebeneinander gestellt und die gemeinsamen Punkte in kurzer Form herausgearbeitet.
     
  • KREBS-ANGST! - So stark strahlt Ihr Handy (Bild-Zeitung vom 01.02.07)
    Zu diesem phantasievollen Artikel kann man einige Richtigstellungen im BILDBlog nachlesen.
     
  • Angst essen Daten auf (Spiegel Online vom 01.02.07)
    Der Spiegel legt angesichts des anhaltenden Presseechos nach:
    "Die "Bild"-Zeitung beschwört "Krebs-Angst", obwohl Forscher das genaue Gegenteil berichtet hatten. Eine angebliche Sondersitzung des Bundesamtes für Strahlenschutz hat es nicht gegeben. Der wissenschaftliche Erkenntnisstand deutet auf einen klaren Trend hin - doch der gerät in den Hintergrund."

Einige weitere Artikel aus dem Umfeld dieser Studie:

  

Medien
Elektrosmog, Funktechnik und Mobiltechnologienutzung in den Medien

Elektrosmog

  • FMK-Maier: 8 von 10 Gemeinden sind über Mobilfunk gut informiert (Pressetext Austria vom 01.02.06)
    Die im Herbst 2006 bei 2.358 Gemeinden durchgeführte Umfrage mittels Fragebogen sollte überprüfen, ob die Österreichische Mobilfunkvereinbarung geeignet ist, über den Ausbau der Mobilfunk-Infrastruktur zu informieren: 425 Gemeinden, das heißt jede 5. oder 18%, haben geantwortet. Exakt 76 % der Gemeinden zeigen sich zum Thema Mobilfunk gut informiert, 91% davon bewerten die Vereinbarung als positiv und 4,5 % erkennen keinen Nutzen.
     
  • TEPU urges gov't to create strict electromagnetic radiation standards (The China Post vom 27.01.07)
    Andere Länder, andere Irrtümer: Eine noch gröbere Fehleinschätzung wie teilweise hierzulande bezüglich der Gültigkeit des Salzburger Vorsorgewertes für ganz Österreich gelang der Taiwanesischen Umweltschutzvereinigung. In ihrer Forderung nach niedrigeren Grenzwerten vertritt sie die Ansicht, dass in Deutschland in Innenräumen baubiologische Richtwerte von 5 µW/m² eingeführt seien.

 

Mobiltechnologienutzung

  • Mit dem Handy am Steuer: Rechtsprechung gerät in die Kritik (Heise Newsticker vom 02.02.07)
    Die gängige Rechtsprechung stehe im Widerspruch zu dem, was ansonsten im Auto erlaubt ist, sagen renommierte Verkehrsrechtler.
     
  • Erste Hilfe per Handy (Rhein-Mainer vom 02.02.07)
    Ab sofort erhalten Führerscheinschüler, die bei den Maltesern den vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren, kostenlos einen Code und eine Registrierungsnummer, mit der sie via Internet ganz leicht eine Erste-Hilfe-Software für ihr Handy herunterladen können.
     
  • Datenschützer warnt vor Missbrauch von Handy-Ortungsdiensten (de.internet.com vom 02.02.07)
     
  • BVZM: "Das Radio der Zukunft erreicht uns per Handy" (Radioszene vom 01.02.07)
    Das ist die Meinung von Pierre Bellanger, Chef von Skyrock, einer wichtigen und erfolgreichen Hörfunkketten in Frankreich. Und weil das so sein wird, meint der Radio-Chef, sollte in Frankreich die Politik die Zukunft des digitalen Radios endlich auf ihre Agenda nehmen und die Hersteller von Mobiltelefonen per Gesetz dazu zwingen, dass mit jedem Handy das digitale Radio der Zukunft gehört werden kann - egal, ob es in DVB-H, DVB-T oder anderen Normen durch die Luft kommt.
     
  • Handy liest Wikipedia vor (RFE online vom 01.02.07)
    Per SMS-Abfrage können Handyanwender ab sofort auf eine Sprachausgabe der Online-Enzyklopädie Wikipedia zugreifen.
     
  • Sprechende und funkende Plakatwände (Pressetext Schweiz vom 30.01.07)
    Im Kampf um die Aufmerksamkeit der Verbraucher verbindet der deutsche Außenwerbe-Spezialist Ströer Mobile Marketing mit Außenwerbung. An 30 Standorten in zehn deutschen Städten können Plakatwände personalisierte Werbebotschaften an Handys senden. Die Werbebotschaft wird via Bluetooth auf das Handy gefunkt.
 

Elektrosmog-Historie
Der Blick zurück: Was war vor fünf Jahren? - Das Gütesiegel für Handys

Nachdem in der Freiwilligen Selbstverpflichtung der deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber vom 5. Dezember 2001 auch ein Passus zu einem gewünschten neuen Gütesiegel für Mobiltelefone mit geringem SAR-Wert stand, verschärfte sich zu diesem im Januar 2002 die schon vorher begonnene Diskussion. Die Bundesregierung begann ein solches Gütesiegel anzumahnen, die Industrie sah und sieht unter Verweis auf den seit Oktober 2001 zu jedem Gerät angegebenen SAR-Wert ein solches Siegel jedoch mehr als Irreführung und vermutete vielmehr eine Grenzwertsenkung durch die Hintertür.
Im Juni 2002 erblickte schließlich der "Blaue Engel für Mobiltelefone" das Licht der Welt, dessen Erteilung neben einigen anderen Umwelteigenschaften einen maximalen SAR-Wert von 0,6 W/kg voraussetzt. Bis heute hat jedoch noch kein einziger Hersteller sein Interesse an einem solchen Siegel bekundet, ein einzelner Antrag eines französischen Herstellers vom Dezember 2006 erwies sich als Versehen und wurde wieder zurückgezogen.

Handy-Industrie wehrt sich gegen Gütesiegel für niedrige Strahlung (Heise Newsticker vom 01.02.02)

Blauer Engel für Mobiltelefone

Mehr Info zur Exposition durch Mobiltelefone

Aktuell ist in der Politik das Ganze mehr zu einem Thema der Opposition geworden, so existiert seit dem Herbst 2006 ein Antrag der FDP auf ein solches Gütesiegel und auch die Grünen fühlten sich durch die Interpretationen der neuesten Interphone-Studie (siehe oben) zu einer vergleichbaren Forderung veranlasst.

 

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Zuletzt geändert: 04.02.07