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Eger H.;Hagen K. U.;Lucas B.;Vogel P.;Voit H.: Einfluss der
räumlichen Nähe von Mobilfunksendeanlagen auf die Krebsinzidenz.
Umwelt - Medizin - Gesellschaft 2004: 17 (4), 326-332.
Abstract
der Originalpublikation
Kurzfassung
der Publikation:
Ziel:
Untersuchung des Risikos für Neuerkrankungen an bösartigen Tumoren
in der Umgebung einer Mobilfunksendeanlage in der süddeutschen Kleinstadt
Naila zwischen 1994 und 2004.
Kollektiv:
967 Personen, die in Naila lebten und als Patienten in einer Arztpraxis
registriert waren.
Exposition:
Mobilfunksendeanlage in "direkter Nähe" des Wohngebietes von Naila,
seit September 1993 in Betrieb. Leistung: 15 W pro Kanal, Frequenz:
935 MHz, Typ: GSM, gesamte Sendezeit: ca. 90'000 Stunden. Seit Dezember
1997 zusätzliche Installation durch einen weiteren Anbieter.
Methode:
Feldstudie mit Auswertung von Patientenunterlagen aus Arztpraxen
in der näheren bzw. weiteren Umgebung einer Mobilfunkbasisstation.
Das Wohngebiet um die Anlage herum wurde in einen Innenbereich mit
hoher Exposition und einen Aussenbereich mit niedrigere Strahlenbelastung
eingeteilt, zur Abgrenzung diente ein Radius von 400m. In beiden
Bereichen wurden nach dem Zufallsprinzip Strassenzüge ausgewählt
und aus den Unterlagen von vier allgemeinärztlichen Praxen die Anzahl
der in diesen Strassen wohnenden Patienten mit Tumorneuerkrankungen
ermittelt. Eingeschlossen wurden alle Personen, die seit 1994 an
einem bösartigen Tumor erkrankt waren und während des Beobachtungszeitraums
von 1994 bis 2004 nicht den Wohnort gewechselt hatten. Statistik:
Vergleich der Erkrankungshäufigkeiten mittels Chi-Quadrat-Test,
Berechnung des relativen Risikos und der Odds Ratios.
Resultate:
Ende 1993 waren in den berücksichtigten Strassenzügen 1045 Anwohner
gemeldet. Das Durchschnittsalter und das Geschlechterverhältnis
war in beiden Bereichen ähnlich. Aus den Praxisarchiven wurden 967
Patienten ermittelt, 320 von ihnen wohnten im Nahbereich und 647
im Fernbereich der Mobilfunkantenne. Insgesamt 34 Patienten erkrankten
im Beobachtungszeitraum neu an einem Krebsleiden: 18 von 320 Personen
im Nahbereich und 16 von 647 Personen im Fernbereich. Über den gesamten
Studienzeitraum (1994 bis 2004) ergab sich für die Personen im Nahbereich
ein relatives Krebsrisiko von 2,27 ((Konfidenzintervall fehlt)).
Die Odds Ratio lag bei 2,35 (95%-CI: 1.18-4.67). Bei Betrachtung
der ersten fünf Jahre des Beobachtungszeitraums (1994 bis 1999)
bestand kein signifikanter Unterschied im Erkrankungsrisiko der
beiden Bevölkerungsgruppen. Im Zeitraum zwischen 1999 und 2004 betrug
das relative Risiko einer Krebserkrankung für die Personen im Nahbereich
3,29 ((Konfidenzintervall fehlt)), für die Odds Ratio ergab sich
ein Wert von 3,38 (95%-CI: 1.39-8.25, 99%-CI: 1.05-10.91). Das Durchschnittsalter
der Patienten bei Erkrankung lag im Innenbereich bei 64,1Jahren,
im Aussenbereich bei 72,6 Jahren ((keine Angabe zur Signifikanz)).
Schlussfolgerung:
Die Ergebnisse zeigen, dass in den letzten fünf Jahren im Umkreis
von 400 m um die Mobilfunkanlage herum signifikant mehr neue Krebserkrankungen
auftraten als in einem weiter entfernten Vergleichsgebiet in derselben
Ortschaft. Die Autoren sehen in diesen Resultaten einen "Hinweis
auf einen zeitlichen und örtlichen Zusammenhang zwischen der Exposition
gegenüber GSM-Basisstationen und Krebserkrankungen" und fordern
weitere epidemiologische Studien.
Bemerkung:
Es ist unklar, wie stark die beiden Studiengruppen tatsächlich exponiert
waren. Der Abstand von einer Mobilfunkbasisstation ist ein schlechter
Indikator für das Ausmass der Strahlenbelastung, da die Exposition
beispielsweise in unmittelbarer Nähe der Antenne sehr gering sein
kann. Die Ergebnisse der im Artikel erwähnten Messungen werden nicht
publiziert. Zudem werden keine Angaben zu den Kriterien gemacht,
anhand derer die Vergleichbarkeit der Strassenzüge beurteilt wurde.
Das Standardvorgehen zur Untersuchung eines (ursächlichen) Zusammenhangs
zwischen EMF-Exposition und Krebsrisiko wäre eine gematchte Fall-Kontrollstudie.
Finanzierung:
"keine Fremdmittel"
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