Aktuelle Themen der Woche 44

30. Oktober - 5. November 2006

   

Forschung
Neues aus der Dosimetrie, der Epidemiologie und zu Herzschrittmachern

  • Hauttemperaturerhöhung während Handynutzung kommt mehr durch Erwärmung des Gerätes als durch die Hochfrequenzenergie
    V. Anderson, J. Rowley: Measurements of skin surface temperature during mobile phone use, Bioelectromagnetics, Early View, Published Online 1 Nov 2006
    Abstract
    "Heiße" Ohren beim Telefonieren Ein Beitrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu zwei früheren Studien dieses Themas
     
  • Analyse zur Realisierung zukünftiger epidemiologischer Untersuchungen bei Mobilfunk-Sendemasten
    Neubauer et al: Feasibility of future epidemiological studies on possible health effects of mobile phone base stations, Bioelectromagnetics, Early View, Published Online 1 Nov 2006

    Abstract
     
  • Gibt es Interferenz zwischen Induktionskochflächen und Herzschrittmachern?
    Bei dieser Untersuchung an der Universitätsklinik Giessen wurde festgestellt, dass Herzschrittmacher je nach dessen Typ und Position zum Induktionskochfeld gestört werden können.
    Irnich W, Bernstein AD.: Do induction cooktops interfere with cardiac pacemakers?, Europace. 2006 May;8(5):377-84. Epub 2006 Mar 23.
    Abstract
    Mehr Information zu Induktionskochflächen im Elektrosmogreport April 2002 (pdf, 134 KB)
 

Mobilfunkindustrie & Forschung
Mobile Abstracts August und September 2006 erschienen

Nach einer kleinen Pause stellen das Mobile Manufacturers Forum (MMF) zusammen mit der GSM Association mit den August- und Septemberausgaben ihrer "Mobile Abstracts" wieder die Titel und Auszüge aus einigen in den letzten Monaten neu veröffentlichten Studien vor.

  

Recht
Frühere Sendergegner des Kurzwellensenders Schwarzenburg planen Sammelklage

Frühere Sendergegner des 1998 stillgelegten Kurzwellensender Schwarzenburg (Schweiz) planen kurz vor der Verjährung eine Sammelklage und fordern Schadenersatz für durch sie empfundene Gesundheitsschäden.

Es gab in der Vergangenheit mehrere Untersuchungen zum Gesundheitszustand der Anwohner um den Kurzwellensender Schwarzenburg, die letzte davon im Februar 2006. In der Zusammenfassung der Dokumentationsstelle Elmar liest sich die Schlussfolgerung aus dieser Studie wie folgt:

Die Autoren schliessen aus ihren Resultaten auf einen Zusammenhang zwischen dem Betrieb des Kurzwellensenders und der Schlafqualität in der exponierten Bevölkerung. Die Ergebnisse sind mit einem kausalen Dosis-Wirkungsmodell der Beziehung zwischen Hochfrequenzexposition und Schlafqualität sowie Melatoninausschüttung kompatibel. Ein direkter biologischer Mechanismus kann aus dieser beobachtenden Studie nicht abgeleitet werden, ein psychologischer Effekt ist nicht auszuschliessen

Bezüglich der Häufigkeit körperlicher bzw. chronischer Krankheiten wie Krebs oder Zuckerkrankheit wurde bereits in einer früheren Untersuchung kein Zusammenhang gefunden, wobei jedoch die Bevölkerungszahl für einen wissenschaftlichen Nachweis zu klein war.

   

Mobilfunkkritiker
Mobilfunkkritische Aktionen und Veröffentlichungen

  • Auszug vom Internationalen Fachkongress "Medizin und Baubiologie" am 19. Oktober in Zürich
    Die Bürgerwelle Schweiz veröffentlicht auf ihrer Homepage zu dieser Tagung über innenraumbedingte Erkrankungen (Raumluftschadstoffe) und Erkrankungen durch elektromagnetische Felder und Strahlungen zwei Auszüge aus den Vorträgen zweier Ärztinnen. Zu Wort kommen Dr. Yvonne Gilli mit einem Situationsbericht über das Verhältnis der Ärzteschaft zu den umweltbedingten Erkrankungen sowie Dr. Cornelia Waldmann-Selsam mit einem Referat über das „Mikrowellensyndrom“.
     
