Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt (EMVU) in der öffentlichen Diskussion

Situationsanalyse, Erarbeitung und Bewertung von Strategien unter Berücksichtigung der UMTS-Technologien im Dialog mit dem Bürger

Eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie


Diese Studie wurde im Auftrag des BMWi von wik-Consult, Bad Honnef im Mai 2002 erstellt und im September 2002 als Beitrag zur Versachlichung der öffentlichen Debatte über "Elektrosmog" veröffentlicht. Darin steht die umfassende Übersicht über die öffentliche Wahrnehmung und Diskussion im Vordergrund, eine Vorstellung bzw. Bewertung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes über Wirkungen elektromagnetischer Felder findet nicht statt.

Zur Einführung daraus das erste Kapitel (Download der Studie weiter unten):

Gegenstand und Zielsetzung der Studie

Seit die Mobilfunkfrequenzen für UMTS versteigert worden sind und die Lizenzerwerber damit begonnen haben, die Netzinfrastruktur und insbesondere die Funkantennen zu errichten, mehren sich in der Bevölkerung Anzeichen für Akzeptanzprobleme und einen scheinbar wachsenden Widerstand gegen die neue Mobilfunktechnologie. Der Einfluss elektromagnetischer Felder (EMF) auf den menschlichen Organismus scheint sich zu einem Politikum zu entwickeln, bei dem mögliche Auswirkungen zunehmend kontrovers diskutiert werden.

Insbesondere in der Medienberichterstattung sind die möglichen akuten und latenten Gesundheitsgefährdungen, die von der wachsenden Verbreitung und Dichte hochfrequenter elektromagnetischer Wellen ausgehen können, zunehmend Gegenstand der Betrachtung. Im Vordergrund stehen dabei zum einen die sog. “thermischen Effekte”, die durch Absorption der Sendeenergie entstehen und die zur Erwärmung des exponierten Körpergewebes führen. Wesentlich schwieriger stellt sich die Situation bei den sog. “athermischen Effekten” dar, die besonders kontrovers diskutiert werden. Das dabei problematisierte Spektrum reicht von diffusen Befindlichkeitsstörungen, Veränderungen des Melatoninspiegels und der Hormonproduktion über Einflüsse auf das zelluläre Wachstum bis hin zur Verursachung bestimmter Krebsarten wie etwa Leukämie oder Augentumore. Besonders strittig ist, ob die teilweise beobachteten Effekte auch unterhalb der geltenden Grenzwerte gesundheitliche Störungen oder Erkrankungen nach sich ziehen.

Die Befassung mit der elektromagnetischen Verträglichkeit zur Umwelt (EMVU) stellt jedoch kein durch UMTS entstandenes Problem dar, sondern besitzt einen historischen Vorlauf. In der Presse wurde die EMVU-Problematik schon vor fast zwei Jahrzehnten thematisiert, wobei damals – im Zuge der wachsenden Technisierung der Haushalte – die möglichen gesundheitlichen Gefahren von niederfrequenten Emissionsquellen wie Hochspannungsleitungen, Stromleitungen im Haus oder Elektrogeräte im Vordergrund standen. Zu jener Zeit wurde der Begriff „Elektrosmog“ eingebürgert, der die Befürchtung zum Ausdruck bringen soll, dass mit seinem Erscheinen ähnliche Probleme wie beim Auftreten von Luftschadstoffen verbunden sind. Die in der heutigen Medienberichterstattung verwendeten Begriffe „Handysmog“ oder „Mobilfunksmog“ nehmen hierauf Bezug.

Zu Beginn der 90er Jahre bekam die Diskussion um die Bedeutung des „Elektrosmog“ durch das Errichten von Sendemaststandorten für GSM in Deutschland neue Nahrung, als in zahlreichen Regionen Anwohner Bedenken äußerten und Bürgerinitiativen wie z.B. der Bundesverband gegen Elektrosmog zahlreiche Standorte per Gerichtsentscheid verhinderten. Eines der Kernargumente, dem auch vor Gericht besonderes Gehör geschenkt wurde, thematisierte die wachsende Dichte und Intensität sowie das ständige Hinzukommen neuer Emissionsquellen als ein nicht mehr hinnehmbares gesundheitliches Risiko. Auch im Rahmen des Aufbaus der UMTS-Netze spielt dieser Gesichtspunkt, trotz der heute in Deutschland erreichten GSM-Penetrationsrate von über 64 Prozent und der hohen Akzeptanz der Mobilfunktelefonie eine diffuse, wenngleich entscheidende Rolle.

Es scheint, als würde die öffentliche Meinung über den Mobilfunk, in deren Mittelpunkt bisher der Zugewinn an Komfort, ständige Erreichbarkeit, Mobilität sowie Sicherheit standen, zunehmend von Argumenten der damit möglicherweise verbundenen gesundheitlichen Risiken gespalten. Es kann daher nicht mehr ausgeschlossen werden, dass die EMVU-Debatte Folgewirkungen insbesondere auf den zügigen Ausbau der UMTS-Netze sowie auf die Nachfrage nach mobilen Kommunikationsdiensten zeitigt.

Es stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, welche Richtung die Behandlung dieser Thematik trotz gesetzlich festgelegter Grenzwertbestimmungen und trotz eines fehlenden, allgemein unumstrittenen wissenschaftlichen Kausalitäts-Nachweises in der öffentlichen Diskussion nimmt. Eine Prognose, wie sich die Debatte über „Elektrosmog“ durch Mobilfunk entwickeln wird, erfordert ein grundlegendes Verständnis davon, wie die Politik den vermuteten Risikopotenzialen begegnen kann, wie sich die Situation durch die Aufrüstung der GSM-Netze sowie die Einführung von UMTS verändert und wie die spezifischen Risiken wahrgenommen, in der Öffentlichkeit thematisiert und im Vergleich zu anderen Risikoformen bewertet werden. Ein vertieftes Verständnis dieses Prozesses bildet die Voraussetzung, um auf den Verlauf des öffentlichen Diskurses einwirken zu können. Auf dieser Basis lassen sich Hinweise und Anregungen formulieren, in welcher Weise die „UMTS-EMVU-Debatte“ durch die maßgeblichen Akteure der Wirtschaft, der Öffentlichkeit und der Politik versachlicht und durch Strategien zur Förderung der Kompromissbereitschaft entschärft werden könnte.

 

Inhaltsverzeichnis der Studie (4 Seiten, 27 KB)
"Management Summary" der Studie (7 Seiten, 39 KB)
Komplettfassung der Studie (218 Seiten, 1.2 MB)

Im Elektrosmogreport vom Oktober 2002 des Nova-Instituts wird diese Studie und deren Ergebnisse zusammen mit einer eigenen Bewertung vorgestellt.

 

 
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Zuletzt geändert: 29.10.02