Neue Studie der Universität Zürich: Handys beeinflussen die Gehirnaktivität


Forscher der Universität Zürich konnten zusammen mit Kollegen von IT’IS (Foundation for Research on Information Technologies in Society, Zürich) nachweisen, dass eine 30-minütige Bestrahlung mit elektromagnetischen Feldern wie sie von GSM Mobiltelefonen ausgesendet werden, die Gehirnaktivität verändert.

1. Die zugehörige Presseinformation der Universität Zürich vom 04.12.02:

Handys beeinflussen die Gehirnaktivität

Eine interessante Studie aus der neuesten Ausgabe des Jounal of Sleep Research (Blackwell Publishing) zeigt, dass eine 30-minütige Bestrahlung mit elektromagnetischen Feldern wie sie von GSM Mobiltelefonen ausgesendet werden, die Gehirnaktivität verändert. Die Veränderungen halten lange nach der Exposition an.

Dr. Peter Achermann und Kolleginnen und Kollegen der Universität Zürich und von IT'IS beobachteten, dass der regionale zerebrale Blutfluss in der exponierten Hirnhälfte erhöht war und dass dieser Effekt während mehr als einer halben Stunde andauerte.

Darüber hinaus stellten die Forschenden fest, dass die elektrische Aktivität des Gehirns (Hirnströme) während dem Schlaf verändert war. Auch dieser Effekt war über die ganze Nacht sichtbar.

Für das Experiment sassen die freiwilligen Probanden auf einem Stuhl während der Kopf zwischen zwei Antennen plaziert war. Nur eine der beiden Antennen war aber jeweils aktiviert. Weder die Versuchspersonen noch die Versuchsleitung wussten, welche es war.

Die Veränderungen der Hirnaktivität scheinen durch die Pulsmodulation des Handy-Signals verursacht zu werden. Nur die Trägerfrequenz veränderte die Hirnströme nicht.

In der Einschätzung der Befunde mahnt Dr. Achermann zur Vorsicht: "Es ist zu früh, Schlussfolgerungen über mögliche gesundheitliche Auswirkungen zu ziehen. Felder, wie sie beim Gebrauch von Mobiltelefonen entstehen, könnten sogar zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken Anwendung finden".

Anfragen an:
PD Dr. P. Achermann, Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universität Zürich
Tel.: 01 635 5959
Fax: 01 635 5707
Email: acherman@pharma.unizh.ch

Für weitere Informationen siehe: www.unizh.ch/phar/sleep/handy
Press Release issued by:
Blackwell Publishing Ltd, Osney Mead, Oxford OX2 OEL, UK
Contact: Tracey Milton (Email: tracey.milton@blacksci.co.uk)

Original: http://www.mediadesk.unizh.ch/2002/0703/PressRelease_d.pdf


2. Das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Uni Zürich hält auf seiner Homepage eine Seite mit Informationen zu seinen Schlafstudien etc. bereit. Nachfolgend die dort ebenfalls zu findende Zusammenfassung:

Einfluss von elektromagnetischen Feldern auf Schlaf, Schlaf-EEG und Blutfluss im Gehirn

Bisher lagen keine eindeutigen Befunde vor, dass der Gebrauch von Mobiltelefonen das Gehirn beeinflusst. Um diese Frage abzuklären wurden in der Abteilung Psychopharmakologie und Schlafforschung des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit IT'IS experimentelle Schlafuntersuchungen, sowie am PET- Zentrum des UniversitätsSpitals eine PET-Studie durchgeführt.

1. Studie: Intermittierende Exposition während des Schlafs

In einer ersten Studie wurden 24 Versuchspersonen nachts, d.h. während des Schlafs, intermittierend (15 Min. ein / 15 Min. aus) elektromagnetischen Feldern bei Mobilfunkfrequenzen ausgesetzt. Es wurden Feldstärken verwendet, welche in ihrer Wirkung dem halben Grenzwert für lokale Exposition entsprachen. Im Vergleich zu einer Kontrollnacht ohne Exposition wurden die folgenden Effekte beobachtet: 1. Die Hirnstromwellen (Schlaf-EEG) waren in einem bestimmten Frequenzbereich (7 - 14 Hz) verändert. Diese EEG-Veränderungen traten rasch in Erscheinung und bildeten sich im Laufe der Nacht vollständig zurück. 2. Die Dauer der kurzen nächtlichen Wachepisoden nach dem Einschlafen war reduziert.