  • DNA bricht je nach Sponsor
    Mit diesem Beitrag fasst die schweizerische Kritikerorganisation diagnose-funk mehrere in den letzten Monaten erschienenen Kritiken an der internationalen Forschung zu biologischen Wirkungen elektromagnetischer Feldern zusammen.
 

Gesellschaft
"Goldene Regeln für den Mobilfunk-Streit"

Unter dem Pseudonym "clara clarblic" wurde auf der Online-Plattform indymedia.com nun bereits das dritte Mal in diesem Herbst ein Artikel plaziert, der sich kritisch mit den Aktivitäten von Mobilfunkkritikern auseinandersetzt:

  • Goldene Regeln für den Mobilfunk-Streit (indymedia.og vom 01.11.06)
    Wie man mit Mobilfunkgegnern diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. - Der Beitrag liefert in der Praxis erprobte Hinweise für die Auseinandersetzung mit irrationaler Agitation, am Beispiel des in deutschen Kommunen stattfindenden Streits um Mobilfunkstationen. - Ein Leitfaden für Betroffene.

Die beiden vorangegangenen Beiträge waren:

  • Die Geschichte einer missglückten Kampagne (indymedia.org vom 30.09.06)
    Mobilfunkkritische Aktivisten haben sich in einer populistischen Kampagne gegen einen Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation WHO versucht. - Der Vorgang wirft ein Licht auf die Praktiken einer Szene, die mit Angriffen auf Personen ebenso wenig zimperlich ist, wie sie ihren einseitig selektiven Umgang mit wissenschaftlichen Studien pflegt.
     
  • Das Erzeugen von Angst als Methode (indymedia.org vom 07.09.06)
    Dieser Artikel beschreibt den im Kern totalitären Charakter der mobilfunkkritischen Aktivisten-Szene und grenzt diese anti-moderne Bewegung von den ökosozialen Bewegungen ab.

Eine alle zufriedenstellende Konfliktlösung bei Mobilfunkdiskussionen erscheint wie eine Quadratur des Kreises: Erstrebenswert aber unerreichbar. Daher gab es in der Vergangenheit bereits mehrere Versuche, zumindest Lösungsansätze dafür bereitzustellen. Eine Auswahl:

  • Alternative Streitbeilegung in der aktuellen EMVU-Debatte
    Diese Studie der wik-Consult GmbH entstand im Auftrag des BMWA und befasst sich mit alternativen Verfahren zur Streitbeilegung (ADR) im Hinblick auf deren Eignung bei der Lösung vom EMVU-Streitigkeiten. Insbesondere ist das Mediationsverfahren an einem aktuellen Besispiel im Raum München untersucht worden. Anhand des Beispiels hat sich gezeigt, dass sich Mediationsverfahren nur in beschränktem Maße zur Lösung von EMVU-Konflikten eignen.
     
  • Konfliktfeld Mobilfunk: Kommunale Handlungsspielräume und Lösungsstrategien
    Eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (difu) im Auftrag des Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) vom Februar 2003 mit den kommentierten Ergebnissen einer Befragung von Kommunen und Netzbetreibern.
    Komplettstudie (136 Seiten, pdf, 644 kB)
     
  • Praxisleitfaden „Information und Dialog bei der Standortsuche von Mobilfunkanlagen“
    Dieser für das Sozialministerium von Baden-Württemberg erstellte Leitfaden entstand aus der erfolgreichen Abschluss eines Modellprojekts und richtet sich insbesondere an Gesundheitsämter, Stadtplanungs- und Liegenschaftsämter sowie verantwortliche kommunale Entscheidungsträger (Dez. 2003, pdf, 734 KB)
  

Nachlese
Russische Behörden vernichten 50 000 Motorola-Handys - oder doch nicht?

Russische Behörden vernichten 50 000 Motorola-Handys - diese Überschrift ist im April 2006 manchem schadenfroh ins Auge gestochen: Der russische Zoll hatte Ende März eine Ladung von 167.500 Motorola-Handys wegen angeblicher Überschreitung der russischen Grenzwerte beschlagnahmt und 50.000 davon sollten damals vor laufenden Kameras in einer Müllverarbeitungsanlage bei Moskau entsorgt worden sein. Die russische "Müllverarbeitung" entspricht jedoch offensichtlich nicht in allen Punkten den westlichen Vorstellungen, sind doch - der Identifizierung durch die IMEI-Nummer sei Dank - 30.000 davon in der russischen Provinz zwischenzeitlich verkauft worden, offensichtlich unter Beteiligung der russischen Polizei.

In Russland existiert seit dem Jahr 2003 für Mobiltelefone ein Immissionsgrenzwert von 30mW/m² in einem Abstand von 37cm zum Gerät. Dieser in seiner Definition weltweit einmalige Grenzwert bezieht sich damit nicht auf die bei Mobiltelefonen interessierende Exposition bei der Nutzung am Kopf und wird daher von den Herstellern abgelehnt, er steht auch in Russland im Mittelpunkt von Diskussionen. In allen anderen Ländern mit Vorschriften oder Empfehlungen zu Grenzwerten von Mobiltelefonen wird dieser in Form des körpernah zu ermittelnden SAR-Wertes angegeben.

    

Medien
Elektrosmog, Funktechnik und Mobiltechnologienutzung in den Medien

Elektrosmog

  • Strahlende Kirchtürme sollen Pfarren sanieren (Die Presse.com vom 03.11.06)
    Ein kleiner Überblick über Mobilfunkantennen in Österreichs Kirchtürmen.
     
  • Jedem seine Funkanlage (Zürcher Unterländer vom 02.10.06)
    Dieser Beitrag befasst sich mit GSM-R Mobilfunkanlagen für Bahnfunk der SBB, die alleine vom Bund bewilligt werden müssen.
     
  • Mobilfunk: Eltern fordern Stellungnahme der Landesregierung (saarland.uebergebuehr.de vom 31.10.06)
    Die Landeselternvertretung Grundschulen (LEV) frägt nach: Sie hat mit ihren Forderungen, unter anderem nach einer mobilfunkantennenfreie Zone im Umkreis von zwei Kilometern um Grundschulen bzw. Kindergärten noch nicht das gewünschte Gehör gefunden.

 

Funktechnik

  • 100 Jahre Frequenzregulierung (Heise Newsticker vom 30.10.06)
    Mit einem Festakt hat die internationale Fernmeldeunion (ITU) der Berliner Radiotelegraphie-Konferenz gedacht, auf der der "Funkentelegraphievertrag" entstand. Auf dieser zweiten internationalen Konferenz, die am 3. November 1906 zu Ende ging, unterzeichneten 27 seefahrende Staaten ein Abkommen, das heute noch als richtungsweisend gilt. Die Staaten verpflichteten sich, den damals gerade im Aufbau begriffenen Funkverkehr unabhängig von den Eignerinteressen der Funknetze durchzuführen.

 

Mobiltechnologienutzung

  • Lufthansa will Handy-Verbot nicht lockern (Heise Newsticker vom 05.11.06)
    Obwohl die Handy-Nutzung an Bord die Flugsicherheit nicht gefährdet, hält die Lufthansa wegen der Störung von mitreisenden Passagieren am Telefonier-Verbot fest.
     
  • SOS-Handy soll im Freien fast exakte Personen-Ortung ermöglichen (Teltarif vom 04.11.06)
    Seit langem fordern unter anderem Ärzte und Behindertenverbände mobile Geräte, die eine möglichst exakte Ortung von gefährdeten Personen ohne großen Aufwand ermöglichen. Ein neues Gerät soll unter idealen Bedingungen in der Lage sein, in Not geratene Nutzer bis auf einen Meter genau aufzuspüren.

 

 Zu den aktuellen Themen der Vorwoche (Woche 43/2006)

 

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Aktuelle Themen
    Aktuelle Themen der Woche 44 (30.10. - 05.11.2006)
 
Zuletzt geändert: 05.11.06