2. Studie: Einseitige Exposition vor dem Schlaf

Die beschriebenen Befunde veranlassten uns, eine weitere Studie durchzuführen. Dabei wurden 16 Versuchspersonen vor dem Schlafengehen während 30 Minuten elektromagnetischen Feldern bei Mobilfunkfrequenzen ausgesetzt. Das Schlaf-EEG war wiederum im gleichen Frequenzbereich (9 - 14 Hz) verändert und die Veränderung bildete sich im Verlauf des Schlafes zurück. Die Schlafdauer war nicht verändert.

3. Studie: Einseitige Exposition mit pulsmodulierten und kontinuierlichen Feldern

Wir untersuchten, ob die Pulsmodulation wichtig ist, um das EEG zu beeinflussen. Pulsmodulierte elektromagnetische Felder veränderten das Wach-EEG vor dem Einschlafen und Schlaf-EEG in bestimmten Frequenzbereichen. Das Wach-EEG war im Alpha- Bereich und das Schlaf-EEG im Bereich der Schlafspindeln (12 - 14 Hz) verändert. Der Effekt war in der zweiten Nachthälfte am deutlichsten. Schlafdauer und Schlafstadien waren nicht verändert. Kontinuierliche Hochfrequenzfelder hatten keinen Effekt. Die Resultate zeigen erstmalig, dass die Pulsmodulation der elektromagnetischen Felder notwendig ist, um das Wach- und Schlaf EEG zu verändern.

4. Studie: Exposition im Wachzustand: Positron-Emissions-Tomographie (PET) Studie

Wir stellten uns auch die Frage, ob elektromagnetische Felder den regionalen zerebralen Blutfluss verändern. PET Untersuchungen zeigten nach 30-minütiger Exposition mit pulsmodulierten Feldern eine Zunahme des regionalen zerebralen Blutflusses im dorsolateralen präfrontalen Kortex der exponierten Hemisphäre. 

Fazit

Die Resultate zeigen, dass Hirnfunktionen, die sich in den Hirnströmen und im regionalen zerebralen Blutfluss wiederspiegeln, durch elektromagnetische Hochfrequenzfelder beeinflusst werden können. Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die Hirnströme wurden in allen drei Studien die ähnliche, jedoch unterschiedliche Feldbedingungen untersuchten, beobachtet: Exposition vor dem Schlafen vs. Exposition während des Schlafs; einseitige Exposition vs. Exposition des ganzen Kopfes; Exposition mit verschiedenen Modulationsarten.

Die hier erhobenen Befunde erlauben keinerlei Aussagen über ein mögliches Gesundheitsrisiko von Mobilfunktelefonen.

Zukünftige Studien, in denen die Modulationscharakteristiken der Felder verändert werden, sollen helfen, die den Veränderungen zugrunde liegenden Modulationsfrequenzen zu identifizieren. Weitere Studien sollten auch eine Dosis-Wirkungsbeziehung etablieren, indem die spezifische Absorptionsrate systematisch verändert wird. In all unseren Studien war sie konstant bei 1 W/kg.

Original: http://www.unizh.ch/phar/sleep/handy/zusammenfassung.htm

Anmerkung: Die diesen Studien angesetzte spezifische Absorptionsrate (SAR-Wert) von 1 W/kg ist von einer Stärke, welche während dem Telefonat mit einem mittelmässigen Handy unter schlechten Empfangsbedingungen (hohe Sendeleistung) auftritt.
Bei Mobilfunk-Sendemasten treten weitaus geringere SAR-Werte auf, der in Deutschland dafür geltende Grenzwert beträgt 0,08 W/kg. Aus diesem Basis-Grenzwert werden die meist genannten Grenzwerte von 42 V/m (elektr. Feldstärke) bzw. 4,5 W/m² (Leistungsflussdichte) bei 900 MHz abgeleitet (mehr dazu).
Daher sind die in der Studie für Handys gefundenen Ergebnisse nicht auf die Verhältnisse in der Umgebung von Sendemasten zu übertragen.

Mehr Information zu Untersuchungen der Gehirnaktivität
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Zuletzt geändert: 05.12.02